Mirjam

Mirjam

Mirjam

In meinen rebellischen Teenager-Jahren, war mein Entschluss in Stein gemeisselt:

Ich werde niemals Hausfrau und Mutter werden!

Die Vorstellung non-stopp mit Wäsche, Geschirr und Bügeln beschäftigt zu sein, während rücksichtslose Kinder feuchten Dreck auf meine Freizeit schmieren, war mir zuwider.

Ich dachte daran sowas wie einen Reise- oder Selbstfindungs-Blog zu schreiben, während ich durch Indien tigere und mich am salzigen Geschmack der Luft orientiere. Barfuss an Sandstränden. Und Wellen spülen die letzte Reue weg, dass Kinder vielleicht doch ganz nett gewesen wären.

Jetzt bin ich Mutter. Laufe barfuss über Legosteine. Und schreibe für ein Mama-Magazin.

In your face, Teenage-Me.

Hätte ich damals gewusst, dass ich exakt so enden würde – als Hausfrau und Mutter – ich hätte wohl einiges anders gemacht. Ich hätte mich niemals in die kleine Schweiz verirrt, um einen grossen Schweizer zu heiraten. Der mir grosse Bäuche und zwei kleine Kinder bescherte.

Doch es kommt immer anders als man denkt.

Nicht nur, weil meine Luft nicht nach Salz, sondern nach Windelinhalten riecht. Sondern auch, weil mein Sohn mit einem Gendefekt geboren wurde. Vier Jahre alt ist er jetzt und kann laufen, sprechen, hüpfen und die Krönung: Er trägt mir das Geschirr in die Küche.

Aber er hat einen geschwollenen Zeigefinger, weil er sich oft selbst beisst. Seine Emotionen kann er nur schwer kontrollieren und es ist selten eine gute Idee ihn ohne Windel anzuziehen.
Dass mein Sohn krank ist, ändert bei uns ansonsten nicht viel. Abgesehen davon, dass wir eines gelernt haben:

Das Leben macht mehr Spass, wenn man es lernt mit seinen Makeln zu lieben.

Meine zweijährige Tochter liebt neben Makeln vor allem: Taschen und Schuhe.

Hier nun bitte gedanklich eine dramatische Pause einfügen.

Nein! Sie hat es nicht von mir! Wirklich nicht.
Ich habe – echt wahr – zwei Handtaschen. That’s it.
Wirklich von mir getragene Schuhe, lassen sich ebenfalls an einer Hand abzählen.

Sie wurde mit dem gleichen Gendefekt geboren. Also, ich meine jetzt nicht den weiblichen Gendefekt, der die Leidenschaft für Taschen und Schuhe zur Folge hat.
Sie hat die gleiche Krankheit, wie ihr Bruder. Die bei Mädchen allerdings weniger stark ausgeprägt ist – und bei unserer Tochter praktisch gar nicht. Und sollte sie einmal schlecht in Mathe sein, haben wir wenigstens eine entschuldbare Ursache.

Ob nun der indische Ozean oder ein Meer aus Spielzeugen: Ich schätze, ich wäre nicht glücklich mit einem 0815 Leben. Und 0815 Kindern. Immerhin habe ich schon ein 0815 Haus und einen 0815 Garten. Und wohne im tiefen Emmental, wo Fuchs und Hase sich noch gut Nacht sagen.

Als leicht krankhafte Perfektionistin tun sie mir gut: Alle Defekte, Ecken und Kanten.

Weshalb ich es liebe den Geschichten anderer Mamas zuzuhören. Geschichten, die echt sind und mir – uns – die Wahrheit über das Leben erzählen.
Geschichten, an die ich mich erinnern will, wenn ich mit Wischer in der Hand durch das Haus renne. Während ich in einem Zimmer alles blitzblank putze und im anderen der nächste Shitstorm wütet.

Ich will in meinem Leben über kleine Wunder staunen, die man nur im Unvollkommenen findet.

Im Scheitern und im grössten Dreck.

 




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