Ooooooopiiiiiiiii – Mein Vater wird Grossvater

«Ooooopii» – jedes Mal wenn meine Grosse den Lieferwagen meines Vaters einfahren sieht, geht’s los. Sie hüpft, klatscht in die Hände und sprintet zur Tür. So schnell, dass jeder Gepard eifersüchtig werden würde. Dazu ihr «Oooooooooooopi». Heute habe ich meinem Vater, 60 Jahre alt und NICHT technikaffin, versucht zu erklären, was ich denn jetzt so mache. Diese Sache mit dem Bloggen. Im Scherz sagte ich ihm, er könnte ja mal beschreiben wie es so ist, Grossvater zu werden.

Kurz einige Fakten zu meinem Vater

Stolzer Besitzer eines Nokia 7210 ( jaaa, gibt’s noch, jaaa, funktioniert noch. Jaaa, er hat wirklich nur das).

So humorvoll, dass ich mich kaum an ein ernsthaftes Gespräch erinnern kann. Der schwarze Humor liegt in der Familie. So war seine immergleiche Antwort auf meine Frage, wie es denn meiner Oma (seiner Mutter) gehe: «Weiss ned, ha uf jede Fall no ke Todesazeig gläse» und als diese dann gut betagt friedlich einschlief, sagte er: «Bin froh, het sie sech de Gebortstag vom ältischte Brüeder usgläse zom Stärbe, hät mi agschesse a mim.»

Sein Heiligtum, die Märklin-Eisenbahn.
Diese wurde einige Jahre von meinem jüngeren Bruder in Beschlag genommen. Nach dessen Lokführerkarriere-Ende dachte mein Dad, er hätte diese nun endlich wieder für sich. Aber nachdem er mir und meinem Bruder, sowie all unseren Freunden immer und immer wieder predigte «Im Minimum e Gommi drom», wurde er mit 51 Jahren nochmals unverhofft Vater. Läck, was haben wir gelacht! Und somit wurde seine Eisenbahn von einem neuen Lokführer (geboren 2008) wieder in Betrieb genommen.

Sein Lieblingswitz (da immer wieder erzählt. Und schon vor dem ersten Satz lacht er sich kaputt):
Ein Wiener Obdachloser durchstöbert auf seiner täglichen Suche nach
Nahrung die Wiener Mülltonnen. Dabei stösst er in einem Kübel
auf einen zerbrochenen Spiegel und weicht erschrocken zurück:
«Jössas, a Leich!»
Er rennt zur nächsten Polizeistation und meldet:
«I hob a Leich gfund’n, im dritt’n Mistkübl beim Stefansplotz,
Schaut’s’ eich des o!»
Die Polizei fährt sofort zum besagten Mistkübel, ein Beamter öffnet
die Tonne, schaut in den Spiegel, erbleicht und sagt:
«Mei Gott, des is jo ana vo uns!»

Dezember 2015: Mein Vater wird Grossvater. Oooooopii mit seinem ersten Enkelkind. Damals noch ganz ruhig.

 

Auf jeden Fall erhielt ich noch am selben Tag folgenden Elektrobrief:

Betreff: Wo ist der Ooopi-Blog?

Du wirst Grossvater! Tja, das nimmt man so nebenbei auf und denkt sich: Lieber die als ich. Man ignoriert das mal einfach so oder besser gesagt, man verdrängt mal vorerst das Grossvatersein.

Ich bin ja noch jung!!!

Da sieht man die eigene Tochter mit einem Bauch. Ihre Mutter hatte nie so eine Beule – aber sie hat sich, wie ihre Mutter auch, nie beklagt über Unwohlsein, Kotzen und was sonst alles noch bei einer Schwangerschaft dazugehört. Dann kommen die ersten 3D-Bilder über den Computer und du denkst:

«Mein Gott, das Horror-Kind.»

Grosse Erwartung: Wie sieht das aus? Wem sieht es ähnlich? Dann, am 5. Dezember, die grosse Ernüchterung:

Ein kleiner rosaroter Schreihals.

«Lieber die, als ich» – und keine Ähnlichkeit mit der Mutter oder ansatzweise dem Grossvater. Grosses Rätselraten und Kopfkratzen, aber immerhin ein Mädchen, denn die terrorisiert mich nicht beim Eisenbahn-Spielen.

«Gratuliere zum Grossvater», tönt es im Geschäft von allen Seiten und dann der Gang zum Beck, Runde Gipfeli spendieren.

Normalerweise machen wir das nur bei unseren eigenen Geburtstagen, aber die Kollegen meinten, das werde jetzt eingeführt und ich sei der Erste. Ok, das steckt man weg und nach ein paar Monaten und bald über zwei Jahre gewöhnt man sich ans Grossvatersein. Nur manchmal kommt Krisenstimmung auf wenn die Kleine OOOOpi ruft oder wenn man mit ihr ins Cafe geht und die Bedienung (in meinem Alter) zehn Minuten von ihren Grosskindern erzählt (Scheisse, ich will Zeitung lesen).

Ich ertappe mich aber auch, wie ich vor ihr prahle, was mein Grosskind schon alles kann und wie intelligent es ist.

Meine Tochter hat sich letztes Jahr noch einen Sohn zugelegt. Ein richtiger Aufsteller. Denn mein Schwiegersohn meinte, der Kleine habe die Ohren von mir. Immerhin etwas…

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Rahel lebt mit Mann, Familie und Schweinen auf dem Land. Für ihre zwei Kinder hat sie High Heels, Minikleidchen und dazu passendes Täschli eingetauscht gegen Trekkingschuhe, Funktionskleidung und diverse Traghilfen und Tragetücher. Ob sie alles so meint, wie sie schreibt? Vielleicht…

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