MamaMomente,

Schweigen brechen

Wir haben unsere ehemalige Kinderbetreuung eiskalt angeschwiegen. Jetzt haben wir beschlossen dieses Schweigen zu brechen.

Ist es in Ordnung andere Eltern zu informieren, bezüglich des Videos? Ist es in Ordnung Anzeige zu erstatten, nur weil ein Kind geschubst wird? Ich meine. Immerhin haben sie es weder verprügelt, noch missbraucht.

Ich finde Plaudern und Anzeigen in Ordnung. Komme mir aber trotzdem manchmal vor wie der Grinch, der allen ihr Weihnachten ruinieren will.

Dann äussere ich mich auch noch öffentlich auf meinem eigenen Blog.

Drama, Baby, Drama.

Wieso kann ich es nicht einfach auf sich beruhen lassen? Nach vorne schauen? Und zweite Chancen verteilen?

Beim Gespräch mit der ehemaligen Familie, die unsere Kinder betreute, war das meine Achillesferse. Wir griffen sie wegen der Szene im Video an. Und sie uns, weil wir eiskalt über dieses Happening plaudern.

Mehr noch. Ich plaudere nicht nur darüber. Ich grabe tiefer und sammle noch mehr Informationen. Meiner Meinung nach, weil ich nicht verstehen kann wie es zu dieser Szene kommen konnte. Ihrer Meinung nach, weil ich es einfach nicht auf sich beruhen lassen will.

Meiner Meinung nach, will ich Schweigen brechen. Ihrer Meinung nach, bin ich auf Hetzjagd.

Vielleicht stimmt ja beides.

Aber hetze ich der Familie hinterher oder der Wahrheit?

Es ist nicht nur das Video, sondern auch die zusätzlichen – in meiner Hetzjagd gesammelten – Informationen, die eine Sache für mich indiskutabel machen:

Dort haben Kinder nichts verloren.

Und ihre Forderung an mich, mit dem Geplauder aufzuhören, die anstelle von Reue und Einsicht steht, hat mich am Gespräch nicht zum besten Diskussionspartner gemacht. Ich weiss.

Ich kann mit dem schlechten Ruf leben, ein herzloses Tratschweib zu sein.

Mit was ich nicht leben könnte ist, wenn man mir nachsagen würde wegzuschauen. Das Schweigen nicht zu brechen.

Unrecht passiert. Fehler passieren. Wo es Menschen gibt erst recht.

Wenn ich Glück habe, haben meine Kinder von dem was passiert ist, kein Trauma davongetragen. Ich kann ihnen aber auch noch die Verletzung ersparen, dass es vertuscht wird, wenn ihnen Unrecht widerfährt.

Vielleicht schiesse ich über das Ziel hinaus? Vielleicht bin ich im Unrecht?

Vielleicht.

Aber was ich mit unumstösslicher Sicherheit sagen kann, ist das ich keinen Grasteppich wachsen lassen, noch mein Mundwerk der Erde beisetzen werde.  Ich kann doch nicht einfach so tun, als hätte ich das Video nicht gesehen. Diese Information betrifft mich. Meine Kinder. Und meiner Meinung nach alle.

Insbesondere jene, welche derartige Szenen verhindern könnten und ihr Schweigen brechen sollten.

02 comments

Autor

Mirjam ist Mutter von zwei wunderbaren und unvollkommenen Kindern, studierte Psychologin und arbeitet im Herzen des Emmentals als Hausfrau und freischaffende Journalistin.

2 Comments

Jennie

Mach dir nicht so viele Vorwürfe! Du hast alles richtig gemacht! Deine PFLICHT als Mutter ist es doch für deine Kinder Partei zu ergreifen, wenn sie es selber noch nicht können. Deine PFLICHT als Mensch ist es, Unrecht entgegenzutreten um somit anderen diese Erfahrung zu esparen. Ob diese Familie das toll findet ist egal, sie betreuen DEINE Kinder und müssen somit auch auf deine Werte rücksicht nehmen! Geniesse nun die Liebe in der Weihnachtszeit und lass dir von diesen Idioten (das ist jetzt sehr nett ausgedrückt) nichts versauen!

Mit viel Liebe

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Mirjam Mettler

Danke Jenny! Es tut immer gut so etwas zu hören…
Wenn man mittendrin steckt, hat man manchmal einfach keine befreiende Sicht.

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