Wie wird mein Kleinkind trocken? Am besten gar nicht…

Meine Tochter wird trocken. Natürlich war sie keine Alkoholikerin, Nein, sie war Windelträgerin.  Bis jetzt. Mein Plan, das Kind im Sommer im Freien trocken werden zu lassen, ging ganz schön in die Hose. So wie ihr noch ab und zu was, während dieser spannenden Ich-werd-Windelfrei-Phase. Nein, Madame entschied sich mitten im Februar:

«Ich will keine Windeln mehr tragen!»

So toll da auch klingen mag, so anstrengend ist es. Niemals hätte ich das gedacht. Aber sie nimmt die Sache ernster als ich. Dass sie mehrmals nacheinander aufs Klo rauf und dann wieder runter hüpft, ist eigentlich an der Tagesordnung. Und wenn du nach dem gefühlten 287. Mal denkst, pfff, da kommt doch jetzt eh nix mehr. Dann überrascht sie dich mit einem weiteren Bisi-Erfolgs-Strahl.

Wo kommt diese Wassermenge nur her?

Was ich auch nie gedacht hätte, dass ich jemals so «topmotivierend» werde.

«Bravo, schau mal das Bisi. Super gemacht!»

«Lägomio, ich bin soooo stolz auf dich. Genial wie du selbst aufs Klo gehst.»

«Hey Schätzchen, das hast du wahnsinnig gut gemacht, du bist schon eine ganz Grosse.»

Pha, wenn ich mich selber sprechen höre, muss ich ja fast loslachen. Was für eine Euphorie – dieses Trockenwerden. Und ganz ehrlich? Manchmal klatsch ich sogar in die Hände. Als bräuchte jemand Applaus beim Seichen. Himmel, was ist bloss aus mir geworden. Diese überstolze Mutti, die ich nie werden wollte. Ich lobe und belohne mein Kind im höchsten Masse, weil es endlich selbstständig pinkelt? Hätte mir das vorher jemand gesagt, hätte ich nur gelacht. NIEMALS!

Aber nein, ich bin echt voller Stolz. Sogar schon ein Tränchen musste ich wegdrücken!

TRÄNEN weil ein Kind selber uriniert!!!

Mein Gott haben diese Kinder mich verweichlicht. Wahrscheinlich wurde mir in diesem Moment bewusst, wie schnell die Zeit eigentlich vergeht. Viel zu schnell. Sie ist doch erst zwei Jahre alt. Eigentlich noch mein Baby. Manchmal ein trotziges, nerviges Baby aber immerhin MEINS.

Seit ihrem Windelfrei-Entschluss entscheidet Madame täglich, ob sie denn nun Windeln tragen möchte oder nicht. Ganz ohne Druck. Ich muss sagen, die erste Autofahrt und die anschliessende Einkaufstour OHNE Windel waren sehr aufregend. Für mich! Wahrscheinlich habe ich das Kind so genervt mit meiner andauernden Fragerei: «Musst du jetzt wirklich nicht Pipi machen?» bis sie mahnend den Zeigefinger hob und sagte: «Mami, ich sage schon, wann ich muss!»

Unterwegs mit einem halbtrockenen Kind bringt neue Aufgaben. Finde mal immer in Klo in unmittelbarer Nähe, da es ja äusserst schnell gehen muss sind die Worte «Mami ich muss jetzt» ausgesprochen. Denn JETZT heisst SOFORT. Hose runter und losgelassen. Das ist eine echte Herausforderung.

Des Öfteren sieht man mich mit beiden Kindern unter den Armen davon eilen, wobei die Grosse ihre Hose bereits halb runtergelassen hat. Da bleibt auch mal der Einkaufswagen mitten im Gang stehen. Oder das Auto wird schräg irgendwo hingeparkt. Und wenn wir irgendwo im Nirgendwo unterwegs sind, ja dann lasse ich sie an einen Baum urinieren. Sorry, but not sorry.

Dann setze ich mein Kind auf diese öffentliche Toilette.

Mein Albtraum! Ich mag keine öffentlichen Toiletten.

Ich meide sie, ich verabscheue sie. Es stehen mir die Haare zu Berge, wenn ich an sie denke. Und doch muss ich mich nun meiner kleinen Phobie stellen, für meine Pipi-Prinzessin. Seit sie trocken ist, habe ich immer eine kleine Flasche Desinfektionsmittel sowie Feuchttücher in der Handtasche. Das beruhigt mich… ein wenig.

Dann sitzt sie da auf dem Papierring, den ich auf den WC-Ring gelegt habe, erledigt ihr Geschäft, atmet tief den komischen Duft dieser öffentlichen Klos ein und sagt: «Mmh riecht gut, gäll Mama.» – «Naja…», denk ich mir, «gibt sicher besseres als dieses Toi-Toi-Parfum. Aber wem’s gefällt…» K2 ist in der Zwischenzeit damit beschäftigt, alle anderen Klos zu begutachten inklusive WC-Ring-Abtasten, Klopapierrollen entrollen und jede einzelne Spülung betätigen. Es schaudert mich. Bäh, also echt! Und so wasche ich sechs Hände wie eine Verrückte, nachdem eigentlich nur die Grosse auf dem ‘stillen’ Örtchen war.

Trocken werden – eine echt spannende Zeit, für Mutter und Kind. Falls ihr irgendwo ein Auto schief eingeparkt, mehrere Parkplätze einnehmend stehen seht. Urteilt nicht zu früh, was für ein unfähiger Volltrottel das wohl ist. Es könnte einfach eine Mutter sein, die ihr (fast) trockenes Kind schnellstmöglich aus dem Auto auf die nächstgelegene Toilette bringen musste.

Bild: Juan Marin Unsplash

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