Mama alleine zu Haus

Es gibt Tage, da kommt eine Mama in das Vergnügen diese alleine zu verbringen. Ich habe gerade zwei dieser vergnüglich einsamen Tage hinter mir. Denn mein Mann ist mit den Kindern zwei Tage auf und davon. Das bedeutet, ich muss abends niemanden ins Bett bringen ausser mich selbst. Was macht eine Mutter wohl, wenn sie alleine daheim ist?

Mein Mann hat da so seine Fantasien.

So wie alle anderen Nicht-Mamas vermutlich auch. Ich kann es mir lebhaft vorstellen. Welche Bilder bei Normalsterblichen in den Köpfen aufflackern, wenn sie daran denken, dass eine Mama endlich einmal «frei» hat.  Etwa so:

Was andere so denken, dass sie macht:

Am Morgen erreicht Mamas Nase anstelle des Dufts voller Windeln, ein kitzelnder Sonnenstrahl, der sie lieblich aus einem langen Schlaf weckt. Sie steht auf. So graziös wie das Aschenbrödel. Zwitschernde Vögel machen ihr das Bett und kleine Eichhörnchen lassen ihr Kaffee aus der Maschine.

Sie tänzelt durch die Wohnung und fragt sich, was sie mit diesem sonnigen Tag anfangen soll.

Nachdem sie den Vormittag darüber nachgrübelnd auf dem Sofa verbracht hat, sich die Nägel lackiert und den Spliss aus den Haaren geschnitten hat, kommt ihr die Idee:

Ein herrlicher Spaziergang mit ihren zwitschernden Vogel-Freunden.

Sie laufen über Wiesen und Felder, bis sie bei einem luxuriösen Beauty-Spa Halt machen, wo Mama den Rest ihres freifröhlichen Tages verbringt.

Heim kehrt sie mit – ebenfalls von kleinen Tierchen herbeigetragenen – Shoppingtaschen. Und bereitet sich ein köstliches Mahl zu, bis sie – erschöpft vom Tag – müde ins Bett fällt. Äh. Von ihren Tierfreunden ins Bett getragen wird. Zwitscher-i-doo. Und so.

Was sie wirklich macht:

Obwohl sie ausschlafen könnte, weckt Mamas innere Uhr sie pünktlich zur gewohnten Zeit. Zerknittert wie eh und je schleift sie aus dem Bett. Zieht die Bettwäsche ab und bringt die erste Ladung zur Waschmaschine. Etliche sollen folgen.

Sie lässt sich einen Kaffee aus der Maschine und erschrickt wegen der Temperatur: Seit Jahren ist sie nur noch kalten Kaffee gewohnt. Mit dem ersehnten Koffein intus beginnt sie ihre seit Jahrzenten angestaute To-Do-Liste abzuarbeiten.

Die Beine rasieren.
Das Kinderzimmer ausmisten.
E-Mails beantworten.
Den Kühlschrank putzen.
Das Weihnachtschaos beseitigen.
Wäsche bügeln.
Wäsche waschen.
Wäsche zusammenlegen.
Die Wohnung saugen.
Die Schränke auswaschen.
Die Achseln rasieren.
Das Bad putzen.

Und zwischendurch Unmengen Schokolade und Süssigkeiten essen, weil jetzt keine Kinder «Ich auch! Ich auch!» schreien. In der gewohnten Kombination mit kaltem Kaffee.

Mit Zucker- und Koffeinschock arbeitet sie zwar schneller, aber nicht schnell genug. Denn um die Liste vollständig abzuarbeiten, bräuchte sie keinen freien Tag, sondern ein freies Jahr.

Oder halt einfach ein Haufen Vögelfreunde, die sich zwitschernd um ihren Haushalt kümmern.

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Dies ist kein Aufruf für...eine dieser hippen Hilfskonvois auf den Sozialen...Medien!
Und vielleicht ist es naiv,...zu glauben, mit vier Stutz könne ich die Welt...retten. Ich kann sie nicht retten. Aber ich kann...sie hoffentlich etwas besser machen. Und ihr...könnt das auch. Die App...findet ihr unter...ShareTheMeal.org. Einloggen, Paypal oder Karte...bereit haben, Team #mamasunplugged eingeben (oder...ein eigenes Team gründen) und Essen...kaufen. Merci fürs Teilen.

Mirjam ist Mitgründerin von Mamas Unplugged und zog dann aus, um mit ihrer Familie die Welt zu bereisen. Aktuelle Blogs von ihr findet ihr auf www.familiemettler.ch

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