Selbstmitleid für Mama

Da sass ich also und starrte auf meine Hose.

Schrecklich. Sie katapultierte mich äusserlich in ein rebellisches Teenager-Zeitalter zurück.
Dabei war ich doch innerlich erwachsen. Eine Mama mit Verantwortungsbewusstsein. Löchern in der Hose. Und Selbstmitleid.

Ursprünglich war das Loch gar kein Loch. Da sorgte einst ein angenähter Jeans-Stoff für den used Look. „Den nähe ich wieder dran.“ Sage ich seit ungezählten Monaten.
Manche Löcher in der Hose können durchaus hip sein. Aber nur in der richtigen Form und bis zu einer bestimmten Grösse. Darüber hinaus bist du entweder punk oder peinlich.

Ich war peinlich.

Fand ich jedenfalls.
Und um Selbstmitleid und Scham zu entfliehen, träumte ich mich zurück in den verflossenen Abschnitt meines Lebens, als ich Zeit und Geld mit niemand anderem teilen musste, als mit mir selbst.
Aber dazumal wusste ich elender Single ja mein egomanisches Dasein nicht zu schätzen. Und statt mir immer weiter neue Klamotten zu kaufen, schlüpfte ich irgendwann in Hochzeitskleider und Umstandsmode.

Das hab ich nun davon.
Ich bin umgeben von kleinen Wesen, die in überirdischer Geschwindigkeit wachsen. Und daher das für Kleider budgetierte Geld beinahe restlos einfordern.

Also sehe ich aus, wie ich mich fühle: Wie eine Mama, die ihr Geld opfert. Ihre Zeit. Und ihren Look.

Die Löcher in meiner Hose waren nur eine weiterer Punkt auf der Opfer-Liste. Andere Opfer-Beispiele: Die ausgelufteten Ballons im Dekolleté. Die Ringe unter den Augen. Die Rezession meines Haar-Volumens.

Wenn mein Single-Ich der Vergangenheit mich so sehen könnte. Vermutlich würde es dann immer noch rastlos von einem Kleiderladen zum anderen streunen. Und seine Blicke würden in neurotischer Panik alle Hochzeitsboutiquen und Männer scheuen.

Aber zum Glück hat mein Single-Ich der Vergangenheit ja sowas von keine Ahnung (und kein von verrückten Hormonen manipuliertes Gehirn).
Eins ist klar: Auch wenn ich mit meinem Look wie 14 und meinen Brüsten wie 94 aussehe – meine Kinder waren diese Opfer wert.

Aber wem manchmal mehr als nur 10 cm Hose fehlen, der hat sich ein wenig Selbstmitleid verdient.

Mirjam ist Mitgründerin von Mamas Unplugged und seit Herbst 2017 mit ihrer Familie auf Weltreise unterwegs. Mit Fahrrad, Zelt und Hund. Wer aktuelle Blogs von ihr lesen will, findet die auf www.familiemettler.ch

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