Ich werde Vater!

Wenn man als Mann beim Frauenarzt ist, geschieht dies nicht ohne Grund. Und den hatte ich: Ich werde Vater.

Als moderner und aufgeschlossener Ehemann will ich am Schwangerschaftsprozess teilhaben – und mitreden können.

Das entsprechende Stammtischvokabular erlernt man nirgends besser als beim Frauenarzt selbst. Weshalb ich meine Frau gleich beim ersten Termin begleite.

Die Praxis liegt an bester Lage im Zentrum der Stadt in einem Dachgeschoss. Wir klingeln und treten ein. Die Praxisassistentin vom Empfangsbüro schaut kurz vom PC-Bildschirm auf. «Guten Tag. Es dauert noch. Geben Sie bitte Ihre Urinprobe ab und nehmen Sie im Wartezimmer Platz.» Ok, bis jetzt noch alles im bekannten Rahmen. Ich atme durch.

Im Wartezimmer sitzen bereits zwei Frauen, die beide (soweit ich das beurteilen kann) nicht schwanger und wohl aus anderen Gründen hier sind. Ich bin der einzige Mann im Raum und spüre eine gewisse Bekommenheit bei allen Anwesenden. In solchen Fällen tut man, was Mann in solchen Fällen immer tut:

Mann nimmt das Smart Phone hervor und schaut ganz ernst in den kleinen Bildschirm.

Doch weil die Wartezeit sich hinzieht, ist die Smart Phone Taktik irgendwann ausgereizt. Deshalb lese ich jetzt einen Artikel (physisch) in der Glückspost – eine weitere Premiere für mich.

Dann die Erlösung. In Form einer dynamischen Frau um die Vierzig. Das muss die Frauenärztin sein. In Birkenstock wohlverstanden. Meine Frau und sie begrüssen sich so jovial, als wären sie alte Bekannte. Ein weiteres Anzeichen, dass ich hier in einem Insiderclub gelandet bin. Wir gehen ins Cabinet.

Hier hat es keine Fenster, dafür den Stuhl, den ich aus dem Fernseher kenne.

Und sonst noch ein Haufen Apparate. Ich bin beeindruckt. Fühle mich ein bisschen beengt. Aber mache mir Mut. Hier geht es um mein Kind. Was soll es nur denken, wenn der Vater noch vor dem ersten offiziellen Aufeinandertreffen mittels Ultraschall den Schwanz einzieht?

Die Voruntersuchung geht so schnell vonstatten, ich kann mich kaum auf das kleine Stühlchen setzen, das für Begleitpersonen in der Ecke bereit steht.

«Wie geht’s?», fragt die Gynäkologin meine Frau und im selben Atemzug «12 plus 2».
Vierzehn, denke ich.

Doch damit liege ich falsch, denn es scheint sich um was anderes als um eine simple Addition zu handeln und mir wird einmal mehr bewusst, dass ich hier in die tiefsten Gefilde des Frauseins eintauchen darf. Eine Welt, die uns Männern in der Regel verschlossen bleibt. Und wie so häufig, wenn Frauen sich unterhalten, verstehe ich als Mann leider nur die Worte, nicht aber den Sinn der Sätze.

Es geht weiter mit dem Labor. Ferritin, Hämoglobin, Trimester, Folsäure. Ich hangle mich den Bindewörtern entlang. «Gravidität, CTG, Anti-D-Prophylaxe». Fachchinesisch auf Champions League Niveau.

Woher weiss meine Frau das alles? Ist es nur ein Bluff?

Wir kommen zum Highlight des Anlasses: Dem Ultraschallbild.

Während sich meine Frau auf dem besagten TV-Stuhl hinlegt, schaltet die Ärztin den Bildschirm an – einen kleinen Extra-Screen für mich. Verbindet Bauch mit Bildschirm und führt uns bis in die Innereien unseres ungeborenen Kindes.

Ich nicke konzentriert, während ich auf den Bildschirm starre, auf dem sich weisse und schwarze Flecken abwechseln und verschieben. Die Frauenärztin erklärt alles. Zweimal. Bis heute glaubt mir meine Frau nicht, dass ich bereits beim ersten Erklärungsversuch begriffen hatte, wo was ist. Jänu.

Dann ist der Untersuch zu Ende. Noch einen Blick auf die Wachstumskurve und die statistische Normalverteilung von Kopfumfängen bei Ungeborenen. Dann erheben sich die beiden BFF gleichzeitig und gehen zur Türe. «Es ist wohl fertig», denke ich, und gehe ebenfalls.

Die Praxisassistentin schlägt drei Daten für den nächsten Termin vor, blickt zu mir und fragt: «Brauchen Sie einen vierten Vorschlag?» Und ich frage mich selbst: Bin ich das nächste Mal wieder dabei? Für das Stammtischvokabular wäre es auf jeden Fall sehr hilfreich.

 

Bild: www.fotovilla.ch

Drei Kinder hat er. Einen 100% Job. Und eine Hausfrau zuhause, die ihm den Laden schmeisst. Doch das tönt gemütlicher als es ist. Denn Papa C. ist engagierter Vollzeit-Vater. Und wenn er mal in Ruhe denn Müll raustragen kann, läuft das bereits unter Freizeit.

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