Discofox oder Flanell?

Beim Silvester feiern habe ich schon alles gehabt, was man haben kann – das Feiern mit und ohne Kinder. Egal, in welcher Phase man gerade steckt – es wird nie mehr so sein, wie es vor den Entbindungen war. Nach einer Geburt hat es sich vorläufig ausgetanzt.

Phase 1

Du stillst noch. Mit einem Stillkind im glitzernden Partykleid und Highheels an eine Silvesterparty? Stresst dich. Also daheimbleiben. Gäste einladen? Lieber nicht. Sie könnten das Baby, das gerade zahnt und ständig quengelt, wecken. So gegen neun Uhr schläft das Kind endlich ein, dir fallen die Augen auch zu und du schaffst es nicht, aufzubleiben. Um Mitternacht wird das Kleine vom Feuerwerk in Nachbars Garten geweckt. In Gedanken erwürgst du den Nachbarn. In der Realität beruhigst du den Schreihals mit Engelsstimme und wiegst ihn liebevoll während der nächsten halben Stunde in den Schlaf. Jetzt hellwach, schlägst du dem Mensch im Bett neben dir vor, die kaltgestellte Flasche Sekt nun doch noch zu entkorken. Er schwafelt im Halbschlaf: «Morgen ist auch noch ein Tag!»

Phase 2

Du wolltest mal wieder an eine Party. So richtig feiern. Musik, Rumba, Discofox, Tango. Aber KEINER will unterdessen deine Kinder beaufsichtigen, weil JEDER auf einer Party mal wieder so richtig Dampf ablassen will oder JEDER hat selbst Nachwuchs, den KEINER babysitten will. Also lädst du ein paar Freunde mit ihren Kindern zum Übernachten ein. Gemeinsam bringt man die Herde Gastkinder im Zimmer der eigenen Kinder unter. In der naiven Hoffnung, dass sie in der fremden Umgebung gleich einschlafen. Das passiert erst nach Mitternacht. Die Nerven von zwei übermüdeten Elternpaaren liegen blank, und beim Zuprosten ist der allgemeine Zustand bereits leicht komatös.

Phase 3

Du stellst die Uhren im ganzen Haus zwei Stunden vor und versprichst den Kindern, dass sie bis Mitternacht aufbleiben dürfen. Du lässt den Korken vom Kindersekt um zehn Uhr knallen, und bringst die Kinder danach ins Bett. Um Mitternacht schrecken sie die Kirchenglocken und der Lärm vom Feuerwerk auf. Sie kommen aus ihren Zimmern an dein Bett und stellen unangenehme Fragen.

Phase 4

Dein Nachwuchs darf bis Mitternacht aufbleiben, und hält fast besser durch als du selbst. Das ist die beste Phase in Sachen Silvester feiern mit Kindern, die noch nicht pubertieren wollen.

Phase 5

Deine Nachkommen wollen auswärts feiern, ohne ihre beknackten und spiessigen Eltern. Voller Sorgen trinkst du um Mitternacht deinen Sekt. Der irgendwie nicht schmeckt. Dauernd checkst du dein Handy. Es bleibt aber stumm und deine Fragen, ob alles okay ist, werden mit dem zornigen Smiley und dem Bomben-Emoij beantwortet. Du machst kein Auge zu, bis so gegen vier, fünf Uhr auch das letzte Kind heimgekommen ist. Besoffen.

Phase 6

Deine Kinder sind alle aus dem Haus. Endlich.

JETZT kannst du wieder feiern und es krachen lassen. Sorgenlos. Mit deinen Freunden, daheim oder in einer coolen Location, irgendwo am Strand oder in den Bergen.

Das heisst, nur wenn du zu Sorte der A-Mütter gehörst, die nichts anbrennen lassen, das man jetzt endlich kinderfrei tun und geniessen kann – feiern, die ganze Nacht durchtanzen, sich nochmals jung, lebendig und fit fühlen, solange die Knochen und Muskeln noch mitmachen. Yeah!

Wenn du hingegen zur Sorte der B-Mütter gehörst, die bedächtiger sind, dann bleibst du zuhause. Du lädst jemanden ein oder hockst vor die Glotze. Fünf Minuten nach Mitternacht steckst du bereits im Flanell-Pyjama und den handgestrickten Wollsocken und hörst von unter der wohlig warmen Bettdecke zu, wie es draussen knallt.

Beides ist okay.

Ich bin eigentlich eine A-Mutter. Ich liebe es, Jive und Discofox zu tanzen. Aber – ich besitze auch ein Flanell-Pyjama…

 

 

 

 

 

 

Redaktionsassistentin, Autorin, Mutter von drei erwachsenen Kindern und Stiefoma einer Schulkind-Prinzessin. Schamgefühle sind nach so einer Mutter-Karriere wie der ihren kein grosses Thema mehr. Sie hat nicht immer Recht. Aber sie liegt selten falsch.

One thought on “Discofox oder Flanell?

  1. Wir befinden uns wohl derzeit am ehesten in Phase 3. Da ich eher der Flanell-Pyjama-Typ bin (nur ohne Pyjama ;-)) haben wir die zweite Phase einfach übersprungen. Und sogar meine Vierjährige hält schon länger durch als mein Mann. :-O

    Auf die Bomben-Emoijs freue ich mich schon. 🙂

    Cooler Blog, den ich gleich mal in meine Blogroll aufnehmen werde. Denn hier war ich nicht zum letzten Mal.

    Herzchen bei Brigitte Moms gibt`s auch gleich. <3

    Allerdings funktioniert da die Verlinkung zu euch gerade nicht, oder ich stelle mich zu dämlich an. Habe den Link aus dem Profil rauskopiert, weil er mich beim Klick wieder zu der Übersicht der Momblogs gebracht hat.

    Übrigens heiße ich auch Marianne, aber jeder nennt mich Mary. Und als die grüße ich euch ganz herzlich!

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