Mama's Alltag,

Wir ziehen um

Die gute Nachricht: Wir ziehen um!

Die schlechte Nachricht: Wir ziehen um!

Wie lange haben wir uns Häuser angeschaut mit dem Ziel, eins davon zu kaufen. Gross genug für eine Grossfamilie. Nahe der Stadt, aber so, dass man sich doch wie auf dem Land fühlt.

Denn dass mir hier zuhause die Decke auf den Kopf fällt, liegt zuweilen gar nicht nur an Kinder- und Vereinbarkeitsstress. Sondern auch daran, dass die Decke hier dem Kopf sehr nahe kommt. Und je mehr Kinder und Spielzeug wir im Laufe der letzten drei Jahre kriegten, umso näher rückten Kopf und Decke zusammen.

Das erste Haus, das wir kaufinteressierte Neulinge besichtigten, betrat ich mit den Worten «Oh, grösser als ich es mir vorgestellt habe.»

Ich fürchte, der Makler hat bereits beim ersten Satz gemerkt, dass wir keine Ahnung vom Häuserkaufen haben.

Es folgten unzählige Häuser. Ich wurde etwas eloquenter und nach gefühlten fünfzig Besichtigungen waren wir Experten für Bausubstanz, Jahrgänge von Heizkörpern und Elektroleitungen, Sonneneinstrahlung zu jeder Tages- und Jahreszeit, sanitäre Anlagen, Hypothekarwesen, Denkmalschutz und vieles mehr. Doch ein Haus, das fand sich nicht.

Mit dem dritten Kind im Bauch wurde aus der Tugend eine Not. Ein grösseres Wohnobjekt musste her. Wenn möglich noch, bevor mir während des Packens von Zügelkisten die Fruchtblase platzte. Also weiteten wir die Suche auf Mietobjekte aus und voilà, da war es: Solide Bausubstanz, grossfamilientauglich, ländliche Idylle, optimale Sonneneinstrahlung, und «grösser als ich es mir vorgestellt habe.». Und für einmal waren wir nicht an der 2. Stelle im Verkaufsranking, sondern an erster Stelle im Mietranking.

Geil.

Das zur guten Nachricht.

Die Kehrseite: Wir ziehen um von heute auf morgen. Innert vier Wochen. Müssen Nachmieter stellen, Kisten packen und irgendwie wird – obwohl unser Häuschen so klein ist – die Menge an Dingen, die ich verstauen muss, mit jeder Kiste grösser.

Fremde Leute gehen inzwischen in meinem jetzigen Haus aus und ein. Ich bin im akuten Putz- und Aufrämstress – schliesslich will ich, dass sie das Nachmieterformular gleich auf der Stelle unterschreiben und ebenfalls in drei Wochen umziehen wollen.

Ausserdem werde ich in der nächsten Zeit der Decke nochmals gefährlich nahe kommen. Zügelkisten eigenen sich bestens dazu. Ausgemistete Abfallberge ebenfalls.

Das einzige, was mich am Umzieh-Fakt im Moment ganz und gar bedingungslos glücklich macht, ist, dass sich im neuen Haus der Inhalt der Zügelkisten auf tausenden Quadratmeter verteilen wird und sich die Distanz zwischen Decke und Kopf dadurch fast ins Unendliche ausdehnt. Und dafür, meine verehrte Leserschaft, schlafe ich sogar in einer Zügelkiste gleich unter der Decke. Wenn’s denn sein muss.

 

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Autor

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern. Mehr zur Journalistin: autor.in | Mehr zum Lesen: moidame.ch

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