Lieber dreckiges Geschirr als gar kein Essen

Was war ich doch früher abgebrüht. Und was bin ich doch jetzt für ein Weichei.

Ich heule bei Klischeeartikel, welche von irgendwelchen Billig-Mama-Plattformen aufgewärmt auf meiner Facebook-Timeline erscheinen. Über Mütter, die sterben, Kinder, die krank sind. Über Eltern, die trauern. Einige Artikel habe ich bereits auf mehreren Plattformen gelesen. Klicke sie trotzdem wieder an. Und verdrücke Tränchen.

Nachrichten im Fernsehen: Vergiss es! Sobald irgendwelche Kinder krank, verletzt oder sterbend aus Trümmern getragen werden, kann ich nicht mehr hinschauen – geschweige denn hinhören.

Und bei all diesen Bildern, die mein Herz reizüberfluten, stelle ich mir die Frage:

Was kann ich tun?

Meine Unfähigkeit zu handeln, macht mich hilflos. Zusehen zu müssen, wie andere Menschen leiden, kann ich nicht mehr. Will ich nicht mehr. Weil mich mein Mamadasein in eine neue Dimension des Mitfühlens katapultiert hat. Weil ich die Herzen brechen höre, wenn Menschen «in meinem Wohnzimmer» weinen, erschöpft niederfallen, mit ihren letzten Kräften und Mittel Rettung suchen.

Ich bin die Mutter, die ihr Kind den Helfern entgegenstreckt. Mitten auf hoher See. Was, wenn es ihm aus den Armen rutscht? Wenn es in die Fluten fällt? Was, wenn ich es nicht schaffe? Wer kümmert sich um das Kind? Wer sagt ihm, dass es geliebt wurde, gewollt ist? Wer ist ihm eine Mama, eine Familie?

Ich bin die Mutter, die auf der Schwelle ihres zertrümmerten Zuhause sitzend ihre Arme um ihre kleinen Kinder hält. Schützend. Und wohlwissend, dass dieser Schutz nicht genügt. Dass die Kräfte nicht ausreichen und die Brutalität der Menschen und der Welt meine Kinder gebrochen hat. Die versucht, ihnen einen Rest Liebe zu geben. Einen Rest Geborgenheit.

Ich bin die Mutter, die ihr Kleinkind hält. Ausgezehrt. Ich fühle seine Knochen. Nur die Knochen. Gucke ihm in die Augen und fühle die unendliche Hilflosigkeit, dass ich alles in meiner Macht stehende getan habe, und trotzdem nicht genug, damit es Essen kriegt.

Ich weine. Mit diesen Müttern.

Die Fülle der Schlagzeilen sollte uns nicht davon abhalten, mitzuleiden. Sie sollte uns nicht davon abhalten, uns zu engagieren.

Ich bin kein Gutmensch. Keiner dieser ‚Rettet-die-Welt‘-Typen, der sich von Hilfsprojekt zu Hilfsprojekt hangelt.

Aber ich bin eine Mutter. Und ich will, dass keine Mutter der Welt machtlos zusehen muss, wie ihre Kinder in ihren Armen und vor ihren Augen sterben.

Ich will es nicht.

Wenn der Spiegel titelt: «UNO warnt vor tödlicher Hungerkatastrophe: Es ist schon fast zu spät» – dann will ich hier und jetzt etwas tun. Und ich hoffe, ihr auch.

Auch wenn ich nicht allen Müttern der Welt helfen kann, habe ich beim Googeln nach einer Hilfsmöglichkeit von hier aus eine App entdeckt. Sie ist simpel und einfach. Sie wird nicht die Welt retten. Aber möglicherweise ein Kind. Möglicherweise mehrere Kinder. Mit einem Klick für 4.20 Franken (ca 3 Euro) habe ich einem Kind eine Woche Essen bestellt. Dies ist kein bezahlter Blogpost, sondern ein Herzensblogpost mit der Bitte, euch dem Team #mamasuplugged anzuschliessen und ebenfalls Essen zu bestellen. Für einen Tag (60 Rappen), eine Woche (4.20), einen Monat (18.00).

Dies ist kein Aufruf für eine dieser hippen Hilfskonvois auf den Sozialen Medien!

Und vielleicht ist es naiv, zu glauben, mit vier Stutz könne ich die Welt retten. Ich kann sie nicht retten. Aber ich kann sie hoffentlich etwas besser machen. Und ihr könnt das auch.

Die App findet ihr unter ShareTheMeal.org. Einloggen, Paypal oder Karte bereit haben, Team #mamasunplugged eingeben (oder ein eigenes Team gründen) und Essen kaufen.
Merci fürs Teilen.

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern. Mehr zur Journalistin: autor.in

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