10 Gründe, warum Grosseltern werden Spass macht

10 Gründe, warum Grosseltern werden Spass macht

Grossmutter wurde ich in dem Moment, in dem ich auch eine Schwiegertochter bekam. Meine Enkelin war damals vier und es war eine Art Antasten ans Grosseltern werden. Vor einigen Monaten hat besagte Schwiegertochter dann einen niedlichen, allerliebsten Enkel geboren. Und spätestens jetzt gibt es kein Zurück mehr.

Eines von Mariannes unzähligen Grossmama-Selfies mit Babyenkel. Grosseltern werden ist für den Speicherplatz auf dem Smartphone nicht gerade förderlich…

Ich bin Grossmutter.

Und das ist nicht so schlimm, wie sich das vielleicht anhören mag. Denn ich habe entdeckt, dass das Grosseltern werden durchaus gute Seiten mit sich bringt. Hier eine persönliche Auswahl.

 

Grund 1 – Du wirst Babysitter

Wenn dein erwachsenes Kind dringend eine Auszeit mit dem Partner von seinen Kindern braucht, geht dein einziges freies Wochenende im Monat drauf. Während dein Kind irgendwo Wellness macht oder grad in der Entspannungstherapie hockt, was vielleicht beim heutigen Stress durchaus mal nötig sein könnte, sind die Enkelkinder bei dir und stellen das ganze Haus auf den Kopf. Als Belohnung gibt es jede Menge Unordnung, einen Haufen dreckiges Geschirr und schmutzige Bettwäsche. Aber auch leuchtende Augen, Lachen, Umarmungen und bettelnde Enkel: «Oma, Opa, lasst uns auf dem Sofa kuscheln!»

Grund 2 – Du kriegst einen neuen Titel

Frischgebackene Grosseltern haben eine schwindelerregende Auswahl an zahllosen Möglichkeiten, wie sie genannt werden oder werden möchten. Wie steht es mit dir? Oma? Omi? Nonna? Gramp? Ätti? Grossätti? Grossvati? Grosi? Grossmami, Grosel, Grösu? Leider klingt nichts wirklich gut und es gibt tausend Optionen. Welche am besten zu dir passt, finden vielleicht die Enkel am ehesten heraus. Vergiss nicht, dass der neue Titel in vielen Kulturen ein Ehrentitel ist. Wird vielleicht auch hier irgendwann einmal der Fall sein. Hoffentlich.

Grund 3 – Du geniesst sichere Distanz

Noch einmal kannst du zusehen, wie Kinder aufwachsen. Aus sicherer Distanz. Die Chancen sind nämlich mickrig, dass ein Teenager mit dir ums Taschengeld streitet und ausgerechnet dir eine Tür vor dem Gesicht zuknallt. Wer würde das denn nochmals erleben wollen?! Niemand. Dieses Vorrecht geniessen nun die Eltern. Gönne es ihnen und stärke ihnen den Rücken, wenn sie es brauchen. Aber misch dich nicht ein.

Grund 4 – Du erkennst Lügner

Dein Umfeld sagt jetzt zu dir: «Oh mein Gott! Was, DU bist Oma! Aber du siehst noch viel zu jung aus, um schon Enkel zu haben!» Dann antworte: «Sieht man denn irgendwann auch zu alt aus, um Enkel zu haben?» Genug mit den Komplimenten. Schluss mit den Lügen. Auch Heuchler müssen sterben. Sie wollen sich nur einschleimen, damit du ihnen wieder einmal deine fantastische Sahnetorte servierst.

Grund 5 – Du bleibst in Bewegung

Wenn du wieder völlig aus der Puste geraten den Kleinen nachjagen musst, fühlt es sich erst einmal an wie damals, als du noch jung und fit warst. Der Unterschied macht nun die Arthrose in den Knien. Das Gefühl damals, so alt zu sein wie man war, war irgendwie besser. Jetzt holt man die Kinder nicht mehr ein und braucht die Hilfe der jüngeren Nachbarn. Aber es hält dich fit.

Grund 6 – Du musst nichts mehr

Finanziell bist du fein raus. Du musst nichts für den Unterhalt und die Erziehung der Enkel bezahlen, aber du darfst, wenn du es dir leisten kannst und das willst. Du musst ihnen auch keine entzückenden Klamotten kaufen, aber du darfst, wenn es dir Spass macht. Es ist auch nicht Pflicht, ihnen jedes sinnlose Spielzeug zu kaufen, aber man könnte. Die ganze Freiheit die du jetzt hast, um deine Enkel total glücklich zu machen, kann krank machen. Zum Beispiel ihre Eltern.

Grund 7 – Du wirst zur Historikerin

Enkelkinder wollen nicht ständig die ewig gleichen Geschichten ihrer langweiligen Eltern aus deren Kindheit hören. Deine Jugendgeschichten hingegen sind spannend und faszinierend, Zeugen vergangener Zeiten. Sie klingen nach Mittelalter und krassen Abenteuern aus einer längst vergangenen Welt, als es weder Internet noch Handy gab, dafür aber ein Plumpsklo in deinem Elternhaus. DU darfst stundenlang erzählen. Sei aber nicht beleidigt, wenn die Enkel fragen: «Oma, ist Mumie ein anderes Wort für Oma?»

Grund 8 – Du bist gefragt

Ein Besuch bei den Grosseltern ist für deine Enkel wie ein super Mini-Urlaub. Nicht unbedingt für dich. Denn dein Hüftgelenk quietscht und du brauchst eigentlich täglich deinen Mittagsschlaf, damit du das Alter noch aushältst. Vergiss also nie, deine Kinder daran zu erinnern, dass dein Heim kein Hotel ist, auch wenn es deine Enkel lieben, sich bei dir von ihren Eltern zu erholen. Sage deinen Kindern also, dass sie den Nachwuchs pünktlich zum besprochenen Zeitpunkt auch wieder abholen sollen, und nicht erst eine Woche später. Danach fahre du auch in Urlaub.

Grund 9 – Du bleibst in Kontakt

Bei grosser räumlicher Distanz darfst du in Kontakt bleiben. Das heisst, du solltest, wenn auch nur irgendwie möglich. Grosseltern sind für Enkel etwas Kostbares, auch wenn Oma und Opa altmodisch sind. Denn das bist du jetzt, auch wenn du weisst, wie man mit WhatsApp, Skype, Instagram, Facebook, Twitter und E-Mail umgeht. Diese Tools sind kostenlose Freunde. Benutze sie. Wenn du weisst wie. Wenn nicht, zeigen es dir die Enkel. Dann werden sie dir Handynachrichten senden, bevor sie den Stimmbruch kriegen. Auch dann, wenn sie nur nebenan wohnen.

Grund 10 – Du darfst vergeben

Wenn dein Kind erst jetzt merkt, was für fantastische Eltern es hatte, dann sage dir: Lieber spät als nie. Vergib ihm. Denn es ist trotz leichter Schadenfreude irgendwie nicht sehr befriedigend, dass sich dein Kind nun für all die üblen und unartigen Dinge, die es dir angetan hat, rückblickend entschuldigt. Und das nur, weil es nun ebenso Kinder hat, die ihm dasselbe antun. Und weil es erst jetzt, im Nachhinein, ein schlechtes Gewissen kriegt.

Diese Geschichte wiederholt sich nämlich regelmässig.

Ungefähr alle zwanzig Jahre.

 

Bild: Danielle MacInnes | Unsplash

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Redaktionsassistentin, Autorin, Mutter von drei erwachsenen Kindern und Stiefoma einer Schulkind-Prinzessin. Schamgefühle sind nach so einer Mutter-Karriere wie der ihren kein grosses Thema mehr. Sie hat nicht immer Recht. Aber sie liegt selten falsch.

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