Leere Betten im Hotel Mama

Nun sind da leere Betten, die Jahre mit meinem tollen Nachwuchs gefüllt waren.
Das Haus, das vorher aus allen Nähten platzte, wurde leer und leerer. So schnell wie die Kinder kamen, so schnell waren sie weg. Gefühlt. Denn es geht immer zu schnell. Die Seele kommt gar nicht mit.

Während meine schreibenden Kolleginnen sich noch Jahre mit all dem Kinderkram wie Windeln, Strampelanzüge, Hausaufgaben und Pubertät herumplagen müssen, habe ich das alles schon hinter mir. Kaum zu glauben. Ich habe das, was mich oft geschafft hat, geschafft.

Ein Gefühl von Verlassenheit und Verlust wollte sich bei mir breitmachen, als ich durch die frei gewordenen und aufgeräumten Zimmer ging  – nur leere Betten. Wenn ich jetzt müde von der Arbeit heim komme, liegen keine Schuhe und Taschen herum. Der Kühlschrank ist nicht leergegessen. Es herrschen weder Unordnung noch Lärm. Stille schlägt einem entgegen. Daran muss man sich gewöhnen.

Zuerst fühlte sich diese neue Leere sehr komisch an. Ich vermisste den Rummel und die Liebe der Kinder. Es tat irgendwie weh. Ich fühlte mich auf mich selbst reduziert, nutzlos. Ungewohnt, wenn man sich plötzlich auf sich selbst zurückgeworfen fühlt und keiner mehr da ist, der nach einem ruft und etwas braucht.

Aber – es gibt jetzt auch weniger Lärm, weniger Staub, weniger Unruhe, weniger Stress. Ich muss weniger Essen kochen, weniger Wäsche waschen, kaum noch bügeln. Plötzlich habe ich mehr Zeit und kann auch mal chillen. Zeit für sich alleine, die man vorher mindestens zwanzig Jahre entbehrt hat. Endlich kann ich noch ein paar von den Dingen tun, für die ich nie Zeit gehabt habe. Jetzt hat es auch Platz für ein eigenes Büro, ein nettes Gästezimmer.

Wider Erwarten habe ich mich sehr rasch an die neuen Umstände gewöhnt. Ich geniesse es, dass ich endlich in Ruhe schreiben kann. Und dass ich nicht alle fünf Minuten gestört werde, wenn ich die ungeliebte Buchhaltung, erledigen soll. Es ist klasse, dass ich nicht mehr zentnerweise Lebensmittel heim schleppen und Tonnen von Nahrung zubereiten muss. Ich finde es toll, dass ich nicht mehr um fünf Uhr aufzustehen habe und erst um zehn Uhr abends Feierabend ist. Ich geniesse die saubere Wohnung, die Ordnung, die Stille.

Und wenn mich doch ab und zu die Wehmut befallen will, dann lese ich hier die Blogbeiträge der jungen Mütter, die das alles was ich schon abhaken konnte, noch vor sich haben. Das bewahrt mich davor, Vergangenem nachzutrauern.

Denn ich lebe im Jetzt. Und das ist gut. Viel besser, als ich es erwartet habe.

Redaktionsassistentin, Autorin, Mutter von drei erwachsenen Kindern und Stiefoma einer Schulkind-Prinzessin. Schamgefühle sind nach so einer Mutter-Karriere wie der ihren kein grosses Thema mehr. Sie hat nicht immer Recht. Aber sie liegt selten falsch.

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