Papa mal «unplugged»

Nun schob Papa also das erste Mal den Kinderwagen.

Der Sohn – gerade mal drei Tage alt.
Da fand Papa, Schieben sei langweilig und schubste den Kinderwagen die Strasse entlang.

Ein Wunder, dass ich mich daran überhaupt erinnere. Den frei rollenden Kinderwagen zu sehen, war der wohl erste und damit fatalste Schock-Moment meiner Mutter-Karriere. Aber sicher war er nicht der letzte.

So war dieser besagte Vater also das erste Mal mit dem Sohn über Nacht allein. Die Schwester frisch auf der Welt. Die Mama im Spital. Da ernährte sich der Sohn 48 Stunden von Chips, Cervelat und – oh Graus – unverdünntem Orangensaft.

Aber Väter sind wohl so.

Nicht alle. Schon klar.
Da gibt es ja auch die Sensibelchen unter den Papis, die es nicht einmal wagen den Nachwuchs zu wickeln. Sie könnten ihn ja mit ihren rauen Händen zerbrechen. Oder so.

Der Papa meiner Kinder hat auch so seine Ausreden für den Windel-Job. Aber ein Sensibelchen ist er ganz und gar nicht.

Unsere Kinder werden durch Lüfte gewirbelt. Mit in die Wildnis geschleppt. Müssen dort Feuer machen. Ernähren sich von Fleisch, weil Papa das Gemüse „vergessen“ hat. Auf Autofahrten übernehmen sie das Steuerrad. Müssen steile Hänge wandern. Damit Papa sich bei Abstürzen als Held erweisen kann.

Nach mehr als drei Jahren Erfahrung, habe ich gelernt:
Bevor ich den Herztod erleide, halte ich mich aus dem harten Papa-Business heraus. Nicht nur meiner eigenen Gesundheit zu Liebe.

Sondern auch weil meine lebensmüden Kinder total auf Papas Irrsinn abfahren.

Ich befürchte, so muss das sein.

Und – irgendwie – ist es ja auch – ganz ein bisschen – gut so. Vermutlich.

Mirjam ist Mitgründerin von Mamas Unplugged und seit Herbst 2017 mit ihrer Familie auf Weltreise unterwegs. Mit Fahrrad, Zelt und Hund. Wer aktuelle Blogs von ihr lesen will, findet die auf www.familiemettler.ch

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