Mittendrin statt nur dabei

Drei Tage nach seiner Geburt wurde Kind 3 (K3) dem Rest der Familie vorgestellt. Konkret seinen beiden älteren Geschwistern. Deren Freude war gross darüber, dass das Baby nun endlich plastisch im Bettchen lag, und sich nicht wie zuvor etwas irritierend in Mamas überdimensioniertem Bauch versteckte.

Ebendieser Bauch aber fehlte dem Baby jetzt, wo der gemächliche Krankenhausgroove dem Familientrubel wich. Denn wo zuvor Haut, Fettschichten und Fruchtwasser die Babyohren gnädig abschirmten, prallten nun an die 100 Dezibel ungefiltert in deren Gehörgänge.

«Es ist sich das bereits gewohnt», sagte ich mir. Und selbiges sagte mir auch die Hebamme. «So ist das halt mit den Dritten», sagte sie auch noch.

Das arme Dritte.

Während ich beim ersten Kind noch sorgsam darauf bedacht war, den Lärmpegel möglichst tief zu halten, es Menschenmengen nur in begrenzten Zeitfenstern auszusetzen und sofort das Tragetuch auspackte, falls es mal etwas zu turbulent zu und her ging. Während Kind 1 also im Schongang gross wurde, erlebt Kind 3 das volle Programm inkl. erhöhter Schleuderzahl.

Bisher hat das Baby sich als äusserst robust herausgestellt.

In stoischer Ruhe erträgt es nicht nur Geheul, Gekreische und Geschrei. Auch geschwisterliche Liebesbekundungen aller Art und Unart quittiert es mit grenzenloser Geduld. Es scheint so, als wäre es zum «drittes Kind sein» geboren.

Doch auch ein drittes Kind läuft ’nicht einfach so mal mit‘. Wer alles mitmachen muss, darf auch gewisse Ansprüche anbringen. Und für alle Folgekinder ist klar: Sie wollen an vorderster Front mit dabei sein.

Für einmal war der Papa (ein Folgekind) im Vorausdenken sogar schneller als die Gluckermutter (Erstlingskind). Bereits im Spital – kaum hatte das dritte Kind seinen ersten Schrei getan – zeigte sich des Göttergatten praktische Veranlagung und er stellte echt erschrocken fest, dass wir für das Neugeborene noch keinen Tripp Trapp am Tisch stehen hatten.

Wer jetzt denkt, ein Tripp Trapp für Neugeborene sei ein bisschen übereifrig vom Herrn Papa, unterschätzt das Bedürfnis von Nicht-Erstgeborenen, ihre Geschwistern auf Augenhöhe zu begegnen. Denn bereits Kind 2 hat in jüngstem Alter aktiv protestiert, wenn es während unseren Mahlzeiten in die auf dem Boden stehende Babywippe verfrachtet wurde. Dieses Drama sollte sich nicht wiederholen.

Drei Tage nach des Babys Einzug zog auch das neue Tripp Trapp ein. Immerhin hier hat das dritte Kind den beiden ersten etwas voraus: Eine schicke, brandneue Farbe und einen eingravierten Namenszug.

Ein einzigartiges Stück für das zwar nicht einzige, aber hoffentlich artige und unbedingt einzigartige K3.

 

Und so kommt es, dass das K3 auf seinem nigelnagelneuen Thron sitzt – besser: liegt. Newborn-Schale sei Dank. Ab und zu eines seiner Augen öffnet. Oder auch beide und uns beim Essen schielend fixiert. Der Lärmpegel auf dieser Höhe ist zuweilen unertäglich – zumindest für mich. Doch K3 zeigt keine Reaktion. Nicht auf des Bruders begeisterte Erzählungen im höheren Dezibelbereich. Noch auf des Schwesters Brüllen, wenn was nicht so läuft, wie von ihr gewollt.

Stoisch erträgt es seine Familie. In den Mundwinkeln Anzeichen eines Engelslächeln. Während seine beiden Geschwister lautstark streiten, wer jetzt neben seinem moosgrünen Thron sitzen darf und ihn in Abwesenheit der Mutter darin rund um den Tisch zerren.

 

 

K3: Dieser Blick, diese Attitude.

 

Mittendrin statt nur dabei. K3 hat in seiner «Nussschale» die perfekte Höhe, um umfassend am Tischgeschehen teilzunehmen

K3’s Platz ist nicht der des Querulanten – und glaubt mir, er könnte durchaus mit den beiden andern mithalten, was die Lautstärke betrifft. Aber das hat er nicht nötig. Denn solange seine Untertan um ihn herumwedeln, ihm beim kleinsten Pieps den Schnuller bringen oder nicht-altersgerechtes Spielzeug. Solange sie sich um ihn streiten und seine Hofnarren sind. Solange wäre alles andere schlicht verschwendete Energie.

 

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Stokke, deren Tripp Trapp wir heiss und innig lieben und zwar nicht, weil wir dafür bezahlt würden, sondern um ihrer selbst Willen. Im Namen von K3: Merci Stokke für diesen fabelhaften Thron.

 

Dieser Blogbeitrag wurde erstmals publiziert auf moidame.ch

Hat nicht nur den Master in Psychologie. Sondern ist auch Master im Desaster, was ihr als Aufsichtsperson eines Vier-, einer Zweijährigen und eines Babys sehr gelegen kommt. War mal Journalistin in Zürich, jetzt ist sie freischaffende Mutter in Bern. Mehr zur Journalistin: autor.in

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