Working mom

Für einmal war ich bei den Coolen. Kleider ohne Flecken. Absatzschuhe. Doing Business.

Durchs Busfenster sah ich Mütter ihre Kinderwagen schieben. Ich selbst hatte für einmal bloss eine Handtasche ohne Schnuller, Windeln, Feuchttücher, Ersatzkleider, Zvieri, Schoppenflasche, Taschenmesser, Notfallapotheke und Notfallcrackers dabei. Auch wenn die Kombi von Buch und Laptop nah an das Gewicht der üblichen Windeltasche herankam.

Einen ganzen Tag bewegte ich mich unter meinesgleichen. Zumindest fast – als working mom. Journalisten mit Leidenschaft für Schreiben, Menschen und Geschichten. Hörte mir Visionen an, die ich gleich umzusetzen würde. In drei Jahren, das schwor ich mir, würde ich auf dem Podium stehen und vom Erfolg meiner Projekte erzählen. Denn ich wusste: Ich habe das Potenzial, die Visionen, den Betriebswirtschafter aka Göttergatten. Fehlte nur noch das Geld und das liege – so ein Referent – auf der Strasse. Das wäre also auch geritzt.

Bloss: Mein ‚Business-Leben‘ war vorbei, sobald ich abends durch die Haustüre schritt. Das working mom-Outfit wurde an der Garderobe abgegeben. Kinderarme schlangen sich um meinen Hals. Das Baby wollte in den Schlaf gewiegt werden. Schliesslich fiel ich selbst totmüde ins Bett. Nur um mitten in der Nacht schlaftrunken Schnuller und Schoppenflaschen zu verteilen.

Als ich am nächsten Mittag kniend den Boden von Essensresten befreite, fiel mir wieder ein, was ich ja eigentlich tun wollte: Etwas, worüber ich in drei Jahren dann referieren könnte. Wie sich Fischstäbchen in den Händen Zweijähriger zer- und verteilen, wäre da wohl zu wenig ergiebig.

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern. Mehr zur Journalistin: autor.in

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