MamaMomente,

Sind zwei Kinder genug?

«Ich will keine Kinder. Ich will Karriere.» So lautete mein Mantra als Gymischülerin, mit hennagefärbtem Kurzhaar.
Doch irgendwann zwischen Gymnasium und Redaktion hatte ich beschlossen:

Rote Haare stehen mir nicht.
Und: Mol, doch, Kinder könnten spassig sein. Womöglich sogar sinnstiftend.

Als dann noch meine Mutter von vier Kindern meinte, «dir wäre wesentlich weniger langweilig, wenn du Kinder hättest. Muttersein würde dich erfüllen», war dies der letzte Wink mit dem Zaunpfahl, dass das vielleicht doch was sein könnte. Ich und Familie und so.

Und weil ein Kind langweilig, zwei Kinder Europapark-Familie und drei Kinder neuster Hipstertrend wären, würde ich gerne vier Kinder wollen.

Vier!!!

Inzwischen habe ich zwei. Und verstehe nun, warum sich viele Familien mit zwei Nachkommen komplett fühlen. Eine Hand für jedes Kind. Beide passen noch auf den Schoss – und auch in jedes Auto, ohne dass es gleich ein überdimensionierter Kleinbus sein muss. Zudem weiss ich bereits jetzt am Mittagstisch nicht, wen der beiden ich anschauen soll. Weil ich stets befürchte, einen dieser heiligen Jöh-Momente zu verpassen. Was dazu führt, dass mein Kopf unkontrolliert wie bei einem Tennisspiel hin und her wackelt…

Trotzdem. In meinem Herz existieren die nächsten zwei Kinder bereits. Ich horte für sie Babykleider, Babyspielzeug und Tragetücher. Suche ein Haus, mit mindestens soviel Schlafzimmer wie angehende Familienmitglieder. Und bin weiterhin damit beschäftigt, tolle Kindernamen in einem Ranking auf meinem iPhone zu ordnen.

In meinem Kopf existieren aber auch Schreckensszenarien. Und ich stelle mir die Frage: Soll man das Glück wirklich herausfordern?

Ich gucke an mir runter und sehe meinen Schwabbelbauch. Der darauf wartet, in seine alte Form und Festigkeit zurück zu kehren und den ich bisher stets mit der Ausrede vertröstet habe, dass das ja sowieso nichts bringt, wenn er in paar Monaten wieder wie ein überspannter Luftballon aussieht. Meine Beine haben kürzlich erst Krampfadern entwickelt und zwar in dem Masse, dass ich bei allen potenziell folgenden Schwangerschaften direkt nach dem Eisprung nur noch in Stützstrümpfen umhergehen werde. Meine Haut ist so fleckig wie eine Vogeser Kuh. Die Hälfte meiner Haare ist nach der Geburt ausgefallen und hat eben erst eine Länge erreicht, die sie nicht mehr allzeit vom Kopf abstehen lässt.

Zwei Kinder mehr bedeutet mehr Schwabbel, mehr Krampfadern, mehr hormonelle Achterbahnfahrten, noch mehr Flecken und einen Kurzhaarschnitt.

Um derart weitreichende Entscheidungen überhaupt treffen zu können, brauche ich vor allem etwas: Einen klaren Kopf und ein paar ruhige Minuten. Beides ist aktuell Mangelware.

Darum lieber bei- statt drüber schlafen und hoffen, dass es einschlägt – oder eben doch nicht. Und falls, dann seht ihr mich bald mal aus einem überdimensionierten Auto winken…

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Autor

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern. Mehr zur Journalistin: autor.in | Mehr zum Lesen: moidame.ch

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