Die kindsche Ernährungspyramide – was essen Kinder?

Was essen Kinder? In der Schwangerschaft ist das ja noch einfach. Nabelschnur dran und schwupps, ist das Kind umfassend mit allem Nötigen versorgt. Dass die werdende Mutter darauf achtet, ausgewogen zu essen und noch ein paar Extratablettchen fürs Rundumversorgen einwirft, versteht sich fast von selbst. Und sollte sie mal was Grundlegendes vergessen wie Essiggurken, meldet sich der Körper ja von selbst.

Dann ist das Kind auf der Welt. Und die Milch übernimmt. Easypeasy.

Ist ja einfacher als gedacht, so ein Kind zu ernähren (klappt denn das mit dem Stillen oder Fläschchen).

Brei und Beikost paar Monate später sind zwar etwas herausfordernder, was den unterschwelligen Druck nach Varianz im Essen angeht. Aber sollte den Eltern bei der Fütterung ihres Nachwuchses was Wesentliches unter den Tisch fallen: Die Milch morgens und abends wird’s richten.

Es folgt die Freude, wenn das Kind erstmals ‘richtige’ Mahlzeiten zu sich nimmt. Der Spass daran, das breite Spektrum der Kulinarik im Kinderteller anzurichten. Die Begeisterung «Oh, es kommt ganz nach mir», wenn das Kind beim Pilotversuch den Fisch noch zu mögen scheint. Die lustigen Videöli, wenn das Spektrum den Bereich der Zitronen streift.

Dem Kind Essen zuzubereiten und zuzuführen ist ein grossartiges Abenteuer.

Dann, irgendwann, so ab dem dritten Lebensjahr sicher, ändert sich die Stimmungslage in der Küche.

«Das hani nid gärn», «Wäh!!!» und «Gruusig».

Obwohl der feste Vorsatz war, sich nicht nach dem Geschmack des Kindes zu richten – findet man sich plötzlich in der Situation wieder, dass man im Wechsel nur noch Broccoli und Rüebli als Gemüsebeilage kocht. Hauptsache rein in das Kind. Die unterste Skala der Ernährungspyramide ist einfach ein Muss und fünf Portionen am Tag Früchte und Gemüse – meine Güte – ich brauch’ noch ein paar Rest-Nerven für den Nachmittag.

Irgendwann akzeptiert man dann auch, dass Asiatisch grad nicht so angesagt ist. Gewisse Teigwarenformen für Kinder ungeeignet sind. Der Pizzabelag nicht mehr kreativ ist, sondern einseitig. Nämlich Salami. Und dass Pommes und Nuggets durchaus wöchentlich (wenn nicht täglich) auf dem Speiseplan stehen dürfen.

Denn anders als bei der offiziellen Ernährungspyramide sind die Esswaren bei der kindsche Pyramide fast gegensätzlich angeordnet. Gummibärchen, Eis und Schokolade sind zu unterst angesiedelt, gefolgt von Fleisch in allen Varianten. Pizza, Pommes und Pasta. Ketchup und Mayo. Gemüse – das findet man vielleicht in der allerobersten Spitzchen der Pyramide. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

Selten koche ich dann doch nach meinem Gusto. Sehe mich dann gezwungen, alles selber zu essen und esse drei Tage am Stück die Reste meines Menüs und was essen die Kinder derweil? Parallel dazu Pasta in unterschiedlichen Variationen.

Habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich die Menüs nicht mehr so facettenreich gestalte, wie auch schon?

Ja, manchmal. Weshalb ich hie und da Versuche unternehme, den Kindern Tomaten, Zucchetti und ähnliches unterzujubeln oder direkt zu verabreichen. Der Erfolg ist bis jetzt minim. Ausser man nennt «Essen mit viel Wasser runterschlucken» probieren.

Trotz wenig Glück damit, der kindsche Pyramide etwas mehr Grün zu verpassen, bleibe ich gechillt.

Ehrlich. Denn wenn ich die angerichteten Teller meines heutigen ‘Erwachsenenmenüs’ durch meine ehemaligen Kinderaugen anschaue, dann kann ich selbst nicht glauben, wie viel von diesem ekelhaften Grünzeug darauf gelandet ist und von mir sogar mit Freude aufgegessen wird.

Diesen Text haben wir extra für das digitale Food-Magazin für Eltern «Kids am Tisch» geschrieben – reinschauen lohnt sich

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Bild: Rawpix Unsplash

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Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Fünf-, einer Drei- und eines Einjährigen sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern.
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