Häsu has gone – wo ist das Lieblingsstofftier?

Eines Tages würde der Tag kommen. An dem Häsu, das von K1 auserkorene Stofftier, nicht mehr auftauchen würde.

Heute war dieser Tag.

Bemerkt wurde der Verlust erst, als K1 im Bett lag und nach «Häsu» verlangte. D.R.A.M.A.. Eine Viertelstunde suchte ich wie blöd nach dem Tier. Anfangs noch motiviert, ging ich treppenauf treppenab nach Häsu rufen – wie man das halt so macht für Zweijährige. Doch der Hase war nirgends auszumachen. Also gab ich auf.

Natürlich nicht.

Aber ich hiess K1, er solle gefälligst ohne seinen Häsu einschlafen – wenn er ihn denn schon verliert. Und packte ihm alle verfügbaren Stofftiere ins Bettchen. Auf dass eines den Verlust von Häsu kompensieren würde.

Dann suchte ich in Erwachsenenmanier weiter. Strategisch gedacht war klar: Das Tier musste sich im Haus befinden. Das einzige, was am Morgen über die Türschwelle ging, waren die beiden orangen Abfallsäcke, die prallgefüllt seit Stunden in der Sonne standen. Und auf die Müllabfuhr warteten.

Echt jetzt?
Echt!
Für the one and only Häsu, respektive K1, tut man das.

Man nimmt die Müllsäcke zurück ins Haus, packt den ganzen Müll aus.

Checkt die separaten Windelabfallsäcke auf Häsu ab. Nichts.

Blieben Haus und Garten. Wie blöd ging ich von Zimmer zu Zimmer, öffnete Schubladen, hob Decken. Doch das Scheissvieh blieb verschwunden. Der Prinz schlief selbstverständlich nicht.

Plötzlich war ich unsicher. Was, wenn die Müllabfuhr käme und Häsu wäre doch in einem der Säcke? Schliesslich war er ja sonst nirgends. An keinem der möglichen und unmöglichen Orten, die einem Kleinkind im und ums Haus einfallen würde. Ich könnte mir das nie verzeihen.

Müllrunde die Zweite. Diesmal packte ich den Müll gleich auf der Strasse aus. Egal, was die Nachbarn denken. Hauptsache, Häsu landet nicht in der Müllverbrennungsanlage.

Melonensaft klebte an meinen Händen. Ich wühlte mich durch volle Windeln. Entpackte alles, wo ein Stofftier drin Platz hätte. Nichts. Diesmal fielen die Müllsäcke beim Wiedereinpacken fast auseinander. Aber ich konnte wenigstens zu 100% ausschliessen, dass das Fluchttier diesen Weg gewählt hatte, um uns davonzuhoppeln.

Als ich ins Haus zurückkehrte, war K1 immerhin eingeschlafen.

Doch damit war die Suche nicht zu Ende. Denn die Nacht würde kommen und noch mal ohne Häsu einschlafen, keine Ahnung ob K1 dazu in der Lage wäre.

Eine geschlagene Stunde suche ich bereits nach dem one and only Stoffhasen. Ohne den nichts läuft. Ich suche K1, aber vor allem mir zuliebe.

Eine Suche mit grössten Emotionen. Mal will man aufgeben «Das Ding kommt dann schon irgendwann wieder zum Vorschein». Dann flucht man über das Kind «Merk dir doch gefälligst, wo du deine Sachen verstaust!» Am schlimmsten ist das Gefühl, verrückt zu werden, weil Häsu unmöglich weit weg sein kann.

Ganz zu schweigen von der Verzweiflung. Bereits zum dritten Mal gucke ich in Schubladen, die schon beim ersten Mal keinen Stoffhasen drin hatten. Hebe jedes Melonenpflanzenblatt in Flugweite vom Balkon einzeln hoch, um ja nichts Flauschiges darunter zu verpassen. Leere das Schuhregal und räume es wieder ein. Alle Spielkisten. Gucke unter WC-Deckel und Matratzen, schüttle Duvets dreimal aus. Ganz zu schweigen davon, dass meine Hände nach mehrmaligem Waschen noch immer wie ein Müllsack riechen.

Ich hole mir Hilfe. Bei meiner Mama, wo sonst.

Wenn Kinder Sachen verstauen, kann man getrost kreativ Brainstormen, wohin sie das getan haben könnten. Also brainstormen wir, während ich durchs Haus renne, Treppen hoch und runter. Briefkasten, Sandkasten, unter dem Töpfchen? Fehlanzeige.

Meine Mittagsruhe ist am Arsch. Und ich ebenfalls. Dann die Intuition. Ein Blitzgedanke, ja, bloss eine Ahnung. Die Schranktüre! Hat die nicht heute Morgen mal offen gestanden?

Zusammengeknüllt zwischen den Hosen liegt er. Der Miesepeter.

Wie ein Fussballer, der soeben den Weltmeisterpokal überreicht gekriegt hat, halte ich Häsu in die Höhe. Ich juchze, als ob ich eine Million gewonnen hätte. Glückshormone schwemmen meinen Körper. Vergessen ist, dass ich mir meinen Mittag anders vorgestellt hatte. Vergessen die mühselige Suche.

Was zählt ist Häsu. Und Häsu ist back!

 

Bild: 7seth Unsplash

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