Minimalismus zu Weihnachten

Weihnachten steht vor der Tür. Und ich stehe da mit zwei Kleinkindern. Wohlgemerkt, zwei äusserst lebhaften Kleinkindern. Letztes Jahr war K2 noch ein Baby und fiel nicht so sehr ins Gewicht. Doch dieses Jahr, mitten in der Trotzphase, braucht er meine Aufmerksamkeit mehr denn je. Aufmerksamkeit, die somit den festlichen Vorbereitungen fehlt. Dekorieren zum Beispiel. Oder Weihnachtskekse backen. Oder Adventskalender basteln für die Patenkinder. Oder Geschenkeshopping. Oooooder Weihnachtsmenu planen.

Damals alleine oder mit nur einem (Klein)kind, ging das alles irgendwie noch so leicht. Ich habe tatsächlich noch Weihnachtsdeko gebastelt.

Do it yourself-mässig, mit viel Heissleim, Schischi-Gaga-Zeugs und Glitzer. Es war so meditativ. Für dieses Jahr wäre es undenkbar gewesen. Ich plädiere für Minimalismus zu Weihnachten, sehe schliesslich schon die kleinen, nervenzerrenden Kämpfe vor mir: «Nein, du darfst die Leimpistole nicht anfassen! Bring sofort die Holztannenbäumchen zurück! Lass die Schere liegen! Jetzt streitet nicht um den Glitzerstift! Klar darfst du helfen, du kannst hier auf dieses Blatt etwas Schönes malen. Hör auf! Halt! Stopp! Hey! Fertig JETZT!» Darum habe ich es nicht mal versucht. Ich kenne meine Kinder und vorallem kenne ich mich. (Am Ende des Tages wäre ich ausgerastet und hätte alles, wahrscheinlich inklusive den Kindern, in den Müll geworfen. ALTERNATIV: Nach zehn Minuten streiten, hätte ich den Bättel hingeworfen.)

Wie war das schön die letzten Jahre beim Weihnachtskekse backen. Wir drei bis vier Freundinnen trafen uns jährlich anfang Dezember zum Guetzlibacken. Jede nahm zwei bis drei Sorten  Teig mit. Herrlich, danach so viele wunderschöne Guetzlis. Dieses Jahr fiel das Ganze ins Wasser. Eine Freundin ist mitten im Umzugsstress, die andere erwartet demnächst ihr zweites Kind, die Dritte hat bereits drei Kinder und somit schon vor zwei Jahren aufgegeben. Also habe ich es alleine versucht, naja alleine, mit meinen zwei Wirbelwinden halt. Entspannend war es nicht. Keine Minute. Ich habe zwei Teige vorbereitet, ZWEI. K2 schlief schon während der Vorbereitungen, die er immer wieder nörgelnd und motzend unterbrach, ein. Die Grosse hatte nach drei Guetzli ausstechen keine Lust mehr. So blieb alles an mir hängen, während beide immer wieder etwas von mir verlangten. Die Kekse sehen auch dementsprechend aus. Bisschen dunkler als auch schon und die Verzierungen etwas minimalistisch geprägt.

Man kann gut behaupten, diese Guetzli stammen noch aus den wenigen Minuten, in denen die Weihnachtsmusik im Hintergrund dudelte und alle selig mitsangen…

Minimalistisch war dieses Jahr auch der Adventskalender für meine Patenkinder. Tschuldigung. Das Jahr ist nur so vorbei geflogen und meine sonst so akurate Planung der Befüllung verlief im Sand. So holte ich auf den letzten Drücker viel zu viele Süssigkeiten und kleiner Krimskrams, der wohl eher zum Wegwerfen gedacht ist. Adventskalender machte ich früher echt tolle. Mit gut überlegten, auf das Kind angepasste, kleinen Inhalten. Alles liebevoll in einzelne Päckchen verpackt. Nicht nur in gekaufte Säckchen abgefüllt und lieblos zugeklebt.

Liebe Gottekinder, ich verspreche euch, nächstes Jahr wird es wieder besser!

Auch im Geschenke machen, war ich bis letztes Jahr sehr kreativ. Ich habe mit der Grossen Einkaufstaschen gestaltet. Mit ihren Fussabdrücken. Daneben stand für jede Grossmutter und Urgrossmutter einen abgestimmten Spruch. Ich habe das mit dem Kleinen dieses Jahr auch versucht. No Chance! Er schrie und schlug um sich. «NEIN NEIN NEIN»! Er rannte mir mit den angemalten Füssen davon. So hatte ich die Fussabdrücke nicht wie vorgesehen auf den Kochschürzen, sondern überall in unserem Bad und dem Kinderzimmer verteilt. Sah auch schön aus, nur eher schlecht verschenkbar. So entschied ich mich einfachheitshalber und um Stress für alle zu vermeiden, für Fotogeschenke. Heute bestellt – morgen geliefert. ERLEDIGT.

Nun bekommt die Uroma Socken mit den Fotos ihrer Enkel drauf. Muss reichen für dieses Jahr.

So habe ich schlussendlich alle, wirklich alle Geschenke online bestellt. Denn das Christmas-Shopping fiel dieses Jahr auch ins Wasser. Einen Tag wollte ich meine Kinder abgeben und dann war der Babysitter krank. Und wie man sich vorstellen kann, ist Spielzeug-Shopping mit zwei Kleinkindern reines herauf beschwören von Trotzanfällen. Jedenfalls bei meinen Beiden. Für alle die liebe, ruhige, nicht-trotzende Kinder haben. Schön für euch.

Und die, die sich jetzt fragen, warum ich die Kinder nicht sonst wo abgebe oder eine andere Gelegenheit nutzte. Tjaaa, die liebe Vorweihnachtszeit da sind ja eigentlich fast alle im Stress. Gotti, Götti, Tanten, Onkel, Grossmütter und so ziemlich alle sonst verfügbaren Babysitter. Kinderparadies? Klar wäre das eine Option. Leider heisst es da meist: Erst ab DREI Jahren! Ich hatte bis vor kurzem aber zwei Kinder UNTER drei Jahren. Ich Glückliche.

Dann zum Schluss  die alljährliche Frage: «Was kochen wir zu Weihnachten?» Meine Antwort dieses Jahr: «Holen wir uns doch Kebab», kam nur mässig gut an.

Denn was kochen «WIR» ist ja eher ein was kochst «DU». Leider haben wir als kinderfreies Paar angefangen, den Massstab hoch anzusetzen. So gab es bei uns immer eine leichte Vorspeise, ein aufwendiges Hauptgericht und ein schön angerichtetes Dessert. Wir kochten zusammen, als Team. Wir standen stundenlang in der Küche und zauberten ein wirkliches Festmahl. Klar wäre das auch mit zwei Kids kleinen, nicht allzu nützlichen Küchenhelfern machbar. Doch wer will schon nebem dem Souflee vorbereiten noch Äpfel fürs Znüni zu schälen. Oder Windeln zu wechseln, während das scharf angebratene Fleisch in der Pfanne vor sich hin trocknet. Diesen Stress tue ich uns nicht an. Ich hoffe, dieses Jahr kann ich meine Familie für ein einfaches Raclette oder Fondue begeistern. Ohne Vorspeise aber vielleicht mit den Guetzli als Dessert.

Schlussendlich geht es doch auch nicht um das grossartige Menu, die tollen Geschenke oder die schönsten Guetzli, sondern ums Zusammensein und darum die wunderschöne Zeit geniessen. Dieses Jahr verging so schnell, zu schnell für meinen Geschmack, darum sollten wir es ruhig, im engsten Familienkreis ausklingen lassen.

Hier noch Rahel’s Tipp für rasche Guetzli
(Die, welche entstanden sind, während die Kinder die Wohnung auseinander nahmen oder an ihrem Hosenbein gezerrt haben):

  • Guetzliteig rollen
  • Die Teigrolle mit Messer in dünne Scheiben schneiden
  • gemäss Backbuch backen
  • mit Kakao, Ovi oder Himbeerpulver bestreuen

 

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