Mutter im Bikini

Mutter im Bikini. Und mit Tochter in der Kleiderkabine.

Bade-Ausrüstung für den Sommerurlaub muss her. Das war er.Dieser farbenfrohe, supergünstige Bikini, die Teile untereinander je nach Figur kombinierbar. Perfekt. Der Lieblingsmensch meinte nämlich: Wer in DEM Alter nach mehreren Schwangerschaften noch in eine 36 passt, darf Bikini tragen. Egal, welche Spuren das Leben hinterlassen hat.

An einem fremden Strand konnte einem das ja egal sein, nicht wie ein Model auszusehen. Man überlegt: Wo einen keiner kannte, könnte man dem Partner doch diesen Gefallen eigentlich tun. Schliesslich soll man etwas in die Beziehung investieren, damit sie interessant bleibt. Sieben Franken fünfzig waren sicher besser als gar nichts.

Gerade als man in die winzigen Teile schlüpfen wollte, ein furchtbarer Schrei: „Mama, DAS kannst du mir NICHT antun!“

Die Mutter im Bikini! Diese entsetzten Blicke! Man vergisst sie nie mehr. So etwas trifft Mütter tief, bis ins Innerste. Etwas zerbarst ganz weit innen. Kleinlaut, beschämt und erschüttert gingen die Teile zurück. Wieso hatte man vergessen, wie alt man inzwischen geworden war? Nur weil man ein paar bunte Urlaubsprospekte durchgeblättert hatte? Pfui!

Der Nachwuchs, der im Sinn hatte, seinen Urlaub mit Freundinnen anderswo als mit der Mutter im Bikini zu verbringen, atmete auf.

Ich habe den Bikini dann später im Alleingang erstanden. Kinder müssen nicht immer alles wissen. Mütter sind nämlich auch nur Menschen.

Redaktionsassistentin, Autorin, Mutter von drei erwachsenen Kindern und Stiefoma einer Schulkind-Prinzessin. Schamgefühle sind nach so einer Mutter-Karriere wie der ihren kein grosses Thema mehr. Sie hat nicht immer Recht. Aber sie liegt selten falsch.

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