Unplugged,

Noelia – schwanger vom falschen Mann

Ich war überglücklich, als ich erfuhr, dass mein Baby unterwegs ist. Doch leider war ich schwanger vom falschen Mann.

Ich lernte ihn in Peru kennen. Ich hatte zuvor 17 Jahre in der Schweiz gelebt und bin dort eher behütet aufgewachsen. Auch meine Freunde waren, wie ich, alle eher brav gewesen.

In Peru lernte ich dann das Leben von der anderen Seite her kennen.

Wir entschlossen uns damals die Schweiz zu verlassen, weil es meinen Vater, als gebürtigen Peruaner, zurück in seine Heimat zog. Ich habe mich auch sofort in Peru verliebt, denn die Menschen hier sind so offen, ungezwungen und unkompliziert.

Ich genoss die Freiheit, die ich in diesem Land fand. Nach und nach schlichen sich aber auch die ersten Probleme in mein Leben ein, denn irgendwann geriet ich an die falschen Freunde.

Einige von ihnen waren in einer Gang. Es wurden Drogen verkauft und auch selbst konsumiert.

Ich erinnere mich noch, als ich das erste Mal bei meinem Exfreund Zuhause war. Er und seine Freunde begannen zu kiffen. Obwohl ich mich damals sehr unwohl fühlte, war ich nicht vorsichtig genug: Ich verliebte mich in ihn.

Mir war schnell klar, dass diese Beziehung nicht von Dauer sein würde. Aber ich dachte nicht an Morgen oder an irgendwelche Konsequenzen.

Er war ein sehr temperamentvoller Mann und verlor häufig die Fassung. Er fluchte herum, beschimpfte mich als Hure. Solche Sachen.

Doch irgendwann wurde ich schwanger von ihm.

Ganz ehrlich? Als ich das erfuhr, war ich überglücklich. Ich sehnte mich so sehr danach meinem Baby all meine Liebe zu schenken. Doch ich wusste: Etwas in meinem Leben musste sich ändern.

Mir war klar, dass ich meinem Kind nicht zumuten konnte, mit so einem Vater aufzuwachsen. Doch ich lag wie in unsichtbaren Ketten.

Ich gestand ihm meine Schwangerschaft kurz nach einem heftigen Streit. Er sagte zu mir, er würde verschwinden, abhauen und nicht mehr wiederkommen. Vielleicht hatte ich Angst ihn zu verlieren, keine Ahnung. Ich sagte ihm, dass ich schwanger sei.
Daraufhin sagte er: «Ich komme nur zu dir zurück, wenn du sofort zu mir ziehst.»

Ich war dumm und schwach und sagte ja.

Als ich bei ihm wohnte, kontrollierte er mich in allem. Ich durfte nicht einmal aus dem Haus gehen, ohne es vorher mit ihm abzusprechen. Ich hatte auch keinen Hausschlüssel.

Er hackte meinen Facebook-Account und zerstörte mein Handy, da er nicht wollte, dass ich mit jemandem Kontakt aufnehmen konnte. Einzig den Kontakt mit meiner Mutter erlaubte er und besorgte mir extra dafür ein eigenes Handy.

Sie war der einzige Kontakt, der mir in dieser dunklen Phase meines Lebens einen Hoffnungsschimmer gab.

Sie glaubte an mich. An mich als ihre Tochter. Und an mich als zukünftige Mutter.

Immer wieder bestärkte sie mich und bat mich, zu ihr zu ziehen. Natürlich wollte ich dieses Müll-Leben hinter mir lassen. Doch ich glaube ich konnte den Mut nur aufbringen, weil ich es für meine Tochter schaffen wollte, mein ungeborenes Baby. Ich konnte nicht herumsitzen und darauf warten, dass etwas passiert. Ich wusste, dass es einen Schlussstrich brauchte.

Also zog ich zu meiner Mutter. Doch nicht alleine. Mein Freund kam mit mir.

Es war so schwer für mich. Ich wollte ihn noch nicht loslassen. Immerhin war und ist er auch der Vater meiner Tochter.

Als meine Tochter Tisha auf die Welt kam, war ich so glücklich, dass dieser ganze Müll endlos weit weg schien. Und ich wollte Tisha das allerschönste Leben bieten.

Doch so sehr ich mein Glück genoss, so sehr spürte ich auch, dass Tishas Vater nicht mehr in unserem Leben sein durfte. Ich konnte ihm nicht vertrauen. Seine Prinzipien lagen ganz woanders. Er dachte anders als ich und ich merkte, dass er meine Tochter ganz anders erziehen würde, als ich. Als meine Tochter sechs Monate alt war, nahm ich all meinen Mut zusammen.

Ich sagte ihm, dass ich die Trennung wollte.

Er zog aus.

Ich weiss, Tisha und ich, wir müssen mit den Konsequenzen leben, die ich zu verschulden habe. Denn meine Tochter wächst nun ohne Vater auf.

Dann die finanziellen Sorgen. Im Moment ist es das schwierigste an Geld zu kommen. Ich schlage mich als Künstlerin durch. Male Bilder, nähe Täschchen und versuche sie per Internet oder über Bekannte zu verkaufen.

Auch wenn es schwer ist: Ich mache das alles für Tisha.

Meine Tochter ist meine Leidenschaft.

Ich lerne so viel von ihr. Zum Beispiel die kleinen Dinge des Lebens zu geniessen. nola-1

Mich über Vögel, Schmetterlinge, Blumen, Stöcke oder Ameisen zu freuen. Mit Pfützen zu spielen, einfach mal schmutzig zu werden und viel zu lachen. Es kann sein, dass Sie mal den ganzen Tag am weinen und meckern ist, aber dann kommt sie und umarmt mich ganze zwei Minuten lang und alles macht wieder Sinn.

Was gestern war, bleibt im Gestern.

Ich bin so dankbar, dass ich das Leben mit ihr geniessen kann. Dass ich meine Probleme hinter mir lassen konnte.

Ich bin ehrlich: Ohne meine Mutter hätte ich das nicht geschafft. Aber ohne meine Tochter auch nicht. Ich habe beiden so viel zu verdanken.

Meine Liebe zu ihr hat mir so unendlich viel Kraft gegeben.

Wenn ich etwas gelernt habe, dann das:  Wie wichtig Mütter für dein Leben sein können. Meine eigene war und ist es für mich. Und ich möchte für meine eigene Tochter genauso da sein.

Es gibt keine andere Person auf dieser Welt, die meine Tochter so liebt wie ich, die so viel Geduld mit ihr hat, wie ich. Sie soll verstehen, dass ihre Mama sich Zeit für sie nimmt und für sie da ist, wenn etwas schief läuft.

Ich will so eine Mutter für sie sein, wie meine eigene es für mich ist.

Ich will keinen ersten Schritt, keinen ersten Schultag, kein erstes Date verpassen. Ich will ihr zeigen, wie dankbar ich bin, dass sie bei mir ist.

Meine Mutter hat genau diese Geduld und Liebe für mich. Sie hat mir einmal gesagt, dass sie ohne ihren Glauben an Gott wohl nicht genug Kraft gehabt hätte.

Und diese Kraft, die sie für mich aufbringen konnte, ist unbeschreiblich.

Ich denke es war auch wichtig, dass ich aus meinen Fehlern lernen konnte. Ich würde es heute anders machen, aber ich bin dankbar für alles Gute, was daraus entstanden ist. Ich weiss heute, wie wichtig es ist, dass man sich als Frau einen guten Mann aussucht. Ich hoffe, meine Erfahrungen werden Tisha dabei helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

 

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Autor

Mirjam ist Mutter von zwei wunderbaren und unvollkommenen Kindern, studierte Psychologin und arbeitet im Herzen des Emmentals als Hausfrau und freischaffende Journalistin.

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