MamaMomente,

Mama-Speck

Endlich frei vom Speck? Der monatliche Heisshunger auf Schokolade hat sich gelegt. Gut für die Figur? Denkste!

Wenn ich nun meinte, der ungefähr alle 28 Tage wiederkehrende Riesenappetit auf Süssigkeiten habe positive Auswirkungen auf meine ehemals jungfräuliche, jetzt aber eher mütterliche Figur, dann habe ich mich gründlich getäuscht.

Ich kriege Mama-Speck.

Die Fressattacken bleiben aus. Trotzdem kriegt man Speck-Röllchen in der Körpermitte. Dazu dekorative Fettpölsterchen an den Hüften. Der Brite nennt sie griffig «Love-Handles».

Da sind sie also, die Jahre nach den Kindern. Weniger lustig, als ich hoffte. Mit den Kindern, die ausziehen, machen sich auch einige Hormone aus dem Staub. Ausgerechnet diejenigen, die die Haut jugendlich und faltenlos und die Schleimhäute intakt halten.

Warum die Schöpfung das so eingerichtet hat?

Ich werde es nie verstehen. Vielleicht sollte ich meinen Schöpfer in der Ewigkeit dann damit konfrontieren? Aber man sagte mir, das sei dann nicht mehr relevant…

«Warum kriegt Frau im Gesicht Falten, während der Rücken straff wie ein Spannbetttuch bleibt?»

«Warum kratzt es nun dauernd im Hals und klingt die Stimme heiser, jetzt wo man endlich ohne hämischen Kommentare der Kinder lauthals ‹Ooh I need your love babe› singen könnte?»

«Warum wird das da unten innen rum wie Schmirgelpapier? Jetzt, wo man Zeit hätte und nicht mehr dauernd unterbrochen wird?»

Vielleicht finde ich die Antworten ja selbst.

Zeit zum Nachdenken habe ich ja. Schliesslich liegt man halbe Nächte wach.

Kriegt man die Love-Handles, weil der Partner tatterig wird? Sind sie als eine Art Leitplanke oder Treppengeländer gedacht? Damit man beim Senioren-Liebesspiel nicht aus dem Bett fällt und sich den Oberschenkelhals bricht?

Jedes Milligramm Fett und jedes Tausendstel Gramm Zucker wird nun sofort in Hüftspeck umgewandelt, obwohl man immer weniger Hunger hat, je älter man wird. Könnte das vielleicht einfach ein Überlebenstrick der Natur sein? Notvorrat für harte und eisige Zeiten? Fett kostet wenigstens nichts und hält warm, aber es braucht halt Platz. Den nimmt sich die Natur, und macht uns breiter.

Falten im Gesicht sind vielleicht besser als Rückenfalten. Rückenfalten könnten unter der Kleidung scheuern, wenn sie sich übereinanderlegen, während ich im Schaukelstuhl döse. Andererseits wäre es praktisch, wenn man die Gesichtsfalten an einen unsichtbaren Platz ziehen könnte, nach unten, nach hinten.

Dann aber könnte mir die Haut im Gesicht fehlen.

Und ich müsste mit offenem Mund herumlaufen. Ein gefundenes Fressen für Insekten…

Laut singen? Im Himmel dann.

Der Partner hat ja jetzt Hörgeräte und stellt sie sowieso bei jedem lauten Ton ab. Er hat sich an die immer lauter werdende Stille gewöhnt und will endlich seine Ruhe.

Was das Schmirgelpapier anbelangt –  jetzt muss man nicht mehr Migräne vortäuschen. Man legt gut sichtbar und mit Leidensmiene die Tube Oestro-Gynaedron aufs Kopfkissen und wenn das zu wenig effizient ist, kommentiert man die Anwendungsart.

Es gibt Dinge, die ärgern einen, auch wenn sie nicht existentiell sind.

Wenn ich also nachts wegen der Hormonflucht schon wach liegen muss, dann denke ich an meine Liebsten und spreche ihnen Gutes zu.

Das ist allemal besser, als sich nörgelnd auf dem noch immer straffen Rücken zusammen mit den Röllchen aus Speck auf dem glatten Spannbetttuch hin und her zu wälzen.

 

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Autor

Redaktionsassistentin, Autorin, Mutter von drei erwachsenen Kindern und Stiefoma einer Schulkind-Prinzessin. Schamgefühle sind nach so einer Mutter-Karriere wie der ihren kein grosses Thema mehr. Sie hat nicht immer Recht. Aber sie liegt selten falsch.

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