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Schwarze Pädagogik – Was würdet ihr tun?

Schwarze Pädagogik

Schwarze Pädadogik. Noch nie hatte ich davon gehört. Und ich wünschte es wäre dabei geblieben.

Ich gehöre zu der Sorte Müttern, die sich als total cool, locker und keineswegs überfürsorglich bezeichnen. Und wahrscheinlich gerade deshalb das totale Gegenteil ist.

Gegen das Bild meiner eigenen Coolness spricht die Tatsache, dass ich eine gefühlte Ewigkeit gebraucht habe, bis ich eine Kinderbetreuung für meine Kinder gefunden habe.

Eiscreme zum z’Vieri? Sorry, zu viel Zucker.
Du hast deine Wohnung mit Enten dekoriert? Sorry, viel zu creepy.

Meine Kinder sollen bei einigermassen normalen Menschen mit einem einigermassen anständigen Stilbewusstsein ihre Zeit verbringen.

Ansprüche an die Kinderbetreuung zu haben, läuft auf dasselbe hinaus, wie Ansprüche an den Traummann zu haben: Man wird niemals fündig.

Es schien also fast zu schön um wahr zu sein, als wir schlussendlich eine Familie gefunden hatten, an die wir unsere Kinder abgeben wollten.

Natürlich war uns bewusst, dass diese Familie speziell war: Immerhin hatten sie ein riesiges Haus gekauft und zu einer Art Kindertagesstätte umfunktioniert. Aber wir erklärten uns das Spezielle damit, dass ihr grosses Herz am rechten Fleck sass.

Ihre Bereitschaft Gutes zu tun, schien und scheint schier endlos. Denn sie hatten so viele Tageskinder bei sich, wie nur irgend möglich. Und damit nicht genug: Auch Pflegekinder waren in ihrer Familie willkommen. Und ob Tages- oder Pflegekind: Auch die härtesten Fälle und die verhaltensauffälligsten Kinder, fanden bei dieser speziellen Familie offene Türen.

Und habe ich erwähnt, dass mein eigenes Kind ebenfalls ein spezielles Kind ist?

Aufgrund von einem Gendefekt hat mein Sohn Schwierigkeiten Nähe und Distanz richtig einzuschätzen. Ist er überfordert, fordert er die Menschen um sich herum mit Hauen, Schlagen, Beissen.
Vorzugsweise hat er dabei andere Kinder im Visier.

Eine Familie mit einem grossen Herz auf dem rechten Fleck – es gibt ja wohl kaum eine passendere Familie für mein Kind. Dachte ich.

Ich habe leider nicht weit genug gedacht.

Und ich habe auch alle Warnhinweise übersehen. Dass die Übergabe meiner Kinder jedes Mal ein Drama war. Das lag an der Schwierigkeit meines Sohnes, Veränderungen und Szenenwechsel zu akzeptieren. Oder einfach daran, dass sie mit einem falschen Bein aufgestanden waren. Dachte ich.

Aber einen Hinweis, den konnte ich nur unschwer übersehen:

Ein Video.

Ein Video, das meine Tochter zeigt. Und diese Familie in einem komplett anderen Licht.

Gefilmt von einem Kind, das wohl mehr Vertrauen in Smartphones als in seine zuständigen Betreuungspersonen hat. Es fallen Kraftausdrücke. Und Kinder. Nämlich meines. Es fällt zu Boden, weil es geschubst wird. Von der Betreuungsperson. Trotz seinem Heulen, seinem Schluchzen, seiner Hilflosigkeit.

Das Video war wie ein Dominostein für die Wahrheit. Denn auf einmal tauchen noch mehr Informationen auf. Demütigungen – verbaler und körperlicher Art. Mehr als nur fragwürdige Erziehungsmassnahmen.

Von einer liebenswerten Familie, der nicht nur ich vertraut habe. Sondern eine handvoll anderer Mütter, Behörden, Sozialarbeiter.

Nach dem Durchlöchern anderer Mütter, Sozialarbeiter, ehemaliger Pflegekinder und Gerüchte, lichtet sich mein Verdacht: Schwarze Pädagogik.

Nicht Gewalt, Grausamkeit und Boshaftigkeit stehen im Vordergrund.
Sondern der unbedingte Gehorsam.
Und die Bibel als heiliger Waffenschein, um den Kampf mit allen Mitteln, die den Zweck heiligen, zu kämpfen.

Aber als sie vor meinen Augen kleine Kinder in Horrormasken exorzistenartig aus dem Haus scheuchten, dachte ich nur still für mich: Freaks. Aber jedem seinen Glauben.

Schwarze Pädagogik. Und ich habe mich blenden lassen.

In ihrem Waffenschein – in der Bibel – heisst es irgendwo, man soll sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Daran haben sie sich löblich gehalten.
Aber ich bin auch der Meinung: Seine Dunkelheit besser auch nicht.

Abgesehen von einem Kind, das heimlich unter diesen Scheffel kriecht und missbräuchliche Filmaufnahmen macht, gibt es keine stichhaltigen Beweise mehr. Nur Gerüchte. Schwarze Pädagogik. Es gibt nur den Scheffel. Und all das, was man darunter nicht sieht.

Fuck.

Ausser Tränen nicht gewesen, seit ich das Video gesehen habe.

Und ich schreibe diesen Artikel, weil das Video nicht verwendet werden darf. Aus rechtlichen Gründen. So die KESB. Weiterhin grünes Licht also für die Kinderbetreuung und schwarze Pädagogik.
Ich schreibe einen sinnlosen Blog, weil alle, die scheinbar etwas wussten, bis zum heutigen Tag nur Flüsterpost machen.

Weil niemand etwas macht. Und niemand etwas sagt.

Doch ich schreibe diesen Artikel, weil dort jeden gottvergessenen Tag noch Kinder hingebracht werden.

Und weil ich wissen will: Was würdet ihr tun?

 

*Anmerkung der Autorin: Selbstverständlich habe ich meine Kinder sofort herausgenommen. Entschuldigt für das Unterschlagen der Info, aber ich dachte dieser Fakt sei selbstredend.

 

 

07 comments

Autor

Mirjam ist Mutter von zwei wunderbaren und unvollkommenen Kindern, studierte Psychologin und arbeitet im Herzen des Emmentals als Hausfrau und freischaffende Journalistin.

7 Comments

Fenna

Liebe Mirjam
Puh… das ist wirklich schwer zu verdauen. Vor allem wenn es um Kinder, die eigenen Kinder, geht.
Ich würde auf jeden Fall sofort meine Kinder da wegholen und nie mehr hinschicken. Und dann wohl die Behörden informieren (hast du so wie ich verstanden habe gemacht)… Wenn diese aber scheinbar nichts unternehmen möchten wird es schwierig. Jedem den ich kenne davon abraten die Kinder da hin zu schicken… einen Blogartikel schreiben…. evt. auch einen anonymen Artikel in der Zeitung. Damit andere Eltern vorsichtig sind und aufpassen, die Augen offen halten.
Wir hatten Glück mit der Kinderbetreuung. Wir haben eine wunderbare Krippe gefunden. Die Betreuerinnen sind locker, lieb und verständnisvoll. Und ja…. sie sind auch schon mit den Kindern in den MacDonalds gegangen. Als viele in den Ferien waren. Da hab ich mir schon einen Moment gedacht: „Puh… ok… Fast Food in der Krippe… hmmm… “ Aber der Rest stimmt. Es wird mit den Kindern gelebt und auch jetzt, wo mein Grosser in den Kindergarten gekommen ist, pflegen wir noch einen guten Kontakt mit der Krippe und vermissen sie meinen Jungen. Und am Ende ist es das was zählt. Mein Kleiner wird nächstes Jahr auch dort hin geschickt 🙂
Liebe Grüsse
Fenna

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Daniela

Leider ist schwarze Pädagogik in allen Abstufungen zu finden. Auch wir werden davon aufgefressen einen passenden Betreuungsplatz für unseren bald 4 jährigen zu finden und ich habe erst gerade wieder einen Platz verlassen, weil er dort nicht mehr bleiben wollte und ich meinem Bauchgefühl folgen musste, dass mir sagte mein Kind nie zurück zu lassen wenn es nicht bleiben möchte. Ich habe es zweimal gemacht, weil einem ja erklärt wird, dass es ganz normal sei und er sich schnell wieder beruhigt. Natürlich ist in unserer Kita meiner Meinung nach nichts extremes vorgefallen, nur etwas wenig Ansprache, positive Führung und Dinge wie schlafen oder sitzen bleiben müssen. Unser Sohn ist aber häufig mit sich selbst beschäftigt und braucht auch mal eine Zeit in der er einfach für sich selbst spielen darf, das gab die Einrichtung nicht her. In einem anderen Kindergarten würde uns erklärt, dass ihm die Windel schon abgewöhnt würde indem man ihn sich solange in die Hose machen lasse bis er sich davor ekele und wäre es erledigt. Sorry, aber nachdem ich wieder Luft bekommen habe sind wir langsam rückwärts rausgefunden. Es ist ein Spiessruteblauf. Einen wohl passendes Platz weiter weg haben wir uns angesehen und drücken nun die Daumen dort auch einen Platz zu bekommen. Wäre in unserer Kita aber so etwas extremes vorgefallen, wüsste ich ebenfalls nicht genau was ich machen sollte ausser den Behörden mal gehörig auf den Keks zu gehen mit allem was möglich ist.

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Mirjam Mettler

Liebe Daniela
Gott sei Dank hat dein Bauchgefühl dich gewarnt. Anscheinend passiert sowas doch häufiger, als einem lieb ist 🙁 wir werden nun wohl auch Anzeige erstatten, weil einfach nichts geht…

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Jenny

Liebe Mirjam,

was du da berichtest ist das grauen eines jeden Elternteils. Das kind was vermeintlich gut aufgehoben sein sollte wird gewuält und merh wie schlecht behandelt. Ich sehe,dass du angehende Psychologin bist und bitte lass deinem Kind therapeutisch helfen. Lass es von den schikanen berichten. Zeige die Einrichtung an und melde sie dem Jugendamt vor Ort. Zeig dem Jugendamt das Video. Damit die Kinder die dort hin gehen schnellstmöglich dort nicht mehr hin müssen. (In meinem Bundesland wurde schnellstens ein Heim geschlossen, weil man die Kinder zur Strafe in einen nicht fertigen Trakt bei Wasser und Brot frieren lies!) Hol dein eigenes Kind da raus. Nimm dir die andren Eltern mit ins Boot. Das ist Kindesmisshandlung was da passiert, Misshandlung von Schutzbefohlenen. Diese „Pädagogen“ (für mich als angehende Pädagogin sind das Menschen die unseren Beruf in den Dreck ziehen) sollten aus dem „Verkehr“ gezogen werden.
Sollte das Jugendamt oder die Polizei nicht reagieren, wende dich an die Presse und den zustänigen Dezernenten und oder an den Bürgermeister/ die Bürgermeisterin, damit reagiert wird. Schütze dein Kind und auch andere Kinder vor diesen Menschen. Lass dich nicht von diesem Ohmachtsgefühl überwältigen. Die Aussage eines Psychologen ist verwertbar. Vielleicht können noch andre Kinder befragt werden mit Erlaubnis der Eltern von speziell geschultem Personal. Wehrt euch.

Aller liebste Grüße und alles gute für euch und die Kinder

Jenny

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Mirjam Mettler

Vielen Dank für deine aktivierenden Worte. Wir werden nicht den Kopf in den Sand stecken!

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