Back to Basic: Die Wickeltasche

Sie war eine der vielen Entdeckungen meines Prä-Baby-Daseins: Die Wickeltasche. Dass sowas existiert, davon weiss Frau ohne Kinderwunsch kaum. Befasst man sich dann mit dem Leben mit Baby, kommt man nicht darum herum.

Denn wer braucht nicht eine praktische Tasche, die alles kann und (das konnte meine Handtasche ja nie von sich behaupten) in der alles Platz hat.

In meiner Prä-Baby-Euphorie, ich wusste es ja nicht besser, kaufte ich mir nach langem Vergleichen und Abwägen eine sündhaftteure Wickeltasche, die zwar alles vermeintlich Wichtige drin hatte, aber trotzdem nicht so aussah, als wäre sie ein praktisches Grundbedürfnis.

Mit dieser verkleideten Wickeltasche also verbrachte ich das erste Babyjahr. Stellte bald einmal fest, dass das Schoppenwarmhaltefach nur unnötig Leerraum beanspruchte, die Tasche trotz ihrer Grösse viel zu klein war und sich meine persönlichen Utensilien deswegen auf Portemonnaie, Handcreme und Handy reduzierten.

Das zweite Kind ermöglichte mir einen Wickeltaschenwechsel. Ich bestellte online eine zeitlose Nicht-Wickel-, aber Riesentasche, die trotz ihrer Dimensionen glatt als normale Handtasche durchgehen konnte. Damit war zwar das Platzproblem – nicht aber das Gewichtsproblem und erst recht nicht das Krümelproblem gelöst.

Denn mit den Wickeltaschen ist es genauso wie mit dem Auto. Man nimmt sich immer fest vor, kein Essen darin mitzuführen. Tut es trotzdem. Weil man’s leid ist, zusätzlich zu allem Gerümpel auch noch mit Plastiktaschen aus dem Discounter behängt herum zu spazieren. Und bereut. Und putzt. Unzählige Krümel undefinierter Art. Kürzlich fand ich auf der Suche nach einem Schnuller sogar ein halbes Weggli, furztrocken. Klebrige Masse beim Reissverschluss. Und tausendundeinen Kaugummi, überall.

Ein Trost bleibt. Meistens sehe ich davon nichts, weil Windeln, Ersatzkleider, Feuchttücher, Spielsachen und weitere Utensilien das Chaos hübsch überdecken. Und weil ich in der Wickeltasche zudem auch die Trinkflaschen einpacke, die gemäss Herstellerhinweis nicht sollten aber trotzdem regelmässig auslaufen, bleibt der Hygienestandard immerhin gewährleistet.

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern. Mehr zur Journalistin: autor.in

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