Meine neue Sportart: der Kindergartenweg

Seit Sommer betreibe ich exzessiv Sport. Mehrmals pro Tag. Täglich. Zugegeben, die Intervalle sind eher kurz gehalten. Aber: Sie sind brutal intensiv.

Die Bezeichnung meiner neu entdeckten Sportart heisst «Kindergartenweg».

Ich gehe, laufe, renne zuweilen den Kindergartenweg meines Sohnes mit meinem Sohn – und seinen beiden jüngeren Geschwister. Dabei gehe ich so vor, wie man es bei intensiven Sportarten sollte und starte mit einem Aufwärmtraining: Dafür sorgen, dass drei Kinder im Alter von eins bis fünf Jahren passend gekleidet vor die Haustüre gelangen. Bereits das ein Kraftakt. Insbesondere, da K3 aktuell grad gänzlich ungern in den Kinderwagen sitzt – dies aber muss, weil die kurzen Beinchen für die Strecke von einem Kilometer zu kurz und halt einfach zu langsam sind.

Schon mal ein sich mit allen Kräften wehrendes und windendes Kleinkind im Kinderwagen befestigt? Schweissausbrüche garantiert.

Anfänglich war ich noch zu wenig gut ausgerüstet. Hätte ja auch nicht damit gerechnet, dass ich während mehrere Monate die Strecke zurücklegen würde. Aber der Weg ist lang, da hat es eine Strasse drin, die man überqueren muss. Also begleite ich das Kind.

Meine sportliche Ausrüstung war spärlich.

So dass ich den Kilometer meist in gebückter Haltung zurücklegen musste. Weil K2 ausdauernd und akut über «Beinweh» jammerte, partout keinen einzigen Schritt mehr machen wollte, auch nicht auf dem Trottinett. Weshalb ich K3 im Kinderwagen vor mir her schob, K2 auf dem Trottinett stehend hinter mir her ziehend. K1 glücklicherweise selbstständig. «Es wird alles besser», sagte ich mir, wenn ich K2 und K3 den mittleren Teil der Strecke den Hügel hinauf schob.

Weil mein neuer Sport nicht eine Eintagsfliege ist, habe ich mir diesbezüglich etwas einfallen lassen.

Ich habe ein Trittbrett für den Kinderwagen organisiert. Und das, obwohl ich dachte, K2 wäre aus dem Alter draussen (wie ich in den Herbstferien feststellen musste, ist auch K1 noch nicht immer aus diesem Alter draussen, weshalb wir den mit drei Kindern beladenen Kinderwagen durch Tel Aviv fuhren und überall wie VIPS angestarrt wurden).

Grossartige Errungenschaft: Das Trittbrett des Stokke-Kinderwagens ermöglicht ein noch effizienteres Training, da sich das Tempo damit von Kurzbeinig zu Langbeinig erhöht.

Inzwischen hat sich die Strecke halbiert. Wir gehen nur noch bis zur gefährlichen Strasse mit. 500 Meter eine Strecke. Immer noch eine gäbige Workout-Distanz. Zumal wir häufig eher spät aus dem Haus gehen oder ich gezwungen bin, hinter dem Trottinett-fahrenden Kind hinterher zu rennen. Was ich jedesmal feiere. «Sport», denke ich dann, «ich mache Sport!»

Nichts desto trotz. Jetzt beginnt der Winter. Easy, wenn man Kinder hat, die alle noch nicht in den Kindergarten gehen. Oder die alleine in den Kindergarten gehen.

Nicht so easy, wenn man Kinder hat, die einer Wegbegleitung zum Kindergarten bedürfen. Mein Sport wird mit den immer weiter sinkenden Temperaturen zum Extremsport. Extrem kalt Sport.

Wenn ich jeweils um 8.00 Uhr bereits die Strecke retour gehe, mein Atem sich wölkchenmässig verteilt, die Sonne gerade aufgeht oder der Nebel noch wabbert, als würden wir durch Hermann Hesses Gedicht wandern – hat das Ganze etwas Belebendes. Trotzdem bin ich froh, wenn die Weisung des Kindergartenkindes eines Tages lauten wird: «Mama, ich will alleine gehen!» Dann, ja dann wäre ich entweder wieder gänzlich unsportlich – oder ich würde vielleicht das Indoor-Bike von der Wäsche befreien mit dem Vorsatz, ab und zu darauf rumzustrampeln…

Ähnliche Beiträge

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Fünf-, einer Drei- und eines Einjährigen sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern.
Mehr zur Journalistin: autor.in

Teilen mit
  • 61
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.