Ferien mit Kindern. Das Worst-Case-Szenario.

Ich hätte es schon ahnen sollen, als der Anruf der Reiseagentur einging.

«Guten Tag, die Airline, die ihren Hinflug ausführt, hatte heute ihr Grounding. Wir  konnten für Sie jedoch neue Plätze in einem späteren Flug buchen.»

Noch blieb ich optimistisch. Ein späterer Flug kam mir vielleicht sogar entgegen. Die Kinder würden im Nu einschlafen und die vier Stunden Flug verpennen.

Am Tag der Abreise war Juniors Stimmung schon ziemlich am Tiefpunkt. Ich hoffte, er würde bald den Schlaf finden, am liebsten schon auf dem Weg zum Flughafen. Er hatte jedoch andere Pläne. Er motzte und schrie, bis wir gefühlte Stunden später im Flugzeug sassen.

Hier das nächste Problem. Ich sollte ihn auf meinem Schoss anschnallen.

Leichter gesagt als getan bei diesem Wirbelwind. Ich liess ihn frei herumlaufen, solange sich das Flugzeug nicht bewegte. PING – Durchsage vom Piloten – «….bitte schnallen Sie sich an, es geht jeden Moment los.» Unter Protest von K2 schnallte ich es an mir fest. Fünf – zehn – fünfzehn Minuten vergingen, das Flugzeug machte keinen Wank – K2 dafür um so mehr. Er schrie und wand sich. PING – erneute Durchsage «…unser Flug verspätet sich um einige Minuten…» Gut, K2 wieder freilassen, ihn etwas beruhigen und hoffen, dass wir bald losfliegen. Geschlagene 1.5 Stunden später hatten wir das «Bitte Anschnallen-Spielchen» circa dreimal durchgemacht. Doch nun schien es wirklich loszugehen. ENDLICH!

Junior fand alles ziemlich spannend und war ausnahmsweise mal ruhig. Nach zwei Stunden Flug war er dann aber quengelig und sehr schläfrig, fand aber den Schlaf nicht. So wippten ich und meine Begleiterin ihn abwechselnd auf unseren Armen.

Als wir gegen 23.00 Uhr an unserem Zielort landeten und uns die ganze Passkontrolle bevor stand, zweifelte ich das erste Mal an meiner Entscheidung KEINEN Buggy mitgenommen zu haben.

Ich wollte nicht noch mehr schleppen, was zur Folge hatte, dass ich nun halt zwei müde, mürrische Kids mitschleppen musste. Wieder meldete sich der Optimist in mir: «Jäno, das geht vorbei.» So schafften wir es tatsächlich mit Kind und Kegel durch die Kontrollen und unser Taxichauffeur empfing uns draussen. Die halbstündige Taxifahrt brachte auch nicht den ersehnten Schlaf. Ich hingegen war todmüde und hoffte, dass er dann im Hotel, wenn die ganze Anspannung auch von mir gefallen ist, endlich schläft.

An Schlaf war nicht zu denken. Er schrie, jammerte und wollte immer wieder zur Tür hinaus. Meine Begleiterin, die sich freiwillig anbot, mit mir und den Kids zu verreisen, tat mir das erste Mal leid. Langer, anstrengender Flug und jetzt DAS.

Gerädert starteten wir am nächsten Morgen unseren ersten Urlaubstag.

Sieht doch irgendwie glücklich aus, nicht?! Dauer des Glücks: 10 Sekunden.

Wir erkundeten das Hotel und die Umgebung. Beide Kinder hatten weder Lust zu gehen, noch von jemand anderem als mir getragen zu werden. So ging ich mit je einem Kind auf dem Arm, insgesamt 23 Kilogramm, durch die Gegend. «Das wird sich schon noch ändern, wenn sie sich an alles und alle gewöhnt haben», dachte ich mir, inzwischen vorsichtig optimistisch. Und es kam, wie es kommen musste. Fast die ganzen Ferien schleppte ich die Zwei mit mir rum. Selber Schuld – kein Buggy und verwöhnte Kinder!

Jäno. Wir hielten uns ja fast ausschliesslich auf dem Hotelgelände auf. Einmal haben wir es gewagt, den Bus zum Hafen zu nehmen. K2 heulte und schrie die ganze Fahrt lang – also einmal und nie wieder. Zum zweiten Mal verspürte ich heftiges Mitleid mit einer Begleitung.

Juniors Stimmung war in den nächsten Tagen nicht zu heben. Strand: doof. Pool: doof. Sand: doof. Essen: doof. Palme: doof.

Alles doof ausser Mama.

Mahlzeiten im Hotel mussten wir innerhalb von zehn Minuten herunterschlingen. Wenn wir K2 auf den Boden stellten, nutzte er die Gelegenheit und machte sich davon. Ich habe es mit Schimpfen, Ermahnen, Erklären,  Spielzeug, Süssigkeiten und sogar dem iPad versucht. Alles hat nichts genützt! Das Buffetangebot haben wir nur im Ansatz gestreift.

Immerhin würde ich für einmal nicht schwerer von den Ferien nach Hause kommen. Das Positive sehen.

In den Nächten heulte K2 nach seinem Dondolo, welches ich tatsächlich eingepackt hatte. Bloss: Da war keine Hängevorrichtung. Nirgends. Ausser auf dem Balkon. Entsprechend schlief der lJunior tatsächlich vier von sechs Nächten draussen. Wobei, von «schlafen» kann nicht die Rede sein. Er meldete sich im Zweistunden-Rhythmus.

Meine kinderlose Begleitung dachte wohl schon an eine Unterbindung. Sie tat mir nun zum 132 Mal leid.

Als wir drei von sechs Tagen Urlaub geschafft hatten, war ich kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Ich wollte nach Hause, wollte zu meinem Mann, wollte schlafen, wollte heulen, wollte einfach alles machen, damit mein Sohn endlich wieder zufrieden ist.

Ich mein, wie kann man HIER nicht happy sein??

Doch irgendwie habe ich durchgehalten und der Tag der Abreise kam. Das erste Mal, das ich wirklich froh war, endlich wieder nach Hause gehen zu können. Wieder flogen wir am Abend, nachts. Und egal in welcher Schlange wir standen, wir wurden immer wieder nach vorne gewunken, begleitet von mitleidigen oder bösen Blicken. Ich sah wohl aus wie die völlig abgekämpfte, toterschöpfte Mutter. Augenringe, graue, zerzauste Haare, überall irgendwelche, undefinierbare Flecken auf der Kleidung, dann die zwei Kinder auf dem Arm und den riesigen Wickelrucksack auf dem Rücken.

Ja, die mitleidvollen Blicke hatte ich echt verdient, denn ich war wirklich am Ende.

Dann im Flugzeug, die Überraschung: Beide Kinder schlafen, noch bevor wir richtig in der Luft waren. Ich und meine Begleiterin sahen uns erstaunt und ungläubig an. Ich konnte sogar in Ruhe einen kompletten Film geniessen.

DAS waren meine wahren Ferien.

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