Skiferien mit Kleinkindern

Wir haben es getan!
Wir sind gemeinsam mit drei kleinen Kindern im Alter von sieben Monaten, zwei und vier Jahren in die Berge gefahren. Skiferien mit Kleinkindern. Leicht crazy, I know.

Und womöglich leicht überambitioniert. Aber wir wollen unseren Kindern das Skifahren in jungen Jahren ermöglichen, damit sie später das Gefühl schon in den Beinen haben und sich die Fähigkeiten nicht mühevoll erarbeiten müssen. Schweizer halt.

Im Kofferraum eine Skiausrüstung, so teuer wie das Ferienhaus selbst. Und hunderttausend andere Dinge wie der ganze Inhalt eines Kühlschranks, die auf wundersame Weise doch noch Platz im Auto gefunden hatten. Mit im Gepäck hatten wir zudem noch ein paar lästige Grippenviren, die sich hartnäckig weigerten, abzutreten. Entsprechend war die Stimmung. Leicht reduziert.

Das Wetter hat uns einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Schnee gibt’s änet der Berge. Hier gibt’s viel grüne Wiesen. Und für Schnee fahren wir einmal dreissig Minuten mit dem Auto und nochmals fünfzehn Minuten mit der Gondel.

Tag 2, wir sind bereit.

Team Earlybird sass sage und schreibe bereits um 8.30 Uhr angezogen und befrühstückt im Auto. Unfreiwillig früh. Auf halbem Weg in die höheren Regionen bemerkten die Eltern zufällig, dass durch ein Kommunikationsmissgeschick ihrerseits die Schneeschuhe von K2 zuhause geblieben waren. Dreiviertelstunde später fuhren wir an der Stelle vorbei, an der wir gewendet hatten. Team Earlybird, nun Team Spätzünder. Stimmungslage: Könnte besser sein.

An der Talstation geparkt, das nächste Abenteuer. Kinder einpacken, Gerätschaften auspacken.

Der Göttergatte und ich waren bereits jetzt schweissgetränkt und erschöpft. Dabei hatten die Skiferien quasi erst begonnen. Immerhin waren die Kinder halbwegs glücklich. Aber nur so lange, bis feststand, dass wir in die Gondel einsteigen würden. «Nein, will nicht, Angst!», lautete die Grundparole in grösster Lautstärke. Der Gang zum Parkplatz war rutschig «Aaaangst!». Ich hatte das Baby in der Trage, ein Kind an der Hand und viele Taschen mit Windeln und Essen, Skischuhen, Kinderskis um mich herum drappiert. Ebenso der Göttergatte.

Ein Höllenritt.

Letztenendes siegte die Aufregung über die Angst und wir überstanden die Gondelfahrt ohne Tobsuchtsanfälle oder Schreikrämpfe.

Oben angekommen fuhr K1 ungefähr dreimal die Piste runter. K2 ähnlich häufig. Dann war erstmal fertig mit Motivation, da halfen auch Schokolade und sonstige Bestechungsversuche herzlich wenig.

Zwischendurch erfolgten WC-Gänge, die dem Auspack-Marathon an Weihnachten Konkurrenz machten. «Effizientes Ausziehen deines Kind im Wintertenue» – gibt es nicht. Immerhin: Kein Kind hat sich die Skihosen vollgepinkelt. Danke an dieser Stelle!

Zum Zmittag bestellten wir Anfänger viermal Pommes und bereits als der erste Teller über die Theke gereicht wurde, war mir klar, dass auch zwei für uns vier gereicht hätten. K3 – keine Zähne, keine Pommes – hätte sein Fläschchen trinken sollen. Kriegte sich vor lauter Excitement jedoch nicht ein und verweigerte konsequent jegliche Nahrung. Latenter Stress bei mir. Was, wenn der Hunger doch noch käme und die Nahrung so kalt wäre wie der Schnee unter meinen Schuhen?

Es ging häbchläb gut.

Wir konnten die Skis auf dem Berg stehen lassen und hüpften entsprechend wie junge Rehe durch den Schnee Richtung Tal. Irgendwo dazwischen holte ich mir eine Variante von Hexenschuss, der einen geraden Gang verunmöglichte und das Tragen jeglicher Dinge inkl. Baby.
Shit happens.

Tag 3 – inzwischen fühlten wir uns Skiferien mit Kleinkindern erprobt.

Das Baby sass im Kinderwagen. Ich stützte mich darauf wie auf einen Rollator. Taschen hatte ich auch noch um, entsprechend viel Schmerzmittel intus. Es ging aufwärts. Nicht nur in der Gondel, auch stimmungsmässig.

Weil die Skischulen alle über die Mittagsschlafzeit stattfanden, buchten wir eine Privatstunde am Morgen. K2 weinte zwanzig Minuten durch «Will nicht Skifahren». K1 gab kurz darauf ebenfalls Forfait. Sprich: Die Abfahrten der Kinder bewegten sich wie tags zuvor im einstelligen Bereich. Doch es gab einen Fortschritt zu feiern:

K1 kann jetzt stemmbögelen.

Wir verbuchten das als Erfolg. Bestellten einen Teller Pommes für zwei Kinder. Der Göttergatte konnte für einmal ohne Kind zwischen den Beinen ein paarmal die Piste runterfahren und ich war wahnsinnig glücklich darüber, dass es mir gelang, den ganzen Tag aufrecht zu gehen.

Zurück im Ferienhaus setzte ich den internen Whirlpool in Gang und verschwand darin so lange, bis auch die Rückenschmerzen verschwunden waren. Sitze quasi immer noch drin.

Tag 4, Hauptsache Schnee und Sonne.

Rauf auf den Berg. Skifahren war nicht. Aber sonst war’s schön.

Nach Tag 5, Schneefall, langersehnte Pause, der 6. Tag.

Und was für einer. Fantastisches Wetter, fantastische Pistenverhältnisse. Keine Frage: Der Berg ruft!

Ich vergoss ein paar Opfer-Tränchen, weil Skifahren für Mama heute aus organisatorischen und eigentlich auch gesundheitlichen Gründen nicht möglich sein würde.  Noch einmal machten wir einen auf Schneekarawane. Schleppten das ganze Material zur Gondel zur Piste unterstützt von Kindern, die im Chor «Nicht Skifahren!» skandierten.

Auf der Piste angekommen schob K2 dann erstmal eine Kältekrise, die wir mit heisser Schokolade (im Bauch und auf dem Schneeanzug) behandelten. Anschliessend fanden die Pistenabfahrten zur Abwechslung auf zwei Kufen und mit wesentlich grösserer Begeisterung statt. Irgendwie scheinen Holzschlitten die besseren Skier zu sein.

Zum Abschluss das übliche Pommes Zmittag (steinigt mich nicht, Kartoffeln sich auch ein Gemüse!).

Und dann – der Höhepunkt.

Skier den Kindern anmontiert. Die letzten Abfahrten auf dem Übungshang in Angriff genommen. Und oh Wunder!

Ob’s an der Pause lag, an den Holzschlitten, an den Kindern oder dem Tag: Sie fahren Ski!

Unsere Kinder fahren Ski!

Noch etwas ungelenk. K1 will partout auf Stemmbogen verzichten und fährt grädiabe ohne zu Bremsen knapp an Skilifthäuschen und wartenden Leuten vorbei. Grinst im Geschwindigkeitsrausch und geht freiwillig (!) und alleine auf den Skilift. K2 hat sich eine krasse Rennfahrerpose irgendwo abgeschaut und fährt nun in Hocke und imaginären Skistöcken ebenfalls ungebremst und unkontrolliert den Übungshang herunter.

Wir Eltern wissen kaum, wie uns geschieht. Rennen über beide Ohren grinsend unseren Kindern hinterher.

What. A. Feeling!

Das Investment war gross. Umso grösser die Freude, wenn dein Kind wie ein Betrunkener ohne Technik aber mit viel Freude den Hang runterbrettert.

Tag 6 mit seinem Recency-Effekt hat auf den letzten Metern die Erinnerung an unsere Skiferien gerettet.

Und ihr dürft gerne von unserer «Skiferien mit Kleinkindern»-Erfahrung (und der unserer LeserInnen) profitieren. Entsprechende Tipps wie «Skifahren ist nicht alles» findet ihr in Kürze hier auf unserem Blog.

Das Fazit:

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Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Fünf-, einer Drei- und eines Einjährigen sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern.
Mehr zur Journalistin: autor.in

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