Der Babybauch. Das Thema.

Der Bauch einer Frau ist heilig. Einfach mal per se.

Egal wie er aussieht, man(n) soll sich hüten, die Grösse und Beschaffenheit des Bauches zu kommentieren. Sowas ist heikel. Denn irgendwie scheint eine direkte Verbindung zu bestehen zwischen Bauch und Schönheit.

Viel Schwabbel, wenig Schönheit.
Viel Straffheit, viel Schönheit.

Das ist zusammengefasst die Formel, die angeblich über Schönsein bestimmt.

Spätestens ab dem Zeitpunkt, an dem einem Mädchen klar wird, dass Gewicht und Aussehen etwas Gewichtiges sind, ist die Unbeschwertheit, mit der Kinder ihren Körper beleben, betrachten und behandeln vorbei.

Wie der Bauch und der Rest des Körpers ausschaut, ist gemäss Gesellschaft kein Zufall oder Schicksal.
Nein. Der Körper, das ist Formsache.
Und jede Person, die einen Körper hat, ist zu hundert Prozent selbst verantwortlich, wie der aussieht.

Das ändert sich für die Öffentlichkeit auch nicht, wenn sich im fraulichen Bauch ein Baby einnistet.

Im Gegenteil.

Was sich ändert ist, dass plötzlich alle nicht nur denken, sondern auch sagen dürfen, was sie von diesem «neuen» Körper halten.

Häufigste Bemerkung, die ich zu hören kriege, seit ich wieder schwanger bin:
«Oh, dein Bauch ist aber…» – dabei wechseln sich die Adjektive «gross» und «klein» regelmässig ab. Wobei die Mehrheit aktuell zu gross tendiert. Womit sie nicht ganz falsch liegt, denn ich bin im neunten Monat schwanger.

Aber: Es gibt Frauen, die sind ebenfalls im neunten Monat, bloss sieht man das ihnen nicht an. Und so, wie ich die Kommentare interpretiere, wäre das, glaub’ ich, besser. Obwohl ich Frauen kenne, die sich einen grossen Babybauch gewünscht hätten – nur dummerweise die falsche Anatomie dazu hatten. Die sich im neunten Monat dann anhören mussten: «Was, du bist schwanger?!»

Das Bedürfnis von allen, meinen Bauch zu quantifizieren und qualifizieren, macht mich krank.

Denn erstens ist mir aktuell grad sehr egal, ob ich aussehe, als ob ich jetzt sofort gebäre oder nicht. Zudem verfolge ich mit meinem Babybauch kein inoffizielles Schönheitsideal. Ich bin schlicht froh, wenn das Baby darin gesund ist und bleibt. Wenn genügend Fruchtwasser vorhanden ist – egal, wie dick mein Bauch dadurch noch wird.

Und zweitens: Ganz ehrlich? Mein Stress liegt aktuell an einem total anderen Ort.

Nämlich darin, dass im Fall nicht nur mein Bauch, sondern mein ganzer Körper schwanger ist.

Dass ich steile Treppen zwar hoch komme, aber dabei schnaufe wie ein schlafendes Kind mit verstopfter Nase. Dass ich mich in ungefähr allen Positionen unwohl fühle. Liegend, sitzend, stehend, gehend. Weil da ein Kind ist, das – wenn es nicht gerade überall gleichzeitig hinkickt – so liegt, dass alle Teile rund um den Babybauch davon betroffen sind inklusive Beine.

Ich fühle mich auch generell unwohl. Weil unförmig. Weil mein Körper nicht mir gehört. Sich ohne mein Zutun verändert und wenn ich an die Geburt denke, fühle ich mich noch unwohler. Weil dies einen massiven und unkontrollierbaren Eingriff in meine Komfortzone und meinen Körper bedeutet.

Entsprechend habe ich nicht das Bedürfnis, mich parallel zu diesen massiven Stressoren, in einen Vergleich zu setzen mit einer imaginären Idealschwangeren anderer Leute.

Ich bin mehr als mein Bauch. Und es trägt nicht positiv zu meinem Körpergefühl bei, wenn dieser gerade in der heiklen Phase der absoluten Unmöglichkeit zur Beeinflussung und in Dimensionen, in denen man sich grundsätzlich kaum wohl fühlen kann, zum Fokus der Betrachtungen und Beurteilungen wird.

Lieber man fragt mich, wie es mir mit dem Baby darin und den Kindern ausserhalb geht.

Es gibt sowas wie Anatomie oder Schicksal. Dinge, die sich nur sehr schwerlich beeinflussen lassen. Ein Babybauch gehört da definitiv dazu. Und bloss, weil er in dieser Form an einem Körper dran ist, sagt das nichts aus über die Fähigkeit, schön schwanger zu sein. Es sagt nichts aus darüber, ob man jetzt eine gute oder schlechte Schwangere ist. Es qualifiziert einen in keiner Weise mehr oder weniger dafür, ein gesundes Baby auszutragen.

Im Endeffekt ist der Bauch ein grossartiges Mittel zum Zweck.

Zum ersten Mal schwanger. Schon damals war der Bauch gemäss Kommentare gross. So auch das Baby, das sich darin befand.  | Bild: www.fotovilla.ch

Überhaupt. Die Verbindung von Bauch und Schönheit und dem damit direkt zusammenhängenden Selbstwert sollte grundsätzlich in Frage gestellt werden.

Vor der Geburt ist nach der Geburt.
Ob ich ein Jahr später bereits ein Six- statt ein Onepack vorweisen kann – oder die überflüssigen Kilos noch gemeinsam mit dem Krabbelkind rumtrage:
Warum interessiert das überhaupt irgendjemand derart brennend?

Nicht immer hat man die Kapazität, sich mit aktiver Bearbeitung oder mentaler Beeinflussung dem Bauch und dem restlichen Körper zu widmen.

Der weibliche Körper sollte so unbeschwert getragen werden wie ein Sommerkleid.

Und nicht beladen mit Vorstellungen von anderen oder der Gesellschaft.
Weder in der Schwangerschaft noch vorher noch danach.

Was man bei einem schwangeren Frauenkörper kommentieren darf, beschränkt sich – wie bei unschwangeren Frauenkörpern – auf einen Bereich:

Nichts.

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