Oma unter Spannung

Ich bin schon ganz kribbelig. Wenn das Telefon klingelt oder das Handy summt, dann werde ich krass nervös. Ist es endlich soweit?

Die Spannung wächst mit dem Bauch. In wenigen Tagen werde ich wieder Oma. Ich habe zwar schon ein allerliebstes schulreifes Enkelkind, das mein Sohn letztes Jahr fertig gebacken in seine Ehe hinein gekriegt hat. Somit wurde ich über Nacht Oma. Aber jetzt folgt ein frischgeborenes Enkelkind.

Ich werde also Oma. Nicht irgendeine Oma anscheinend. Sondern eine ganz besondere.

Denn mein Gatte sagt dauernd: «Boah, bald wirst du Oma! Boah!»
Und das mit einem Unterton, der nichts Gutes verheisst.

Ob es ihn angurkt, dass er in Kürze mit einer zweifachen Grossmutter zusammenleben muss?

Oder ob der denkt, dass ich dem Job nicht gewachsen sein werde?

Befürchtet er vielleicht, dass ich mit der Zeit so eine ganz verrückte Oma abgeben werde? Eine, die mit den Enkeln herumturnt, auf dem Boden herumkriecht und Verstecken spielt? Ja, warum denn nicht?

Meine Schwiegermama war auch so eine Oma. Die ging mit dem Enkel, dessen Frau und ihren vier Kindern in Urlaub. Dort hütete sie dann die Urenkel, kroch mit ihnen zum Spielen unter den Tisch, während der Enkel mit der Gattin Ski fahren gehen durfte, und alle hatten sie ihr Gaudi.

Zum Glück ist mir eingefallen, dass auch mein Gatte wieder Opa wird.

Ich werde mit einem zweifachen Opa zusammenleben müssen. Boah!

Ich zähle die Stunden, tätschle ab und zu den zarten, runden Bauch, wenn ich darf. Dann spreche ich schon mal durch die schöne Bauchdecke hindurch mit meinem Enkelkind, damit es dann nicht erschrickt, wenn es meine Stimme zum ersten Mal live hören wird.

Dann sage ich: «Na, Fritzchen, was machst du so?»

Ich tippe nämlich auf einen Jungen.

Dann aber antwortet man mir: «Die Susi turnt gerade rum!»

Alles ist vorbereitet. Ich werde mich um die bereits die Schule besuchende Enkelin und den jungen Vater kümmern, wenn die Mama im Krankenhaus sein wird.

Ich habe die eingelagerten Babysachen aktiviert – die Nabelbinden, Stoffwindeln und Kratzhandschühchen. Und all die handgestrickten, herzigen Pullover hervorgeholt, die man mir damals zur Geburt meiner Kinder schenkte. Dann bin ich kurz in Wehmut versunken. Aber nur kurz.

Das Leben währt zu wenig lang, um der Vergangenheit nachzutrauern.

Da sind also Vorfreude und Spannung, ungeduldige Erwartung, und die Hoffnung, dass alles gut gehen wird.

Die Familie wird grösser, es gibt zusätzliche Verwandtengrade. Meine anderen Kinder werden Onkel und Tante, meine Enkelin Schwester, meine Mutter stolze Urgrossmutter, die Geschwister meines Mannes und mir werden zu Grossonkeln und Grosstanten, ihre Kinder zu Basen und Vettern zweiten Grades.

Ich finde es schön. Familie finde ich je älter ich werde, um so netter.

Wenn man jung ist, dann hat man nicht so Bock auf die Verwandtschaft. Das kann sich aber wieder ändern. Man kommt sich wieder näher, denn man hat mehr Zeit.

So werde ich fast täglich gefragt, ob das Baby noch nicht da ist. Der Neffe, der Schwager, der Bruder und die Schwägerin in Kanada, meine Mutter, alle sind in Erwartung des neuen Familienmitgliedes, das da kommen soll!

Also Baby, mach vorwärts!

Wir sind bereit und erwarten dich!

Yeeeaaah!

 

 

 

 

Redaktionsassistentin, Autorin, Mutter von drei erwachsenen Kindern und Stiefoma einer Schulkind-Prinzessin. Schamgefühle sind nach so einer Mutter-Karriere wie der ihren kein grosses Thema mehr. Sie hat nicht immer Recht. Aber sie liegt selten falsch.

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