Studentenmutter

Ich war nicht immer Studentenmutter. Mein erstes Studium – in meiner Prä-Mutter-Zeit – war klassisch.

Ich ernährte sich spärlich von Fertigsuppen und schlief in täglichen Vorlesungszeiten den Rausch von überteuerten Partys aus.

Weshalb ich Verständnis dafür habe, hochgezogene Augenbrauen zu ernten, wenn ich auf die typische «und was machst du so ausser Kinder?»-Frage antworte: «Studieren.»
Mittlerweile habe ich mir angewöhnt die Antwort obligatorisch mit «an einer Fernuni» zu ergänzen.
Denn das Bild einer klassischen Studentin und das Bild einer klassischen Hausfrau und Mutter löst kombiniert ähnliche Reaktionen aus wie Gurken auf Pommes.
Ich bin Mama und Fernstudentin. Studentenmutter eben. Esse heute – im Gegensatz zu früher – gesund. Und – getreu dem Motto «einer isst immer» – nonstopp. Statt Studentenpartys gibt es Kindergeburtstage. Und diese muss ich nicht um einen komplizierten Stundenplan herum organisieren. Sondern ich organisiere mir mein Studium um Kindergeburtstage herum.

Warum?

Weil ich es kann.
Ich studiere nämlich – wie sagen sie so schön – «wann ich will, wo ich will» an der FernUni Schweiz.

Wenn die Kinder mich in den Wahnsinn treiben, habe ich einen guten Grund Babysitter oder Ehemann zu mobilisieren. Und selbst die trockenste Lektüre fühlt sich dann an wie ein Kokosnuss-Cocktail auf einer einsamen Insel.
Wer nämlich den ganzen Tag Tiergeräusche imitieren und sich mit (den immer wieder gleichen) Hörspielen beschäftigen muss, für dessen Gehirn ist jede kognitive Herausforderung eine willkommene Abwechslung.
Und vermutlich steckt dahinter auch die Ambition etwas anderes in meinen Lebenslauf zu schreiben, als «Skills in der Kreation von Gemüsegesichtern».

Da ich die ein oder andere «Fernuni…was?»-Frage gewohnt bin:
Fernuni ist gar nicht so «out of space», wie ich mir das anfangs vorgestellt habe. Es ist einem normalen Regelstudium gar nicht so unähnlich.

Alle drei Wochen trifft man sich, um Professoren und Mitstudenten im «Real Life» zu erleben. Und – in meinem Fall – Flashbacks an die klassische Studentenzeit. Bloss dass die Mitstudenten um einiges motivierter sind. Berufstätige. Und solche, die auch verkrümmelte Reiscracker in ihren Handtaschen transportieren.

Dass ich während Mittagsschlaf und «Time Outs» im Kinderzimmer zur Studentenmutter mutiere, hat übrigens damit zu tun, dass mir vor knapp vier Jahren eine sympathische Frau am Telefon versichert hat:

«Das war die schönste Zeit. Kinder zu haben und zu studieren.»

Heute würde ich jeder Mutter am Telefon dasselbe erzählen.
Aber da mich telefonisch bisher niemand um Rat gefragt hat, gibt es mein Feedback zu der Fernuni – voilâ – hiermit per Blog.

Mirjam ist Mitgründerin von Mamas Unplugged und seit Herbst 2017 mit ihrer Familie auf Weltreise unterwegs. Mit Fahrrad, Zelt und Hund. Wer aktuelle Blogs von ihr lesen will, findet die auf www.familiemettler.ch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.