Endlich mit einem Opa schlafen

Nun ist es also soweit. Endlich. Trara! Mein Enkel ist da! Süss, hübsch, niedlich. Es fühlt sich gut an, wenn die Kinder Kinder kriegen und einen zu Oma und Opa machen.

Ich schlafe jetzt also mit einem richtigen Grossvater. Mit Opa. Ganz legal.

Als junge Frau habe ich nicht daran gedacht, dass das eines Tages der Fall sein könnte. Und wenn, dann hätte ich das womöglich nicht sehr sexy und antörnend gefunden. Daran denken, dass man alt wird, hat in jungen Jahren wenig Priorität, und wie der Partner dann aussehen könnte, das will man sich lieber auch nicht vorstellen.

Mein werdender Opa-Ehemann hat wochenlang rum gemosert, dass er nun bald mit einer zweifachen, richtig richtigen Grossmutter zusammen wohnen muss. Ich habe ihn dann aufgeklärt.

ER MUSS NICHT. Aber er darf.

Ich werde ja ab sofort auch mit einem Opa zusammenleben müssen. Sollte das etwa weniger schlimm sein? Deshalb werde ich das rote Negligé mit den sinnlichen Straussenfedern ja nicht gleich wegtun. Ausserdem hat er das Glück, mit einer fantastischen Oma zusammen sein zu dürfen. Das muss auch mal gesagt werden. Ich war und bin schliesslich die Mutter seiner grandiosen Kinder und habe während allen drei Schwangerschaften jeden Tag neun Monate lang mehrmals täglich klaglos gekotzt. Ob das die Strafe war für fünf Minuten Sex? Es war jedenfalls eine grossartige Leistung, das ausgehalten zu haben, und die will ich gebührend gewürdigt wissen. Also die drei Schwangerschaften,  nicht die fünf Minuten.

Wir sind jetzt die Alten. Ab sofort. Von der Generation vor uns lebt nur noch meine Mutter. Sie ist nun stolze Urgrossmutter. Schön, dass sie das erleben darf.

Die Familie hat also fantastischen Zuwachs bekommen.

Über vier Kilogramm schwer und etwa einen halben Meter lang.

Alle sind sie ausser Rand und Band. Nicht nur die frischgebackenen Grosseltern oder die Uroma. Auch die Onkeln, Tanten, die Nichten, Neffen, die Freunde, Geschwister, die Nachbarn, ja sogar meine Friseurin.

Kaum war das Kind da, eilte die Nachricht in Sekunden über den Globus.

Dank WhatsApp wussten die andern Grosseltern in Uruguay, der Onkel und die Tante in Kanada, die Freunde in Holland, Deutschland und Frankreich nach einigen Minuten davon. Die Freude über den neuen Erdenbürger war und ist riesig, die Anspannung endlich vorbei.

Wir, der Opa und ich, wir müssen daher bald das Esszimmer dringend neu möblieren, damit wir an Weihnachten und Ostern dann alle genug Platz haben werden.

Grosseltern werden ist also etwas Gutes, auch wenn die Wohnung anders möbliert werden muss. Man kann gleichzeitig noch grad ausmisten und entsorgen, damit das dann nicht eines Tages der soeben geborene Enkel mit seinen Eltern tun muss.

Die Familie existiert weiter. Eine neue Generation folgt der vorherigen. Ein prima Gefühl zu wissen, dass es weitergeht und man etwas weitergeben kann.

Ich weiss nämlich, was es heisst, wenn Familie erlöscht.

Während mein Enkelkind nun den väterlichen Stamm weiterführt, stirbt meine Herkunftsfamilie väterlicherseits aus. Leider hat ausser mir niemand von den männlichen Nachkommen Nachkommen bekommen.

Das ist irgendwie traurig und tut weh.

Um so  mehr will ich mich darüber freuen, dass sich die grosse Familie meines Mannes, der vier Brüder hat, wie die Kaninchen vermehrt.

Als Folge davon, dass die Omas und Opas bereits zusammen schliefen, als sie noch jung waren. Damit muss man nicht zuwarten, sonst wird man nie Grosseltern.

Das hat inzwischen auch der Opa begriffen, und wenn er jetzt mit ergrautem Haupt neben mir schnarcht, dann wirkt er ganz zufrieden und entspannt.

Jedes Baby, das sich neu zu uns gesellt, das heissen wir also freudig und mit Trara willkommen. Innig und herzlich.

Willkommen daheim, JAKE ROGER!

Trara!

 

 

Bild: HS LEE on Unsplash

 

 

Redaktionsassistentin, Autorin, Mutter von drei erwachsenen Kindern und Stiefoma einer Schulkind-Prinzessin. Schamgefühle sind nach so einer Mutter-Karriere wie der ihren kein grosses Thema mehr. Sie hat nicht immer Recht. Aber sie liegt selten falsch.

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