Vom Mutterglück

Gerade eben war ich noch glücklich. So richtig. «Was habe ich für tolle Kinder», dachte ich. Und: «Mein Leben ist TOLL!» Obwohl ich vorwiegend Putze, Wäsche und Ärsche wasche, einkaufe und koche.

Dann begann Kind zwei zu weinen. Nicht fest. Nur so ein bisschen. Aber konstant. Ein Nebengeräusch, wie Kratzer auf Schallplatten. Plötzlich realisiert man, dass der Sound nicht mehr top ist. Hat man das erst gecheckt, nervt das unheimlich.

Unterschied zum Plattenspieler: Kind lässt sich nicht einfach ruhig stellen.

Also verwandelte ich mich erst in Clown, dann in Mitleidsmama, dann in «Jetzt ist aber mal Schluss mit Jammern»-Domina. Ich versuchte es mit Bestechung durch Reiscracker, mit Schnuller, mit Schlafzwang. Das Jammern setzte innert Kürze wieder ein. Wohl auch, weil Kind eins motiviert und sehr erfolgreich dafür sorgte, dass die Stimmung von Kind zwei konstant negativ blieb.

Mein Tagesablauf kam in Verzug. Jetzt, wo nichts dringender war, als Essen in Kindermünder reinzustopfen, lag das Essen ungekocht neben den Pfannen. Inzwischen plärrte Kind zwei lauthals und Kind eins war seinerseits ins Jammerstadium übergetreten. Nicht, ohne Kind zwei weiterhin zu drangsalieren. Dazwischen war ich, rannte wie blöd von einer Krisensituation zur nächsten und scheiterte in jeder einzelnen kläglich.

Was vorher eine Zehn auf der Glücklichkeitsskala war, entwickelte sich rasant zu einer Zehn auf der JETZTSEID-GOPF-EINFACHRUHIG-IHRNERVIGENKINDER-ICHSCHREIJETZTDANNGRADLAUT-FÜDLÄ-AUSDEMFENSTER-UNDZWARSOLAUT-DASSDERPAPAESHÖRT-INSEINEMCHILLIGENBÜRO-UND-WEHE!!!-IHRMACHTNOCHEINEN-PIEPS-DANN-R.A.S.T.E.-ICH-AUS-Skala.

Es regierte der pure Überlebenskampf. Natürlich behielt ich die Zehn auf der Negativ-Skala schön für mich. Nichts zwingt einen mehr zur Deeskalation, als die einzige erwachsene Person im Raum zu sein.

Dann plötzlich: Ruhe!

The Storm is over.

Die Kinder assen. Mein Krisenmanagement beschränkte sich aufs Vermeiden einer grösseren Sauerei. Und mit der Ruhe kam auch das Glück zurück. Nicht mehr eine Zehn. Aber – so habe ich in den neun Monaten Zwei-Kinder-Haushalt gelernt: Das Glück einer Fast-Vollzeitmutter ist wie die Luft zum Atmen. Immer da. Nicht zwangsläufig wohlriechend. Aber zum Überleben reicht’s immer.

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern. Mehr zur Journalistin: autor.in

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