Tessin mit Kindern – immer eine Reise wert

Dieser Beitrag über Reisen im Tessin mit Kindern  entstand in Zusammenarbeit mit Ticino Turismo 

Vier Kinder, vier Meinungen. Darüber, welche Aktivität in den Ferien jetzt wirklich toll ist – und welche so gar nicht. Unsere Gastbloggerin Janine Oesch ist fast schon Einheimische in der Schweizer Sonnenstube und hat ein breites Spektrum möglicher Familien-Aktivitäten im Tessin zusammen mit Ehemann und den vier Kindern getestet. Zudem verrät sie drei Insider-Tipps in der «Budget-Box» – tolle Ausflüge für wenig Chlüder.

Dank meiner strategisch cleveren Eheschliessung mit dem Sohn eines Tessiners (inkl. der willigen Übernahme des Bürgerorts, einfach damit es im Pass schön aussieht – please don’t judge me), hatten wir in den vergangen Jahren immer wieder mal als Familie die Möglichkeit, Ferien in der Sonnenstube der Schweiz zu verbringen.

Tessin, das ist für uns: See, Fluss und Berge. Mehr brauchen wir als Familie nicht, um unvergessliche Ferien zu erleben. Ab und zu mal wieder im Kollektiv eine Pizza einschmeissen – und weiter geht’s. Wir lieben es.

Das Tessin bietet natürlich noch mehr.

Wir haben für euch unsere «alte Favoriten» und neue Attraktionen getestet und zusammengefasst. Inklusive vielaussagenden Bewertungen von unseren Kids. Für eure Kids, quasi. Wir baten sie jeweils, die Aktivitäten mit einer Zahl von 1 (machen wir nie wieder) bis 5 (supercalifragilisticexpialidocious) zu bewerten.

Dafür sind folgende Vorinformationen über unsere Kinder hilfreich:

K1: w, 9 Jahre alt: Habe ich einen H&M von innen gesehen? Dann gibt’s 5 Punkte.
K2: w, 7 Jahre alt: wenn ich ein Tier gesehen habe, gibt’s 5 Punkte von mir.
K3: m, bald 6 Jahre alt: Mich gurkts an, deshalb aus Prinzip 0 Punkte.
K4: w, 3,5 Jahre alt: Was die grossen Schwestern sagen, sag’ ich auch. Denn sie sind cool. Und ich will es auch werden.

Die lieben Kinderlein: K2, K1, K3 und K4 (v.l.)

Keine Angst, auch wir Eltern geben noch unseren Senf dazu. Damit’s vielleicht noch ein bisschen aussagekräftiger ist.

Falconeria Locarno

Seit Jahren sehe ich immer und gefühlt an jeder Ecke des Tessins Plakate von der Falconeria in Locarno. Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin keine Ornithologin und plane auch nicht, eine zu werden. Vögel interessieren mich nicht. Weshalb wir bisher noch nie die Show besuchten – zum Leidwesen von K2. Denn K2 tickt anders. Sie liebt Tiere. Egal ob tot oder lebendig. Dank der Tatsache, dass ihr Papa Pfarrer ist, haben in unserem Garten schon mehrere Vögeli in Würde ihre letzte Ruhe gefunden.

In diesem Sommer haben wir es endlich geschafft. Und betraten die Falconeria.

Ich wurde total positiv überrascht! Hei, die Vögel fliegen im Fall sau nah über die Köpfe der Zuschauer hinweg. Und wir reden da nicht von kleinen Piepsern. Nein! Das sind V-Ö-G-E-L. Richtig grosse! Weisskopfadler, Störche und weiss der Geier was alles. Die Show ist super unterhaltsam aufgebaut, mit vielen Informationen auf Deutsch und Italienisch über die Tiere und ihre Lebensweisen.

Die Bewertung:
Unsere Kinder gaben (bis auf K3 – siehe Vorinfos oben) alle 4, bzw. sogar 5 Punkte. Mini-Kritikpunkt der Kids: Die Show kratzte mit der Dauer von einer Stunde an der oberen Ruhig-Sitz-Grenze. Wir Eltern fügen an, dass die Umgebung nach der Show nicht unbedingt zum längeren Verweilen einlädt. Es gibt jedoch einen kleinen, sonnigen Spielplatz und Picknickgelegenheiten sowie eine Pizzeria. Über die Vögel hat man schon alles erfahren und sie danach eingesperrt in den engen Käfigen zu sehen kommt natürlich nicht an das Show-Erlebnis heran. Kleines Highlight für die Kleinen: Die Kinder können nach der Show auf einem Shetland Pony für zwei Franken ein Ründeli reiten. Für weitere zehn Franken könnte man ein Foto mit Kind samt Vogel auf dem Arm als Erinnerung machen lassen.

Die Shows finden zweimal täglich statt. Am besten informiert ihr euch vorher kurz auf der Homepage über die Zeiten. Und geht nicht während des Filmfestivals. Fragt nicht. Umfahrt Locarno während dieser Zeit einfach am besten grossräumig.

Swissminiatur

Die meisten Eltern werden damit eigene Kindheitserinnerungen verbinden. Kein Wunder, denn die Anlage unweit von Lugano feiert nächstes Jahr bereits ihr 60-jähriges Bestehen. Die Dame an der Kasse hat mir nur verraten, dass sich die Preise aufs Jubiläum hin ändern werden. In welche Richtung und wie es mit der Ausstellung selber aussieht, konnte ich ihr leider nicht entlocken.

Die Bewertung:
Unsere Kids gaben (ausser, ihr wisst schon) alle drei Punkte. Vor allem, weil sie auf dem Rundgang viele Eidechsen und Schildkröten sahen und sie am Schluss noch mit der kleinen Loki fahren durften. Die Miniaturen fanden sie zwar cool, aber nach ungefähr zehn Modellen liess die Konzentration etwas nach.

Ich selber fand die Tatsache, wie viele alte und wunderschöne Bauten wir in der Schweiz haben, beeindruckend. Es zeigt mir, wie viel es noch zu entdecken gibt. In echt, mein ich.

Gleich neben dem Swissminiatur hat’s einen grossen Spielplatz und ein Lido. Man kann den Besuch also wunderbar erweitern.

Burgen von Bellinzona

Mein Mann musste noch einen Arbeitstag in unsere Ferien einschieben und so bin ich mit den vier Kids alleine losgepilgert, um als Ritter und Prinzessinnen die Burgen von Bellinzona zu erobern. Yeah! Als Startpunkt habe ich die Burg «Montebello» auserkoren, da diese mit Kinderspielplatz und Museum angepriesen wird.

Unser Ausflug erlitt einen kleinen Dämpfer, als das neuzeitliche Navigiergerät unserer Kutsche mich im Stich liess und ich die angepeilte Burg, bzw. deren Parkplatz nicht fand. Ich sah nur eine Burgmauer, aber keinen Weg hindurch. Also parkten wir im Städtchen und machten uns zu Fuss auf Eroberungszug.

Der (in Not) gewählte Weg an der Jugendherberge vorbei zur Burg, war dornröschenhaft verwachsen und romantisch (ich) und steil (Kinder). Meine Ursprungsidee war, allen Burgen einen Besuch abzustatten. Denn es gäbe einen schönen Rundweg, von ca. 1,5 Stunden, bei dem man an allen drei Burgen vorbeikommt. «Wenn schon, denn schon», dachte ich.

Dass daraus nichts wird, merkte ich ziemlich schnell, als ich sah, dass Burg Nr. 2 noch einige Höhenmeter (=Gejammer) mehr bedeuten würde.

Die Kids waren zu eindeutig in Überzahl.

Aber hey, zwei Burgen sind besser als keine. Also, auf in die alten Gemäuer.

Die Dame am Empfang war sehr hilfsbereit, gab uns eine Karte und zeichnete den Weg zur nächsten Burg genau darauf ein. Jetzt konnte nichts mehr schiefgehen. Da bereits Mittagszeit war, machten wir zuerst ein Picknick auf dem Burgspielplatz vor der Burg (der übrigens gleich neben dem grossen Parkplatz lag, ha…). Danach gingen wir auf Erkundungstour. Die Burg ist echt imposant und die Kids liebten es, sie zu erforschen und auf der Burgmauer entlang zu gehen. Auch der Vorgarten ist wunderschön und lädt zum verweilen und «ritterlen» ein. Etwas enttäuschend war das Museum im Turm. Erwartet hatte ich Ritterrüstungen und Schwerter, angetroffen haben wir ein paar Bilder und viel Text auf Italienisch. Non parlare italiano – also wieder raus.

Und dann, wie es halt eben manchmal so ist mit Kindern: Die Zeit ist weiter fortgeschritten als gedacht, die Möögi-Grenze tiefer als erhofft und somit der Ausflug früher abgebrochen als geplant.

Die Bewertung:
Die Girls gaben der Burg vier Punkte. Und, (Achtung!), mein Sohn sogar deren fünf!
Wir werden die anderen Burgen also sicherlich ein andermal noch besichtigen.

Ponte Tibetano

Ja, aber was macht man im Tessin, wenn’s regnet? Man könnte zum Beispiel ins «Splash & Spa» in Tamaro. Oder Shoppen gehen. Machen einfach ALLE anderen auch. Deshalb nein für uns. Wenn’s nicht grad Katzen hagelt, kann man super gut auch bei Regen wandern. Finden wir.

Die topmotivierte Wandercrew. Auf geht’s zur Hängebrücke!

Die 270m lange Tibetanische Brücke «Carasc» bei Monte Carasso gehört zu den Highlights unserer Ferien.

Wenn ihr mit Kindern unterwegs seid, empfehlen wir euch, mit dem Shuttlebus vom Infopoint in Monte Carasso nach San Defendente zu fahren. Von dort wandert man ca. eine Stunde, bis zur Ponte Tibetano. Die Brücke ist wirklich beeindruckend und es erfordert etwas Mut, sie zu überqueren. Wir waren nicht ganz unglücklich, als plötzlich dichter Nebel aufzog und man nicht mehr nach unten sah.

Von der Brücke aus geht der Weg nochmals knapp eine Stunde bis nach Curzùtt. Der wunderschöne Wanderweg führt ohne viele Höhenmeter durch den Wald, über Steine, Wurzeln, Treppen und Brücken und ist somit sehr abwechslungsreich. Am Schluss kommt man noch bei einer Kirche vorbei, bevor man im gemütlichen Tessinerdörfchen Curzùtt landet. Dort gibt’s ein Restaurant und einen grossen Spielplatz. Und die Bergbahn zurück nach Monte Carasso.

Über die Abfahrtszeiten vom Shuttlebus und der Bergbahn informiert ihr euch am besten auf der Webseite. Dort können auch gleich online Tickets gebucht werden.

Die Bewertung:
Punkte gab diese Wanderung von K1 drei (wir mussten wegen dem Regen in einem zerfallenen Rustico gleich vor der Brücke eine längere Pause einlegen – und das war ihr ein bisschen unheimlich…). Von K2+4 gab es fünf Punkte, da einfach genial und K3 hat sich seiner Stimme enthalten.

Cardada / Cimetta

The early bird catches the worm – oder in unserem Falle den Parkplatz. Denn: Die Parkmöglichkeiten bei der vom Stararchitekten Mario Botta designeten Seilbahn Orselina-Cardada, gleich oberhalb von Locarno sind, nunja, stark beschränkt. Ausserdem darf man vielerorts nur für drei Stunden parken, was sich mit Kind, Wandern und Picknicken nicht so gut verträgt. Also: Entweder sehr früh, mit ÖV oder mit extra starken Nerven anreisen.

In Cardada angekommen, ist die Hektik dann aber schnell vergessen. Denn da ist man in einem Paradies für die Kinder. Mit verschiedenen Spielplätzen, Barfussweg, Aussichtsplattform und einer Schatzsuche kann man sich lange verweilen. Die Schatzsuche gibt den Kindern einen guten Wander-Motivationsschub. Um alle Posten zu finden, «muss» man mit der Seilbahn noch weiter hoch nach Cimetta, wo die Aussicht nochmals ein Stück atemberaubender ist. Man sieht gleichzeitig den tiefsten und den höchsten Punkt der Schweiz und hat somit ein gewaltiges Alpenpanorama vor sich.

Die Bewertung:
Unsere Kids gaben vier Punkte. Dem Ausflug. Nicht dem Alpenpanorama.

Ritom

Ritom liegt gleich oberhalb von Piotta, mit wunderschöner Aussicht auf den Stau vor dem Gotthart, ähh, auf die Leventina-Ebene. Deshalb lässt sich eine Wanderung hier super mit der An- oder Abreise kombinieren. Nach Ritom gelangt man zum Beispiel von Piotta aus mit der Standseilbahn, die mit 87,8% Steigung zu den steilsten der Welt gehört und es wirklich in sich hat. Erkundigt euch unbedingt vorgängig über die Abfahrtszeiten, denn unter Umständen muss man sonst eine ganze Stunde warten.

Wenn man nicht so wandergeübt ist und sich 50-Wanderminuten sparen möchte, empfiehlt es sich, mit dem Auto gleich bis zur Staumauer in Ritom zu fahren. Der Stausee mit seiner Umgebung ist an sich schon sehr schön.

Wir empfehlen allerdings unbedingt die 3-Seen-Wanderung, bei der man zusätzlich noch an zwei weiteren, natürlichen Seen vorbeikommt. Einfach nochmal ein Level imposanter und schöner.

Wir waren total zirka fünf Stunden unterwegs, 3,5h davon am Wandern. Unsere 3,5-jährige ist fast den gesamten Weg selber gelaufen, es ist also auch mit kleineren Kindern machbar. Trotz dem obligaten Wander-Gemotze zwischendurch (gehört wohl einfach dazu), gaben alle Kinder schlussendlich todmüde fünf Punkte. Denn auf dem Weg haben wir viele Raupen und Schmetterlinge gesehen und ganz viele Murmeltiere pfeifen gehört. Etwas vom Schönsten, was die Schweiz zu bieten hat.

Einziger Minuspunkt gibt’s dafür, dass ein Grossteil der Wanderung auch für Autos zugänglich ist. Das nimmt einem etwas das «Natur pur»-Erlebnis.

Budget Box

Unsere Top-3-Budget-Favoriten

Lido in Gerra Gambarogno
Unser Lieblingsplatz Nr. 1 fürs Baden im See, inkl. günstigem Parkieren.
Ein öffentlicher Park am See. Ein kleiner Fluss, in dem man super stundenlang Stauen kann, trennt den Park von der Snack Bar «Pachamama Beach». Dort gibt es neben Snacks auch Bücher zum Ausleihen. Man kann Tischtennis spielen, in der Tauchschule nebenan SUP’s mieten – und für die Kleinen werden zwei mal wöchentlich Bastelnachmittage angeboten.

Ponte Brolla
Nicht See, sondern Fluss. Das ist Ponte Brolla an der Maggia. Ein genialer Ort, um einen «Strandtag» einzulegen. Gut erreichbar mit Bahn oder Auto. Von Locarno aus kommend, beim Bahnhof links über die Brücke, dann nach ca. 200m links runter zur Maggia – und schon landet man bei einer wunderschönen Sandbank, umgeben von Wald und Fluss. Hier gibt es für die Kleinen super viel zu entdecken: auf den grossen Steinen rumhüpfen, Sandburgen bauen, Fussball spielen, in der (kalten) Maggia baden. Und wir Erwachsenen wechseln uns ab, mit den SUP tief in die Schlucht reinzufahren.

Wanderung der Maggia entlang
Hängebrücken gibt es der Maggia entlang zuhauf. Wir haben letztes Jahr eine kleine Wanderung gemacht, die absolut empfehlenswert ist, gerade mit kleinen Entdeckern. Mit dem Auto direkt nach Someo und beim Fussballplatz parkieren. Someo kann man auch gut mit dem Bus von Locarno aus erreichen. Dort startet man gleich mit der ersten Brücke und kommt dann wenn man flussabwärts geht an diversen Rusticis vorbei. Man kann an vielen Orten gäbig Stopps einlegen und im kristallklaren Wasser baden (oder in meinem Fall zumindest die Füsse…). Die Wanderung kann man an verschiedenen Stellen beenden, je nach Gemütszustand der Kinder. Wir sind damals nur bis nach Giumaglio (wenn ihr die Strecke nachschaut, sagt euch das gleichzeitig etwas über den Zustand unserer Wandergruppe aus) und haben den Bus zurück nach Someo genommen.

Das Tessin liegt in jedem Fall nur wenige Autostunden entfernt und ermöglicht gleich ein total anderes Lebensgefühl – sei es auch nur für ein verlängertes Wochenende. Wir jedenfalls freuen uns schon auf unseren nächsten Besuch und hoffen, dass wir die einen oder anderen gluschtig machen konnten!

Arrivederci!

 

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Inspirierend, spannend oder schlicht unterhaltsam. Die Texte unserer GastautorInnen wollen wir euch garantiert nicht vorenthalten und freuen uns, dass sie unsere Elternwelt beleben.

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