Wo ist mein Laufgitter?

Ja, diese Sache mit dem Laufgitter.
Weiss und schick war es, mit verstellbarem Boden und einer grossen Schublade. Mit blauen und weissen Spielkugeln bestückt und einer netten, beschichteten Unterlage, wo man auch die nicht wasserfesten Babys ablegen konnte.

Ich überlege immer noch, wem ich damals das geniale Ding, das mir meine geliebten holländischen Freunde für meine eigenen Kinder geschenkt haben, ausgeliehen habe. Mit der innigen Bitte, es mir nach Gebrauch für die eigenen Enkel wieder zurückzubringen.

Das ist nicht passiert und wurmt mich extrem.

Das tolle Laufgitter, das die Deutschen lieblos, knallhart und preussisch als «Laufstall» bezeichnen, wie wenn Kinder Tiere wären, brachten mir im Sommer 1987 meine holländischen Freunde mit, die wir liebevoll Oma und Opa nannten. In ihrem olivgrünen Mercedes hatten sie es in den Kofferraum gepackt und deswegen kaum Raum fürs Reisegepäck gehabt. Ich habe das Laufgitter geliebt und in Ehren gehalten, auch deshalb, weil der heissgeliebte Opa Wim bereits im Himmel ist.

Das Original.

Und weil das Laufgitter so saupraktisch war, wollten es alle ausleihen. Es ging reihum. Zahllose Babys wurden darin vor sich selbst und der Welt beschützt. Und vor lauter Ausleihen habe ich im Lauf der Zeit vergessen, wer es zuletzt in Gebrauch hatte. Nun trauere ich dem praktischen Ding endlos und sehr bekümmert nach. Weil damit schöne Erinnerungen zusammenhängen. Auch war es rückenschonend. Etwas, das super wäre.

Jetzt, wo ich Oma geworden bin! Oma!

Ich kann einfach nicht begreifen, wie man vergessen kann, etwas Ausgeliehenes zurückzugeben. Alles Nachfragen hat nichts gebracht. Niemand weiss, wo es geblieben ist. Ich war zu grosszügig, zu freigebig, und zu wenig nachdrücklich. Und falls du, der das hier liest, derjenige bist, der mein Laufgitter immer noch irgendwo stehen hat:

Bring es mir sofort zurück. Bitte!

Wehe aber, du hast es irgendjemandem verschenkt oder einem Trödler gegeben – dann weiss ich nicht, was ich tue …

Als Ersatz für das Laufgitter könnte ich aber nun vielleicht eine robuste Hängematte kaufen. Die käme dann ins Treppenhaus. Dort kann man sie wahrscheinlich am besten befestigen und dort hat es am meisten Schwungweite. Und wenn dann der Nussbaum, den meine drei Kinder vor zwei oder drei Jahren gepflanzt haben, genug gross ist, könnte ich die Matte an den Baum hängen. Mit dem andern Ende könnte ich sie am neu gestrichenen Haus befestigen.

Ob das Opa passt oder nicht.

Mit einer Hängematte kann ich dann das Baby im sachten Wind rückenschonend und zügig in den Schlaf wiegen.

Und wer mein weisses, schickes, holländisches Laufgitter mit den blauen und weissen Kugeln, dem verstellbaren Boden und der praktischen Schublade aufstöbert, der kriegt von mir einen grosszügigen und lässigen

FINDERLOHN!!!

Er darf dann bei Gelegenheit einmal zusammen mit mir meine süsse Enkelin und meinen frischgeborenen Enkel hüten.

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Redaktionsassistentin, Autorin, Mutter von drei erwachsenen Kindern und Stiefoma einer Schulkind-Prinzessin. Schamgefühle sind nach so einer Mutter-Karriere wie der ihren kein grosses Thema mehr. Sie hat nicht immer Recht. Aber sie liegt selten falsch.

2 thoughts on “Wo ist mein Laufgitter?

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