Hätte mir vor Jahren jemand gesagt, dass ich mehrmals täglich den Boden unter dem Esstisch feucht aufnehmen würde. Ich hätte etwas abschätzig gelacht. Und gedacht: Meine Kinder werden ihr Essen auf direktem Weg in den Mund schieben. Mit Gabel und Messer wohlverstanden.

Jetzt lache ich nicht mehr. Höchstens über mein früheres Ich. Denn wenn ich eins gelernt habe: Kinder machen, was sie wollen. Und in dem Moment, wo man denkt «Ojjj, meine Tochter hat die WC-Bürste-Phase einfach ausgelassen, geil!!!», entdeckt man sie beim heimlichen Kloputzen.
Echt passiert.

Muttersein kostet mich alles.

Wie ich beispielsweise das eine halbe Jahr überlebt habe, in dem meine Tochter nonstop krank war und der ältere Sohn parallel dazu alles unternommen hat, um eben so viel Aufmerksamkeit zu kriegen wie sie: Ich. Weiss. Es. Nicht.
Ich habe drei Kinder. Einen Mann, der 100% arbeitet. Ich selbst arbeite mehr als vorher. Nur nicht mehr das, was ich gelernt habe (Psychologin, Marketing-Projektleiterin, TV-Redaktorin und Print-Journalistin, in der Reihenfolge). Das ist zuweilen überfordernd. Mamasein hat mir niemand beigebracht. Sowas wie Babysitten kannte ich nur aus Filmen. Die entwicklungspsychologischen Vorlesungen hatte ich weitgehend umschifft.

Trotzdem bin ich in einem Alltag gelandet, der sich mehrheitlich um das Wohl von Kindern dreht. Anders, so musste ich mir eingestehen, lässt sich Familie – zumindest für uns – nicht leben.

Mein Mann und ich versuchen täglich, Arbeit, Haushalt und unsere Nachkommenschaft optimal zu kombinieren. Wenn mich jemand fragt, wie viel Prozent ich arbeite, bin ich nicht in der Lage, diese Frage adäquat zu beantworten. Ich arbeite immer. Und bin so dankbar, fällt das, was ich beruflich mache, unter Leidenschaft und nicht unter krampfhafter Versuch, ein demonstratives Ich-arbeite-im-Fall-auch-noch-Arbeitspensum aufrecht zu erhalten.

Wenn ich eines im Leben mit Kindern gelernt habe, dann das: Egal, wie die Umstände sind, ich gebe alles, damit mein Herz fröhlich, offen und liebend bleibt.

Denn gemäss meiner Theorie sind glückliche Menschen die, die sich fürs Glücklichsein entschieden haben. Und so suche ich das Glück, auf Knien unter dem Esstisch Essensreste vom Boden klaubend. Ich suche es, wenn mir meine Kinder Schimpfworte an den Kopf werfen, ihren Frust an mir auslassen oder mir im Chor die Ohren volljammern. Ich suche es in den schlaflosen Nächten, in denen ich Kinder tröste, nasse Betten abziehe, Fusstritte in den Rücken ertrage. Ich suche es und ich finde es. Mamasein macht mich glücklich, jedesmal, wenn ich meine Kinder anschaue. Und mit anschauen meine ich: Sie sehen. Mit ihrer vollkommenen Schönheit, ihrer Kindlichkeit, ihrer Weisheit, ihrer Freude, ihren Begabungen und ihren Eigenheiten. Und dabei nie ganz fassen kann, dass diese Wesen tatsächlich zu mir gehören.

Ein grosser Vorteil hat das Mama-Dasein zudem. Mir ist nicht mehr langweilig. Nie mehr. Und sollte mir je der Gedanke kommen, dass doch… ich verweise aufs WC-Bürsteli-Beispiel am Anfang dieses Textes.

Meine ‘Frei-Zeit’, die dann auch eher spärlich ausfällt, nutze ich für die Herstellung von exzellenten Esswaren, dem Reinziehen von Büchern (ok, inzwischen kaum mehr), Doks, Reportagen und einer beachtlichen Palette Trash-TV.

Ich schreibe hier unplugged, weil ich finde, dass Mutterschaft nicht wie eine verklärte, heilige Kuh daherkommen darf – sondern allen klar wird:

Auch verklärte, heilige Kühe müssen manchmal scheissen.