Same procedure as every year

You’re a bum
You’re a punk
You’re an old slut on junk
Lying there almost dead on a drip in that bed
You scumbag, you maggot
You cheap lousy faggot
Happy Christmas your arse
I pray God it’s our last!

The Pouges – Fairytale of New York

Mein Lieblingweihnachtslied lässt es vielleicht erahnen…. Weihnachten ist nicht so Meins. Trotz Kindern. Denn an Weihnachten stört mich so einiges. Das ganze Geköche. Das ganze Gekaufe. Das ganze Getue.

Und am allerschlimmsten: das ganze Gesinge!

Das alles ist mir echt zu viel. Früher konnte ich sehr gut darauf verzichten. Mal war ich in Sharm-El-Sheikh, mal in Wien, mal am Wellnessen über diese Tage. Wie schön das war. Einfach abhauen und Nichts mit dem ganzen herauf beschwörten Weihnachtsstress zu tun haben. Aber heute ist alles anders, heute habe ich ja eben Kinder. Ich habe meine eigene kleine Familie, meine lieben Verwandten und natürlich nicht zu vergessen: Meine liebsten angetrauten Verwandten. Und alle wollen sie nun mit uns Weihnachten feiern. Also tun wir das auch, in christlicher, gut-schweizerischen Manier. Yeahy! (Ironie off)

Über diese Tage bin ich dann wohl eher die bepisste Pessimistin anstelle der obsessiven Optimistin. Ich seh schon Tage vor dem Weihnachtsansturm, meine Küche im Chaos versinken. Familienmitglieder versorgen Untensilien falsch und ich bin noch bis Silvester im nächsten Jahr am Wiederaufbereiten der Küche. Dann diese Schenkerei. Jeder besorgt noch iiirgendein Geschenk für Jemanden, den er nicht besonders gut kennt geschweige besonders gut mag.

Und da auch jemand für mich ein Last Minute Geschenk besorgt, muss ich auch noch so tun als hätt ich besonders Freude. Iiiiik!

Mir stehen die Haare zu Berge. Dann das Gesinge. Mein absoluter Horror – Nein es geht gar nicht! Bäh, FREMDSCHÄMALARM und ich bin mittendrin! Die Familie gibt verkorkst Weihnachtslieder zum Besten. Niemand singt besonders laut, geschweige denn besonders gut. Und im allerschlimmsten Fall ist irgendein Kind gerade daran, ein Instrument zu lernen. Na ihr wisst schon, schon im Sommer werden die Weihnachtslieder geübt, damit sie an Weihnachten dann auch (nicht) sitzen. So wird in Zukunft das nicht besonders gute Gesinge mit nicht besonders gutem Gespiel begleitet werden.

Alles in Allem NICHTS BESONDERES diese Tage. Ausser besonders anstrengend.

Und dann der Weihnachtsbaum… dieser bemitleidenswerte, bedauerliche, tuntig geschmückte Tannenbaum. Er steht danach noch wochenlang verloren da, nach nur zwei, vielleicht drei Tagen intensiver Nutzung und Bewunderung. Und immer wenn ich ihn mir ansehe, frage ich mich, was der sich wohl denkt? Wurde er doch volle zwei Tage lang angestrahlt, besungen und bewundert. Von allen Seiten gelobt und seine Pracht wurde noch unterstrichen mit den abertausenden von Geschenken, die man darunter legt.

UND JETZT? Steht er etwas verloren da. Den Kindern ist er beim Spielen nur im Weg, sie rennen das Ding fast um. Auch ich ertappe mich, wie ich den elenden Tannenbaum verfluche. Er verliert ständig Nadeln, so dass ich täglich (genervt) staubsaugen muss. Dazu kommen die lebenserhaltenden Massnahmen sprich das Tränken, lieber würde ich das Ding ertränken und seinem jämmerlichen Leben nach Weihnachten ein Ende bereiten. Denn in seinem sich lichtenden Geäst hängen lieblos die Papierreste der Schokolade, die Kugeln sind dank Kleinkinder auch nicht mehr vollzählig und so ganz ohne Geschenke drunter scheint sich echt niemand mehr dafür zu interessieren. Ausser vielleicht unser Baby.

Ich seh es schon mit seinen fettigen, vollgesabberten Fingern nach den Nadeln greifen und sich die Ausbeute in den Mund stopfen. Hallelujah!

Ich wünsche mir bereits den 6. Januar herbei, wenn wir den traurigen Tannenbaum endlich erlösen, heisst entsorgen können. Wahrscheinlich muss ich ihn dann selbst raus schleifen, nackt und dörr. Also der Baum, nicht ich. Denn so ist es jedes Jahr. Bis mein Mann Zeit findet, das Ding zu entsorgen, steht es längst total entblösst in unserem Haus.

Auch die friedliche Familienstimmung. Die beigelegten Zwiste über diese Tage. Vergessen! Eben lag man sich glücklich in den Armen, schon liegt man sich wieder in den Haaren. Weiter geht es mit dem fröhlichen Motzen, Lästern und Misstrauen. Ich sag ja gerne:

Das Fest der Hiebe. Wenn es auch nur «Seitenhiebe» sind.

Aber mit höchster Wahrscheinlichkeit heisst es auch dieses Jahr wieder: SAME PROCEDURE AS EVERY YEAR. Es wird auch dieses Jahr wieder zu viel und zu üppig in meiner Küche gekocht. Es wird wieder ein zu grosser und zu beladener Weihnachtsbaum in unserem Wohnzimmer stehen. Und auch dieses Jahr werde ich wohl wieder in letzter Minute zu teure und überflüssige Geschenke organisieren. (Es lebe Onlineshopping!). Und leider Gottes werden wir wohl auch dieses Jahr wieder fröhlich «OH TANNENBAUM» zusammen singen.

Immerhin noch ohne musikalische Begleitung eines wahnsinnig (un)talentierten Jungmusikers.

Bild: Sandra Fischer – www.sandrafischer.ch

Rahel lebt mit Mann, Familie und Schweinen auf dem Land. Für ihre zwei Kinder hat sie High Heels, Minikleidchen und dazu passendes Täschli eingetauscht gegen Trekkingschuhe, Funktionskleidung und diverse Traghilfen und Tragetücher. Ob sie alles so meint, wie sie schreibt? Vielleicht…

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