Das Kind spricht – und keiner versteht’s

Die Principessa hat sich auf die nächste Entwicklungsstufe hochgeangelt. Und kommuniziert inzwischen nicht mehr nur mittels Geschrei – was durchaus eine differenzierte Art der Kommunikation sein kann, keine Frage. Aber seit neuestem sagt sie Dinge wie «Öff» oder «Oot» oder «Äbe».

Zugegeben, die Formulierungen sind noch nicht gänzlich ausgereift.

Aber hat man dann mal die Worte in den einzelnen Fragmenten erkannt, lässt sich beinahe schon ein Gespräch führen. Zumal «Ja» und «Nein» zu den Ausdrücken gehören, die keinen Zweifel offen lassen, was der töchterliche Wille ist.

Die Spielshow Glücksrad habe ich in jungen Jahren stets ambitioniert verfolgt – das kommt mir jetzt zugut. Denn ganz so einfach ist das Zusammensetzen von einzelnen Lauten zu einem sinnvollen Wort nicht. Ausserdem spiele ich gegen die Zeit. Hat die Principessa ihr neues Wort einige Male wiederholt und ich stehe immer noch wie der Esel vor dem Berg, kann sie sehr ungeduldig werden. Je nachdem, was sie gerade in der Hand hält, ist diese Ungeduld dann auch gemeingefährlich. Denn mit den Wortfragmenten kamen auch die Starallüren.

Löffel, Gabel, Teller, Bauklötze… alles Wurfelemente zur Frustrationsbewältigung. Schimpftiraden meinerseits verklingen wirkungslos. Das Persönchen, zu dem meine Tochter in den letzten Wochen mutiert ist, ist charakterstark, furchtlos und halt eben, gerade sehr wütend ob meiner Unfähigkeit, ihre Fragen zu beantworten oder ihren Aufforderungen nachzukommen.

Nebst den Befehlsausgaben gibt es nun auch ausufernde Erzählungen. Mit ernstem Gesichtsausdruck redet sie auf mich ein, guckt mich fragend an. Manchmal versuche ich es einfach mit «Ja» und «Aha». Wenn ich mutig bin, wiederhole ich eine ihrer Wortschöpfungen in der Hoffnung, sie sinngemäss richtig wiederzugeben und anzuwenden. Was entweder einen erneuten Redeschwall zur Folge hat oder die Frustrationsbewältigung.

Umso entspannter sind dann die Situationen, in denen sie mit anderen Menschen spricht. Die sie ihrerseits hochkonzentriert anschauen. Auf ihren Gesichtern sieht man erst das totale Unverständnis, die Angestrengtheit, irgendwelchen Sinn aus dem Gebrabbel herauszulesen, die schliesslich in Verzweiflung umschlägt.

Schliesslich schauen sich mich hilfesuchend an: «Du, was hat sie gesagt?»

Schulterzucken. Weiss ich leider auch nicht. Aber bevor ihr irgendeine Antwort gebt: Sucht euch eine angemessene Deckung.

 

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern. Mehr zur Journalistin: autor.in

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