Ab in den Süden – Südfrankreich mit Kindern im Frühling

Südfrankreich mit Kindern. Da denkt man erstmal nur an einen Koffer voll Sandkastenzeug und viel Baden. Ein Blick auf das Klimadiagramm und man kann das Sändeli-Zeug massiv reduzieren. Südfrankreich im Frühling, da ist das Meer kalt, das Wetter zwar um die 20 Grad, aber häufig wechselhaft und zuweilen regnerisch. Zudem sind die Strände um Nizza herum eher steinig als sandig. Warum Südfrankreich im Frühling mit Kindern trotzdem eine Reise wert ist und welche vier Ziele einen Ausflug wert sind, weiss Nadine Chaignat.

Das Wetter

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Geschenkten Ferien entsprechend ebenfalls nicht. Wir waren eingeladen eine Woche in einem Haus mit beheiztem Pool mit bestem Blick auf Nizza zu verbringen. Darum liessen wir uns nicht zweimal bitten: Das Alltagschaos hinter sich lassen und geniessen. Egal, wie die lange Autoreise mit den Kindern wird. Egal, wie das Wetter wird. Denn ein Blick auf das Klimadiagramm Südfrankreich im Mai machte klar: Die richtigen Badeferien müssen wir auf den Sommer verschieben.

Die Anreise

Doch bevor wir den Strand und unser Feriendomizil überhaupt erreicht hatten, mussten wir uns erstmal um die Fahrt kümmern. Viele Möglichkeiten gibt es nicht, um nach Südfrankreich zu gelangen. Den San Bernardino kann man mit kleinen Kindern getrost vergessen («Kotzstrecke»), bleiben Genf oder der Gotthard. Letztere Route kommt grundsätzlich dann in Frage, wenn man vor oder nach dem grossen Stau den Gotthard passiert. Für alles andere gibt es Genf. GoogleMap veranschlagte für den Gotthard eine Reisezeit von sieben, für die Genf-Route von acht Stunden.
Hin sind wir über den Gotthard. Zurück über Genf. Jedesmal dauerte unsere Reise total zehn Stunden. Hin hatten wir sehr viel Stau in Italien. Bei der Rückreise summierten sich die Zwischenhalte (einmal Nottanken – fragt nicht, tankt einfach immer sofort und lieber zuviel).

Unsere Tipps für eine lange Autoreisen mit Kindern findet ihr HIER.

Die Lage


Angrenzend an Nizza gibt es viele kleine Dörfer und Städtchen, meist im hügeligen Hinterland. Wer – wie wir – nicht direkt in der Stadt wohnen möchte, sollte sich dort nach einer Unterkunft umsehen.
Vorteil: Wir genossen eine grossartige Sicht auf Nizza und das Meer. Und es ist ruhig.
Nachteil: Längere Fahrt ans Meer. Überhaupt längere Anfahrtswege.
Zudem ist man naheliegenderweise mit dem Auto unterwegs und auch hier gilt: Egal, was GoogleMap sagt, die Fahrt wird länger dauern. Gerade mit Kindern empfiehlt es sich, genügend Proviant für unterwegs einzupacken und sich auf viele Baustellen und Ampeln und Autos gefasst zu machen.

Top vier der Ausflüge mit Kleinkindern in der Region um Nizza

Obwohl unsere Unterkunft einmalig war. Mit Kindern muss man gezwungenermassen mindestens einmal im Tag kurz ‘raus’. Ausserdem wollten Mama und Papa gerne etwas Meer und Stadt sehen. Unsere vier Empfehlungen für Ausflugstipps rund um Nizza sind:

  • Spielplatz in Nizza
  • Parc Phoenix
  • St.-Paul-de-Vence
  • Das Meer
  1. Spielplatz in Nizza: Promenade du Paillon


    Dieser Spielplatz war auf unserer Todo-Liste ziemlich hoch angesetzt. Weil er gleich an der Altstadt angrenzte, hatten wir uns einen Masterplan für Eltern und Kinder ausgedacht.

    Ein Nachmittag in Nizza.
    Der Masterplan:
    Abfahrt nach Mittagsschlaf. Parkieren in einem der vielen Parkhäuser an der Promenade. Spielplatz aufsuchen und spielen. Spazieren durch die Altstadt zum Hafen. In einer Brasserie Moules Frites (die Grossen) und Pommes Frites (die Kleinen) essen. Retour und ins Bett.

    Ein Nachmittag in Nizza.
    Wie’s dann wirklich war.
    Bis zum Punkt «Spielplatz aufsuchen» klappte alles hervorragend. Der Spielplatz startet auf Höhe des «Place Massena» (die Promenade an sich ist lang).
    Dort befindet sich ein Brunnen analog zum Brunnen am Bundesplatz in Bern. Eine wirklich tolle Gelegenheit, um an warmen Tagen abzukühlen, also: Badezeug für Kinder einpacken.
    Es folgt eine Wiese, perfekt für Fussballbegeisterte.
    Und dann das Highlight: Ein Spielplatz mit allem, was das Kinderherz begehrt. Hübsch gebüschelt nach Alter. Bestehend aus Holzelementen im Meerestier-Look. Wer will, kann an den Infotafeln sogar noch was zu den einzelnen Tieren lernen.

    Awww.. sie hat darauf bestanden, dieses Outfit (Vertbaudet) zu tragen. Endlich hat sich unser Geschmack für einmal getroffen…


    Picknick mit Stil | Strand: Nizza | Outfit: Vertbaudet

    Unser Abenteuer endete dann auch auf dem Spielplatz. Nämlich, weil ein Kind vor lauter Excitement den Toilettengang so lange unterdrückte, bis der Gang zur Toilette nicht mehr notwendig war. Wir hatten zwar Ersatzkleider dabei, aber im Auto (yesss, Anfängerfehler). Somit wurde aus der Altstadt nichts, dem Hafen ebenfalls nichts und unser Znacht beschränkte sich auf Pommes Frites für alle – geholt beim goldenen M, gegessen vor der fantastischen Meereskulisse im Picknick-Style. Ob sich überhaupt noch sowas wie Sightseeing NACH dem Spielplatz empfiehlt: Naja…
     

    FAZIT
    Positiv: Übersichtlicher, schön gestalteter Spielplatz inmitten von Nizza, grossartige Kulisse. Toiletten vorhanden. Kinder können sich lange verweilen.
    Negativ: Die Übersicht geht insofern verloren, dass, wenn zu viele Menschen anwesend sind, man besser alle Kinder neonfarben anzieht, um sie im Kindergetümmel nicht aus den Augen zu verlieren
  2. Phoenix Park | Parc Phoenix
    «Da gibt es freilaufende Tiere» – hat man uns gesagt. Und was von Echsen. Kann ja nur gut kommen. Beim Googeln bestätigte sich dieser Eindruck und rasch wurde der Phoenix Park zu einem gäbigen Ausflugsziel erkoren. Nicht zu teuer, Kinder sehen was, sind beschäftigt, haben Freude. Die Eltern entsprechend ebenfalls.Er kommt etwas oldschool daher, der Park. Mit seiner Glaskuppel, in der sich viele Gehege und üppige Fauna befindet. Doch bevor man überhaupt die Kuppel erreicht, gibt es ein oldschool Mini-Wasserballett à la Belluccio. Unzählige Flieger, die auf dem Flughafen gleich über die Strasse starten und landen. Und etliche Hüpfburgen und Trampolin. Sprich, erstmal sahen wir vor allem Kinder in der Hüpfburg anstelle von Tiere.
    Das Hüpfabenteuer wurde kurzzeitig unterbrochen von einem weissen Pfau, der seine Schwanzfedern anders als die Pfaue im Basler Zolli nicht geschlossen hinter sich her schleipfte, sondern hübsch aufgereiht gerädert hatte. A dream comes true. Für ein Foto hat’s nicht gereicht, da beim Hinrennen zum Pfau K2 hinter mir gestürzt ist und die Paparazzimama sich erstmals als Krankenschwester betätigen musste. Mööp.In der Kuppel ging weiter, was der Pfau versprochen hatte. Schlangen, die nicht nur rumlagen, sondern im Gehege rumschlichen. Krokodile, die aus dem Wasser kletterten. Entweder, ich war bisher immer zur falschen Zeit im falschen Zoo. Oder die im Phoenix Park mischen ihren Tieren irgendwelche Aufchlepf-Pillen ins Essen. Jedenfalls habe ich noch nie so viele aktive Zootiere gesehen, wie dort.

    Es gäbe auch noch Aussengehege, wovon wir leider nicht mehr viel gesehen haben. Die Kinder. Die Zeit. Das Wetter. Aber nach dem, was wir davon gesehen haben, würden wir einen weiteren Besuch in Angriff nehmen.

    FAZIT
    Positiv: Abwechslungsreiche Anlage. Gute Schlecht-Wettervariante, da man sich unter der Glaskuppel bei Krokodilen und anderen Echsen gut verweilen kann.
    Negativ: Ein bisschen oldschool. Nicht allzu viel Schischi erwarten.
  3. St-Paul-de-Vence

    Unweit von unserem Ferienhaus lag das Künstlerstädtchen St-Paul-de-Vence. Ich schreibe Künstler-Städchen, weil sich in diesem Ministädtchen, auf einen Felsen gequetscht-gebaut, vorwiegend Galerien befinden. Trotzdem ist die Stadt auch mit Kindern einen Besuch wert. Vor allem dann, wenn ein Kind sich in der ‘Ritter-Phase’ befindet.Die grosse, gut ersichtliche und begehbare Stadtmauer mit Schiessscharten so wie einer Kanone beim Stadttor machten grossen Eindruck auf den Miniritter. Die Stadt selbst ist für Eltern, die gerne was Hübsches sehen wollen, toll. Total überschaubar schlängelt man sich durch Gassen, wundert sich, dass und fragt sich WO hier Menschen wohnen, kauft sich eine Crêpes oder ein Eis zum Mitnehmen. Und besucht – ambitioniert – das Grab von Marc Chagall.
       

    Obwohl uns alle davon abgeraten haben, sind wir durch das Minimuseum des Städtchens gegangen. Einmal Treppen ganz hoch, einmal wieder runter. Dazwischen befinden sich kleine Szenerien aus der Geschichte von St-Paul-de-Vence, dargestellt mit Wachsfiguren – was die Kinder mehr begeisterte, als wir zu hoffen gewagt hatten («Ooooh, Prinzässsiiin»). Ausserdem gibt’s zwei Kanonen, mit denen die Kinder spielen durften. Das Ritter-Phase-Kind war happy und wir mussten insgesamt sicher viermal durch die ganze Ausstellung gehen (zum Glück ist sie so klein).

    Fazit
    Vorteil: Touri-Feeling, Sightseeing (Blick über Landschaft/Meer), solides Nachmittagsprogramm, feine Crêpes und Glace.
    Nachteil: sehr touristisch, Treppenstufen (wenn Kinderwagen, aber machbar).
  4. Das Meer

    Auch wenn Frühling ist, das Meer muss man gefühlt haben.
    Nizza ist nicht gerade bekannt für Sandstrand. Entsprechend haben wir grossartig recherchiert und den einzigen Sandstrand weit und breit gefunden. Zumindest auf der Karte. Optisch handelte es sich dabei um ein rund fünfzehn Meter langes Sandbeet inmitten von Kieselsteinen in Cagnes-sur-Mer (43°39’03.8″N 7°09’11.7″E43.651060, 7.153242) Hat aber gereicht für eine grosse Sandburg.
    Auch in Nizza selbst hat es – abgesehen von zwei künstlich angelegten Stränden – nur Kieselstrände. Wer Sandstrand sucht, muss weiter Richtung Antibes oder – das unser Tipp – verbindet das Baden am Meer mit einem Ausflug in die Filmstadt Cannes.
    Was wir genossen haben, war unser spontanes Abendessen (sh. Punkt 1) am Meer in Nizza selbst. Die Kinder lieben es, Steine in die Wellen zu werfen. Schiffe zu beobachten. Und für die Erwachsenen ist die Atmosphäre ebenfalls einmalig.

Würden wir wieder im Frühling nach Südfrankreich in die Ferien gehen?
Wenn man ein Haus mit beheiztem Pool hat, JA! Denn damit fühlten sich die wärmeren Tage wie Sommer an. Ausserdem sind weniger hohe Temperaturen mit kleinen Kindern sehr viel angenehmer, grad wenn man noch etwas Sightseeing machen will. Wärmer als in der Schweiz war es zumindest. Als Familie waren wir über diese kurze Auszeit vom Alltag sehr happy.

Falls ihr weitere Tipps habt, bitte unbedingt hier unterhalb des Blogbeitrags anmerken!


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Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern.
Mehr zur Journalistin: autor.in

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