Pimp my Duktig – Eine Anleitung, wie man es garantiert nicht machen sollte

Ich habe mich heuer an den Klassiker gewagt. Drei Wochen vor dem Geburtstag meiner Tochter habe ich beschlossen, ihr eine Ikea-Küche (Duktig im Fachjargon)  zu schenken. Und natürlich nicht einfach eine 0815-Duktig. Es sollte dann schon eine individuelle sein. Weil, wer’s noch nicht weiss: Im Internet wimmelt es von Menschen, die ihren Kindern Duktig-Kinderküchen ins Unendliche gepimpt haben unter dem Hashtag «Pimy my Duktig».

Und ich nahm mir vor: In Kürze wäre auch ich Teil der Pimp-my-Duktig-Community.

Auf was ich mich da eingelassen habe, davon schrieb keiner dieser Blogs, die ich im Vorfeld zu Inspirations- und Recherchezwecken quergelesen hatte.

Pimp meine Kinderküche – ein Kinderspiel?

Inspiration findet sich im Internet zuhauf. Unter «Pimp my Duktig» ratterte es einschlägige Blog-Artikel und Pinterest-Bilder, die mir ein ambitioniertes, aber – so machten sie den Anschein – erreichbares Ziel vor Augen hielten.

Nachdem ich mich ein bisschen schlau gelesen hatte, folgte der Gang in die Ikea und den Baumarkt.

Dort entschied ich mich relativ spontan für Apparaturen in Kupfer (Spray) und die Farbe «Mint» (ebenfalls Spray), die leider dieselbe gross aufgedruckte Nummer hat wie die Farbe «Jade», welche leider auch fast genau gleich aussieht, aber eben nur fast. Mehr dazu später.

Heimlich – das Geburtstagsgeschenk sollte eine grandiose Überraschung werden – entfernte ich alle Teile, die nach Küche aussahen, aus der Packung und versuchte, aus den restlichen die auszuwählen, die angesprayt werden sollten. Den Kindern erklärte ich, ich würde «ein Möbel anmalen» und versuchte, zwischen Haushalt, Kinderbeaufsichtigen, Kinderbeschäftigen und Arbeiten, dieses Unterfangen produktiv anzugehen.

Schlau, wie ich mich da noch fühlte, hatte ich Malerklebeband eingekauft und klebte nun alle Flächen ab, von denen ich glaubte, sie müssten im Ursprungszustand belassen werden. Die restlichen schliff ich grob ab, damit die Farbe später besser haften würde. Ich Bastel-Ass!

Eine Woche hatte ich für den Küchenumbau eingeplant. Es folgte eine Art Countdown in Form von Fails.

Das erste Bild meiner Insta-Story. Da war ich noch voll motiviert!

Entsprechend habe ich den Hergang zur Traumküche aufgeführt.

Fail 1

Farbauftragen mittels Spraydose.
Die 30cm Abstand hatte ich anfangs nicht eingehalten, was dazu führte, dass ich die Teile nochmals neu abschleifen musste. Dummer Anfängerfehler. Kann passieren.

Fail 2

Die Spraydose war in Kürze leer. Zumal ich den Anfang ja bereits gründlich verkackt hatte.
Dies bedeutete, dass ich mit den drei Kindern erneut dem Baumarkt einen Besuch abstatten musste .

Fail 3

Falsche Farbe gekauft. Verweise auf Jade, die Mint dermassen gleicht, als wären sie eieiige Zwillinge. Sind sie auch fast. Denn erst, wer mit der Lupe die Farbbezeichnung oder Artikelnummer prüft, findet den Unterschied. Bemerkt habe ich es entsprechend erst dann, als ich die Farbe auf die Küchenbestandteile gesprüht habe. Sah wirklich fast identisch aus. Aber äbe, nur fast.

Seht ihr den Blick dieser Person in der Zeitung? Öppe so habe ich auch geschaut, als ich den Farbvergleich machte…
Fail 4

Zu wenig Lack. Inzwischen war ich quasi Stammgast beim Baumarkt und es half unglaublich, dass es dort nicht nur Non-Food-Produkte, sondern gleich auch Food zu kaufen gab. Sonst wären wir allesamt verhungert.

Wow. Endlich eine Sache, die so funktionierte, wie geplant. Das Sprayen der Küchenarmaturen in einer Nacht und (Farb-)Nebel-Aktion (sollte ja Überraschung bleiben)

Jetzt war alles gefärbt und gelackt. Nahm ich an. Als ich am Abend vor dem Geburtstag alle Teile auspackte und die Rückwand mit Folie überzog (Fail 5: erst die falsche Rückwand überzogen).

Aber es kam, wie es kommen musste.

Fail 6

Plötzlich lagen da zwei Teile, die ich eigentlich noch hätte besprühen sollen. Der Fall war nicht zwingend. Die Türe hätte auch im belassenen Weiss schick ausgesehen. Aber come on. Jetzt hab ich schon so viele Runden im Baumarkt gedreht, jetzt machen wir’s richtig.

Richtig beschissen.

Denn kaum waren die Teile grob besprüht, war die Spraydose leer.

No words needed.

Das war der Zeitpunkt des Zusammenbruchs.

Heulend verpackte ich alle Teile zurück in die Kiste. Morgen wäre der Geburtstag. Zeit um die Küche fertigzustellen, hatte ich keine mehr. Alternative Geschenke ebenfalls nicht.

Pimp my duktig my ass.

Die Rettung erfolgte mit sich erbarmenden Eltern. Die – auf dem Weg zu mir und um die Kinder auszuführen – gleich noch eine neue Spraydose kaufen gehen würden. Ihr ahnt es womöglich schon. Es lag auf der Hand.

Fail 7

Dann hatte ich sie in der Hand. Erneut versuchte Jade, sich hinterrücks auf unserer Duktig-Küche zu verewigen. Aber diesmal war ich gewappnet. Und holte erst die Lupe.

Blöd war es trotzdem. Statt den Vormittag wie geplant mit dem Zusammenbau der Küche zu verbringen, verbrachte ich ihn am beliebtesten Ort der letzten Woche: Dem Baumarkt.

Fail 8

Endlich war alles fertiggesprüht und ich konnte die Küche zusammenbauen. Was an sich eine kurze Sache ist. Mal ein einfaches, dubelisicheres Ikea-Möbel. Insbesondere, wenn man bereits einige Ikea-Möbel zusammengeschraubt hatte wie ich im letzten Jahr. Ich hatte den Dreh raus. Doch da war noch was: Flächen. Flächen, die ich anfangs mühselig abgeklebt hatte und die sich nun als fälschlicherweise noch nicht farbig aber zwingend-farbig-sein-sollend entpuppten.

Immerhin hatte sich die Anschaffung der dritten Spraydose nun wahrhaftig gelohnt.

Irgendwann war dann der Lack zu Ende (ich früher als er). Und irgendwann beschloss ich, den Fünfer gerade sein zu lassen. Ich mein: Who cares? Für wen tue ich das eigentlich? Und wie häufig würde es vorkommen, dass die Innenseite der Oberschränkchen mit Wasser geschwemmt würden?

Ich packte die fertig designte und aufgebaute Kinderküche grossflächig und lieblos mit braunem Packpapier ein. Pflanzte eine pinkfarbene Masche drauf und hätte eine Woche Urlaub gemacht – wenn ich denn gekonnt hätte. Aber ungefähr eine halbe Stunde später schon wurde das kaum getrocknete Küchenmöbel bereits wieder ausgepackt.

Shit ja. Ich war so fertig, dass das Geburtstagsgeschenk schlussendlich so daher kam. Aber: Es ist den Kindern gar nicht aufgefallen… (nehme mir trotzdem vor, nächstes Jahr eine Extrarolle Geschenkpapier für überdimensionierte Geschenke zu kaufen).

Das Kind hatte seine Freude.

Ich hatte mein Leben zurück.

Und das Fazit der Geschichte:
Wer freestyle backen kann, kann nicht zwingend auch freestyle basteln.

Was nun folgt sind:
Bilder der fertigen Küche. So wie eine Aufzählung, was ich gemacht habe. Und einige Tipps für die, die’s besser machen wollen 🙂

Was habe ich gemacht:
  • Fronten und alles drumrum farbig angemalt und lackiert.
  • Apparaturen mit Kupferspray besprüht – hält besser, als ursprünglich gedacht.
  • im Baumarkt eine ca. 4mm-dünne Holzwand zuschneiden lassen, diese mit Folie abgeklebt. Rückwand mit Tafelfarbe gestrichen. Mit Nägeln an Küche befestigt.
  • obere Rückwand ebenfalls mit Tafelfarbe gestrichen.
  • Abdeckung mit klassischer Marmormuster-Folie überklebt (Achtung, die Platte ist später überhängend und nicht bündig angeschraubt, sprich, die Folie über die Kante klappen und erst nach zwei, drei Zentimeter abschneiden).
  • Mikrowellentür mit schwarzem Marker angemalt, um klassischeren Mikrowellenlook zu erzeugen (ginge auch mit Backofentür).

Zusätzliche tolle Ideen:

  • Lichter montieren (wie das geht, findet ihr auf den restlichen Blogs. Ich hab’s noch nicht gemacht. Aber find, sieht toll aus.
  • Griffe könnten auch mit original Pax-Türgriffen ersetzt werden. Wirkt hochwertiger.
  • Zusätzliche Knöpfe oberhalb des Backofens anbringen, da dieser keine eigenen hat.
Hier meine Tipps für eine erfolgreichere Küchenbehandlung:
  • Küche provisorisch aufbauen und die zu färbenden Fronten gleich entsprechend markieren (weil, ganz unten, das hab ich erst beim Zusammenbauen bemerkt, da ist der Boden überhängend. Sprich, wer dort nicht zusätzlich eine Zentimeter-tiefe Fläche anmalt, hat später dann statt Farbe und einheitliches Bild einen Streifen klassischen Duktig-Holztons)
  • Zeit, Zeit, Zeit. Nichts ist so schnell gebastelt, wie es gedacht wird.
  • Mehr ist mehr. Lieber eine Spraydose (Farbdose) mehr kaufen – oder gleich die m2-Anzahl ausrechnen – und die später umtauschen. Als mehrmals ins Bauhaus rennen
  • Die Masse der Rückwand sind nicht, wie in anderen Blogs beschrieben, 33×68, sondern: 31×68 – oder ganz bündig, so um die 30.5 – aber lieber selber messen. Zuschneiden lassen kann man sie im Baumarkt für sehr wenig Geld.
  • Folie lässt sich bequem online bestellen (zB Bauhaus) – jedoch haben sich die schwarz-weiss-Quadrate als wesentlich kleiner entpuppt als im Internet gesehen – sprich: Einkauf vor Ort erspart Überraschungen.
  • Küchenton der restlichen Wohnung und nicht dem Kindergeschmack anpassen – für alle, die’s gern stimmig haben und die finden, rosa gehört maximal in den Kleiderschrank, aber nicht ins Wohnzimmer.
Taddaaahhh… ich bin stolz wie Anton. Trotz der vielen Fails sieht die Küche total toll aus. Und zugegeben, die Auswahl für die anschliessenden Bilder hier auf dem Blog hat richtig Spass gemacht!

Die Menu- oder Kreativ-Tafel. So weiss Mama wenigstens, was ihr von den Kinderköchen aufgetischt wird.

Diese leckeren Ravioli und Pasta haben wir beim Beaverlag bestellt (#notsponsored)

Das typische Chaos nach dem Kochen.

Falls ihr andere vor potenziellen Fails warnen – oder die Küche euren Geschmack trifft, dürft ihr ihn sehr gerne pinnen:

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern.
Mehr zur Journalistin: autor.in

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