MamaMomente,

Welcome. To Phase Zwei.

Ach ja. Die Trotzphase.

Vorbei die Zeit, als sie sich so süss und unschuldig, mit Schnuller im Mund, per Kinderwagen durch die Welt schubsen liessen.

Ha. Ha ha. Ha.

Wie man so dachte, man sei so voll im Stress. Weil sie dann so weinen. Wie man so nervös wurde, wegen der vernichtenden Blicke der Umgebung. Oder wie man dann so hektisch nach Reiscrackern kramte. Wie man so voll verzweifelt nach Wifi für ein Youtube-Manöver suchte.

Ach ja. Gute alte Zeit.

Autsch.
Ich höre schon den Aufschrei aller Mütter, die noch mitten in diesen Phasen stecken. Diesen Phasen, die man in den ersten zwei Jahren so durchlebt.
Ich höre sie schon protestieren: «Rosa Rückblick-Brille, meine Liebe! Schlaflose Nächte, Milcheinschuss-Spuren, Kolliken und Zahn-Drama. Weisst du noch?»

Ja schon klar. Das war schlimm.
Aber wartet sie mal ab.
Die vermaledeite Trotzphase des 2. Lebensjahres.

Sabotage. Terror. Widerstand. Rebellion.
Das sind so die Hashtags, die Mahnmale, der Terrible Twos.

Vorbei als das Schränke ausräumen die total nervige Lieblingsbeschäftigung der Kleinsten war. Diese Zeit wünscht man sich zurück. Sehnlichst. Wenn sie nicht länger nur parteiinternes Chaos anrichten, sondern sich zur antagonistischen Opposition in Extremis verschwören. Eltern werden mit der geballten Energie jungen Lebens an den Rand des Wahnsinns getrieben.

Welcome. To Phase Zwei.

Es will sich nicht anziehen. Will nicht das essen, was auf dem Tisch ist. Will nicht schlafen. Nie. Will nur mit Sachen spielen, die unter Garantie zerstört werden können. Mamas Sachen. Das Ziel vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang ist sinnloser, zielloser Widerstand. Sturm laufen. Selbst wenn es nicht weiss gegen was. Mama weiss es bestimmt.

Momentan weiss ich eigentlich nur, dass das Schlimmste daran, dass meine Tochter sich akut im Trotzalter befindet, der Sohn ist. Der sich auch in der Trotzphase befindet. Entwicklungsmässig etwas verzögert, hat er uns vier lange Jahre Glauben gemacht, wir seien Hammer Eltern. Die über andere Eltern, deren Kinder mit Waren im Supermarkt schleudern und die in jeder Faser ihres Seins aus Ungehorsam bestehen, nur den Kopf schütteln können.

Jetzt sind wir diese Assi-Eltern, die in aller Öffentlichkeit lärmend, blökend Standpauken halten. Die weglaufenden, kichernden Kindern hinterherjagen. Deren Autorität und elterliches Selbstbewusstsein wie Seifenblasen von kleinen Patschhänden zu Grunde gerichtet werden. Rüffel, Tadel und Co. sind machtlos gegen den Sturm und Drang der Trotzphasen-Kinder.

Zero fucks were given.

Bleibt nur abzuwarten, ob nach dieser Phase eine noch taffere folgt. In der ich dann nostalgisch auf die Ära des Trotzes zurückblicke. Mit rosa Rückblick-Brille. Und dann allen Müttern, die zwischen Krawall, Putsch und Meuterei sich schon kaum vorstellen können, die nächsten 24 Stunden heil zu überstehen, in so total nervig gut gelaunter Tonlage zuzwitschere:

«Geniess die Zeit. Sie werden so schnell gross.»

0no comment

Autor

Mirjam ist Mutter von zwei wunderbaren und unvollkommenen Kindern, studierte Psychologin und arbeitet im Herzen des Emmentals als Hausfrau und freischaffende Journalistin.

Leave a Reply




Instagram