Mama's Alltag,

Ein Tag windelfrei

Ein Tag windelfrei. Nein danke!

Ich habe Stress. Echten Stress. Denn mein Sohn startete heute den Tag mit dem Satz: «Mama, ich will Unterhosen anziehen!»

Er ist drei. Und damit gemäss offizieller Darstellung alt genug, um seinen Urinfluss zu realisieren und entsprechend zu kontrollieren. Leider funktioniert das erwünschte Verhalten nur wochenweise, und wird aus unerfindlichen Gründen wieder abgelöst von einer Phase des «Back to Baby»-Stadiums.

Neue Unterhosen, neues Glück. Der Sohnemann ist motiviert. Ich selbst weniger. Denn heinomal ist dieses windelfreie Dasein stressig. Abgesehen davon, dass ich nonstop an Pipi denken muss, muss ich das Kind stündlich entkleiden, damit es ohne daneben zu Pinkeln das Klo benutzen kann.

Es nützt alles nichts. Es ist kurz vor Mittag und er steht plötzlich in nassen Hosen da. Ich fluche innerlich über diese saudumme Sauberkeitserziehung und dass dieser Job ohne, dass ich was dazu sagen konnte, einfach in mein Zuständigkeitsgebiet gefallen ist.

«Das ist doch nicht so schlimm», so meine Mutter, als ich mich bei ihr darüber beklagte und mich insbesondere übers ständige An- und Abziehen der Hosen ausliess. Mol, ist es im Fall! Denn die Hosen von heute, die haben einen Durchmesser, der knapp so gross ist wie der Knöchel meines Kindes. Und zieh mal diese engen Dinger generell und dann erst im nassen Zustand über zappelnde Kinderfüsse (deren Ferse dicker als deren Knöchel ist)…

Zurück zum windelfreien Dasein. Der Tag hat erst grad angefangen. Anzahl sauberer Hosen: Zwei.

Die nächste Hose geht drauf, als wir gerade im Restaurant sitzen. Mein Sohn hat sich die Schuhe abgezogen und flüchtet in seinen Socken quer durch den Raum, raus aus der Tür. Fragt nicht.

Ich renne hinterher.

Draussen ist der Boden kalt. Ich komme zu spät.

Eine kleine Pfütze bildet sich. Rasch bugsiere ich das Kind durch den Hintereingang direkt zur Toilette. Die Socken sind urindurchtränkt und hinterlassen dabei süsse Abdrücke auf dem Boden.

Anzahl sauberer Hosen: Eine.
Eine graue Trainerhose und in dieser muss das Kind nun durch eisige Kälte nach Hause gehen.

Doch auch diese Hose hält nicht bis zuhause durch. Sondern nur bis zur Busstation. Supergau. Echt jetzt. Ich frage mich schon lange, warum ich nicht mehr durchgedrehte oder weinende Mütter sehe. Aber sowas in der Rushhour raubt einem echt den allerletzten Nerv.

Mit einem kümmerlichen Rest Haltung steige ich in den Bus. Das nackige Kind in den Wintersack des Kinderwagens gepackt. «Hast du warm genug?» «Mama, ja! Hör auf zu stressen.» Alles klar. Immerhin einer ist hier gechillt.

Die Tochter, die ihren Platz im Kinderwagen nur sehr ungerne freigegeben hat, nölt, ist müde, hat Hunger und rutscht auf meinem Arm hin und her. Der Bus fährt Kurven und bremst.

Nächste Station: Irrenhaus.

Zuhause angekommen starte ich den dringend nötigen Waschgang und erhöhe die Anzahl sauberer Hosen auf fünf. Doch für heute ist erst einmal fertig windelfrei.

04 comments

Autor

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern. Mehr zur Journalistin: autor.in | Mehr zum Lesen: moidame.ch

4 Comments

Andrea

Du bist halt auch huere mutig, so in die Rush Hour rauszurushen…bei uns hat’s bis 4 gedauert, und in Stresssituationen gab’s Windelzwang 😉 Also einen Orden für Dich für den Effort!!

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Mamas Unplugged

haha… ich hab da leider gar nicht so viel überlegt. das war wohl eher leichtsinnig 😉 aber den orden nehm ich trotzdem gerne. und windelzwang: yesss, das ist mal ein freisetzendes wort!

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Vera Henggeler

Danke für den Post! Obwohl die Sauberkeitserziehung bei uns stressfrei lief (Sommer und Meitli sei dank) bin ich dankbar für jeden Blog, der mir bestätigt, dass nicht nur ich oft ganz knapp am Wahnsinn vorbeischrappe. Oder eben auch nicht. Schaue ab jetzt gerne öfter vorbei. Und wünsche einen trockenen Abend und Nerven so dick wie die Stahlseile der San Francisco Gate Bridge.

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Mamas Unplugged

merci für den kommentar. und tröstlich zu wissen, dass es noch andere wie uns da draussen gibt 😉

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