Fat Dad

Sie liegt im Badezimmer auf dem Boden neben dem Lavabo. Schwarz, etwas verstaubt, aber grad just mit den Bodenplatten aliniert. Und gefühlt fies sagt sie zu mir:

«Du fettä Siech.»

Die Geschichten, sie geistern in der Männerwelt umher. «Wenn du mal Papa bist», hört man. Ich ignorierte sie. Tat sie als unwahr ab. In etwa so, wie man Geistergeschichten leicht belustigt zur Kenntnis nimmt und dann verdrängt. Geister? Gibt’s nicht! Babybauch bei Männern? Genauso wenig.

Doch so läuft das nicht.

Auf dem Papa-Planet gelten neue, physikalische Gesetze und die kann man nicht einfach ignorieren. Zumindest ab einem gewissen Bauchumfang nicht mehr. Das schwarze Ding, das ist die Waage. Ein Gerät, welches Männern meiner Generation eher fremd ist. Obwohl auch ich natürlich weiss, in welcher Kilogramm-Lage sich mein Idealgewicht befindet.

Die Stunde der Wahrheit. Eines Abends beim Zähneputzen ziehe ich mit dem Zeh das Ding hervor, halte ein paar Sekunden inne und wage den Schritt auf die Waage. Ich kneife die Augen zu, öffne sie und blicke nach unten: +15% Gewicht auf dem neuen Planeten!

Scheisse. Die Geistergeschichte. Sie ist wahr.

Ja, einige hatten mir davon erzählt und gelesen hatte ich es auch hier und da. Als Papa in der Kleinkinderphase würde man an Gewicht zulegen. Keine Zeit mehr für Sport, mehr Stress, ungesundes Essen. Scheint bei mir mit drei Kindern genauso eingetreten zu sein.

Nun weiss ich nicht, was mich mehr stresst: Die Tatsache, dass ich ein Ränzli wie Beat Feuz habe oder dass auch ich diesem Phänomen erlegen bin, obwohl ich es immer für Habakuk hielt. Der Bidu (Beat Feuz) gewinnt wenigstens Medaillen mit seinem Wohlstandgewölbe. Die einzigen Medaillen, die ich abkriege, sind die, die mir meine Kinder basteln. Und auch die nur leihweise.

Way out?

«Selbsteinsicht ist der erste Schritt zur Besserung», sagt meine Frau. Immerhin. Hinter diesen Punkt kann ich nun ein Häkchen setzen. Ein Anfang. Der Stress und die knappe Zeit sind damit aber noch nicht vom Tisch. Ebenso wenig die Chipsreste, die sich während des Schreibens dieses Textes wie von Geisterhand rund um meinen Arbeitsplatz verteilt haben.

Drei Kinder hat er. Einen 100% Job. Und eine Hausfrau zuhause, die ihm den Laden schmeisst. Doch das tönt gemütlicher als es ist. Denn Papa C. ist engagierter Vollzeit-Vater. Und wenn er mal in Ruhe denn Müll raustragen kann, läuft das bereits unter Freizeit.

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