SSS. Die Schwangerschafts-Schedule.

«Machen Sie doch etwas Yoga oder Pilates!» Hätte meine Gynäkologin diesen Satz gesagt, als ich vor vier Jahren mit meinem ersten Kind schwanger war, ich hätte mir Matte und Outfit gekauft und wäre in die nächste Yogastunde gejoggt.

Doch sie sagt es jetzt.

Ich bin schwanger mit dem dritten Kind. Was bedeutet, dass ich bereits zwei Kinder ausserhalb meines Bauches habe.

Als sie mein Zögern bemerkt: «Sie können auch ins Aquafit gehen, die alten Damen werden Sie lieben.»

Ja genau. Viiiiel besser.

Ich schlucke. Es ist nicht der Sport, der mir Sorgen macht. Im Gegenteil. Ich würde sofort mehr Sport machen. Aber sportliche Betätigung ist nicht die einzige Verpflichtung, die ich gemäss ihr wahrnehmen müsste. Seit mehreren Terminen diskutieren wir darüber, ob ich diesen gruusigen Glukosetest tatsächlich wieder machen müsse. Zudem krieg ich noch Antikörper gespritzt, «kommen Sie doch in den nächsten drei Wochen dafür vorbei».

Easy. Ich mach das alles. Egal, wie abscheulich Glukosecocktail zum Frühstück ist, egal, wie gross meine Abneigung gegenüber Hallenbädern. Das ginge alles noch. Aber was gar nicht geht ist:

Der organisatorische Aufwand!!!

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass eine Schwangerschaft so zeitintensiv ist. Der Staat sollte mir einen Extra-Babysitter zur Verfügung stellen, damit ich als Schwangere all die Termine und Verpflichtung wahrnehmen kann, die nötig sind, um auch das dritte Kind in gänzlicher Gesundheit auf die Welt zu bringen. Denn – sorry – das Kinderhüte-Limit geht bereits für den Job drauf. Und mein Tag hat so viele Stunden (von der Nacht ganz zu schweigen), dass ich schlicht nicht weiss, wo in einer durchschnittlichen Woche ich noch Yoga und Aquafit und Glukoseschlürfen einplanen kann.

«Schauen Sie doch bitte, dass Sie im dritten Trimester jemanden haben, der Ihnen die Kinder regelmässig abnimmt, damit Sie ausruhen können.» – die Gynäkologin.

Ich liebe sie. Meine Gynäkologin. Sie ist die Beste. Wirklich.

Aber beim Thema Zeitmanagement reden wir aneinander vorbei. Die Babysitterkapazitäten sind begrenzt. Die des Partners ebenfalls. Und die Flexibilität der Kinder auf ständig wechselnde Hüte-Szenarien – ihr könnt’s euch etwa vorstellen. Und noch mehr unflexible Kinder: Nein danke! Schon so schleppe ich mich (respektive sie) zeitweise durch den Alltag, dass die Aquafitgrossmüter allesamt herfahren und mir mitleidsvoll den Haushalt schmeissen würden.

Ich tröste mich damit, dass «Frauen früher bis zur Geburt auf dem Feld gearbeitet haben» (die Gynäkologin, als ich mit dem zweiten Kind schwanger war). Damit, dass meine Mutter vier Kinder hatte und keinen Kinderhütedienst. Damit, dass in vier Monaten alles ganz anders ist. Wobei ich wohl auch dann einen Extra-Babysitter gebrauchen könnte…

«Sonst gehen Sie dann wenigstens in die Akkupunktur, damit Sie etwas Zeit für sich haben und sich hinlegen können.»

Händedruck. Adieu. Merci.

Es ist nicht so, dass mir die Ideen ausgehen, was ich mit meiner Zeit machen könnte. Stichwort Beauty und Massage. Da sind grad noch mehrere Pendenzen vorhanden.

Doch eine Woche später die neuen Laborwerte. «Eisen und B12 total im Keller. Wir organisieren Ihnen eine Infusion und Spritzen», die Gynäkologin. Das macht dann vier Extratermine. Und wie wenn er’s geahnt hätte, dass die Zeit langsam knapp wird, klingelte grad vorhin das Telefon. Der Zahnarzt. Wann ich denn nächsten Monat für eine Dentalhygiene vorbeikommen könnte. «Wenn Sie mir den Babysitter finanzieren, bin ich da sehr flexibel. Merci danke.»

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern. Mehr zur Journalistin: autor.in

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