Ausflug mit dem Patenkind

«Yay», denken die Eltern, wenn Gotte oder Götti an der Türe klingeln, um das Kind für den geplanten Halbtages- oder besser noch Tagesausflug abzuholen. «Yay!», ruft auch das Kind, hüpft wie verrückt durch die Wohnung, benimmt sich wie auf Drogen. «Oje», denken Gotte oder Götti. Lassen sich aber nichts anmerken. Wie es sich anfühlt, einen Ausflug mit einem Patenkind zu unternehmen? Gastbloggerin Nadine Hofer hat ihren letzten Ausflug mit Patenkind protokolliert.

Ich liess mich dazu hinreissen, meinem Patenkind (w, bald 3) einen gemeinsamen Ausflug zu versprechen. Was nicht nur nobel war von mir, sondern total von Herzen kam.

Anfänglich war ich ja davon begeistert. Stellte mir vor, wie wir gemeinsam in einem Kaffee sassen. Ich mit meinem Cappucchino, sie mit einem Babycchino und Milchschnauz.

Doch die Realität holte mich unweigerlich ein. Einen Tag vor Termin wurde mir klar: Kaffeetrinken mit einer Dreijährigen, leicht illusorisch. Und wenn, dann würde das ein ziemlich kurzer Ausflug werden.

Mein Hirn begann zu rotieren. Der zeitliche Rahmen war definiert. Vormittag bis maximal 13.00 Uhr. Dann sollte das liebe Kind ganz, genährt und glücklich zuhause sein, damit es seinen Mittagsschlaf machen konnte. Das Wetter wäre eher kühl. Outdoor-Ausflüge aller Art fielen folglich ins Wasser.

Ich googelte mich durch Tierpärke, Vogelwarten und sonstige Varianten, die alle eher auf sommerliches Ambiente ausgelegt waren und wusste mir kaum mehr zu helfen. Als ich in einem Forum endlich den erlösenden Satz las:

«Kinder geniessen die Aufmerksamkeit der erwachsenen Person und brauchen entsprechend gar nicht viel Drumherum um glücklich zu sein».

Ab da hiess der finale Plan: Besuch Ikea.

Doch kaum lag ich im Bett, tauchten tausend Fragen auf: Was, wenn das liebe Kind auf die Toilette muss? Muss ich den WC-Ring desinfizieren? Oder das Kind in einer mir noch unbekannten Eltern-Indsider-Technik über das WC heben, damit es nicht kontaminiert wird von all den Bakterien, die auf dem Ring rumkrabbeln?

Was ist, wenn das Kind mir davonrennt? Was, wenn es in die Hose macht? Oh, und ich hab zum ersten Mal ein Kind mit mir im Auto. Was für eine Verantwortung! Ich muss morgen total fit und 100% bei der Sache sein.

Ich sollte schlafen! Jetzt. Sofort.

Leider schlief ich erst etwa um ein Uhr ein. Doch das Adrenalin hielt mich am nächsten Morgen wach. Ich war total parat und konnte es kaum erwarten, mit meinem Patenkind einen Ausflug in die Ikea zu machen.

Um 12.15 Uhr waren wir zurück.

All die Gedanken, für nichts.

Das liebe Kind ist in der ganzen Zeit kaum von meiner Seite gewichen. Hat mich mit so viel Liebe überschüttet und hat sich so offensichtlich gefreut, dass ich fast mami-like durch die Ikea schlendern konnte.

Abgesehen davon, dass ich darauf bestand, zweimal die Toilette aufzusuchen, wo sich das Kind standhaft weigerte, zu pinkeln. Mir versicherte, sie würde mich wissen lassen, wenn sie denn Pipi machen müsse. Und die Hose trocken behielt.

Deswegen möchte ich allen Gotten und Göttis Mut machen. Ja, anfangs sind sie klein und manchmal auch etwas zu schnell für ihre ungeübten Paten. Doch ihre Liebe und Freude ist so kostbar und ihnen zu zeigen, dass wir für sie da sind, ist ebenfalls unbezahlbar.

Ich meinerseits hoffe auf warmes Wetter beim nächsten Ausflug. Die Optionen für weitere Ausflüge habe ich bereits ergoogelt. Und bis dahin werde ich mir auch das Insiderknowhow erarbeitet, wie man Kleinkinder über nicht-desinifizierte WC-Brille halten kann.

 

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