Hallo Zeitumstellung

Obwohl die Konsequenzen weitreichend sind (mehrere Tage weit), ist die Vorbereitung darauf meinerseits miserabel.

Gestern vor dem Ins-Bett-Gehen zufällig auf irgendeiner Webseite gelesen: Zeitumstellung!

Es ratterte. Zeitumstellung? Was? Jetzt schon?

Klar, es war Oktober. Und so viel davon war nicht mehr übrig. Der Verdacht verdichtete sich, dass sich der Artikel tatsächlich auf das morgige Wochenende bezog.

Rasch gegoogelt wurde aus dem Verdacht Gewissheit: Morgen Nacht würde der nächste Tag um eine Stunde länger.

Früher, da war sie mir reichlich egal. Vor allem im Herbst. Eine Stunde länger schlafen? Geil! Da konnte sie sich auch kurzfristig anmelden – einem solchen Gast öffnet man gerne die Tür.

Doch heute, als Mutter, ist die Zeitumstellung reine Schikane. Nicht mal wegen des vielbejammerten Minijetlags – mit dem leb ich seit ich Kinder habe dauernd. Das Problem ist vielmehr:

Durch diese einzelne Stunde verschiebt sich nicht nur mein kaum mehr vorhandenes, inneres biologisches Gleichgewicht. Sondern das schwer erarbeitete Gerüst meines Alltags.

Und da kommt diese Zeitumstellung einem Erdbeben gleich, das dieses Gerüst in den Grundfesten erschüttert.

Tagesbeginn aktuell um 6.30 Uhr. Jede Minute, um die er sich nach hinten erstreckt, ist hart erarbeitet. Und jetzt kommt da so ein Unding wie die Zeitumstellung und ‚zack‘ hat mein Kind wieder 57 Minuten Vorsprung. Nicht. Lustig.

Mit der Umstellung findet das Mittagessen plötzlich zu einer Zeit statt, in der andere frühstücken. Feierabend dafür schon um 18.00 Uhr – ok, das ist ein winziges Plus. Aber eben: 5.30 Uhr Tagesbeginn. Und wer will schon ins Bett, wenn das TV-Abendprogramm noch nicht mal angefangen hat.

Die Taktik in einem solchen Fall ist relativ einfach:
«Lebe heute, als wenn es morgen wäre!»

Das schaut dann in der Praxis so aus, dass man den Mittagsschlaf künstlich nach hinten verlegt. Und mit seinem aufgedrehten Kind, mit Tschinellen aus Kinderkochgeschirr, einer imaginären Gitarre und viel Zwischenapplaus eine halbe Stunde lang «Hänschen Klein» singt.

Was ich in der zweiten halben Stunde mache, die uns die Zeitumstellung beschert? Ich hoffe, auf eine andere Liederwahl…

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern. Mehr zur Journalistin: autor.in

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.