Sammelspass

Meinen allerersten Sammelspass hatte ich in der dritten Klasse – als mitleidige Mitschüler mir Sammelbilder schenkten. Ich war als Älteste einer wohlbehüteten Familie total unbedarft («Panini? Kann man das essen?») und verstand nicht wirklich, was ich mit den Klebern anfangen sollte.

Acht Jahre später – da waren auch meine jüngeren Brüder in der Gesellschaft angekommen – packte uns das Sammelspass-Fieber. Leidenschaftlich füllten wir unser erstes Panini-Album.

Während meine Brüder bis heute sammeln, habe ich an der WM 1998 damit aufgehört. Gekonnt ignorierte ich seither alles, was man irgendwo aufkleben oder anhäufen konnte. So auch alle Migromanien und Coopkleber, die ich zwar einsteckte und die sich nach Wochen im Portemonnaie verselbstständigten – bis hin zur Verklebung der Kreditkarte.

Seit mein Kind etwas grösser ist, wird es besammelt von den Grosseltern. «Habt ihr auch diese Disney-Kleber?», lautete die Fangfrage. Und, die Antwort gar nicht abwartend: «Wir bringen euch unsere Packen mit!» Sammelspass hurra!

Zum ersten Mal also sammle ich also offiziell wieder Kleber für ein Kleberalbum. Wie das so geht?

Ich setze mich mit totalst begeistertem Kleinkind an den Tisch. Suche im Sammelalbum nach der Nummer des Klebers, drücke ihn vorsichtig an, grad so, dass das Kind ihn noch fertig festkleben kann und das Gefühl hat, nicht ich, sondern es sei dabei die ausführende Kraft.

Irgendwann – so nach fünf Minuten – neigt sich auch die spassigste Spasskurve wieder abwärts. Das Kind will was anderes spielen.

Umgekehrtproportional zur Einklebmotivation wächst der Kleberstapel seither in ungeahnte Höhen.

Kürzlich, da habe ich mich über die Mittagspause drangesetzt, das Album ohne Kleinkind dafür effizient zu bebildern. Nach einer Viertelstunde und fünf eingeklebten Bildchen musste ich den Versuch wegen der miserablen Einklebquote abbrechen.

Mir bleiben zwei Optionen, um das Album doch noch fertig zu kriegen. Entweder, ich werde gemeinsam mit dem Göttergatten einen romantischen Sammelalbum-Einkleb-Abend verbringen. Oder ich bringe die Kinder samt Stapel zu den Grosseltern. Und lasse mich da erst wieder blicken, wenn das Album fertig ist.

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern. Mehr zur Journalistin: autor.in

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