Mir ist langweilig

Tatsächlich. Müttern kann es langweilig werden.

Und mir ist langweilig. Kaum zu glauben, aber der Tag kommt. Als das Mamaleben begann, konnte ich mir das überhaupt nicht vorstellen. Wo vorher unzählige Dramen an der Tagesordnung waren, herrscht jetzt aber ungewohnte Ruhe. Es passiert nichts mehr. So ätzend die anstrengenden Jahre oft waren, so irritierend nun manchmal das Fehlen von ungeplanten Vorkommnissen, die für Action, Kummer, Fröhlichkeit oder Aufregung sorgten.

Aber – plötzlich ist es soweit. Schneller als man denkt. Vorausschauend sind zwanzig Jahre eine Ewigkeit. Rückblickend ein Klacks.

Da sind keine Wäscheberge mehr. Keine vollen Windeln. Keine schmollenden Teenager, die mir den Tag versauen. Man geniesst es zwar, dass man mehr Erholung hat, aber der Stress war im Nachhinein betrachtet halt auch irgendwie schön.

Jetzt kocht man immer zu viel und lebt dann tagelang vom Aufgewärmten. Oder aber man kocht gar nicht mehr, weil man vor lauter Kochen völlig ausgekocht ist.

Nun hat man Zeit. Zeit, um sich unnütze Sorgen zu machen. Über die Kinder, die nicht mehr daheim sind. Kommen sie gesund vom Skiurlaub heim? Werden sie die Zweitausbildung schaffen? Werden sie den Einsatz in Nordamerika gut überstehen? Wird die bevorstehende Hochzeit glatt über die Bühne gehen?

Man ertappt sich beim Sorgen und schämt sich. Denn Sorgen sind für die Katz. Es ist bewiesen, dass sie meistens unbegründet und reine Energieverschwendung sind.

Was also mache ich nun mit der neu gewonnen Zeit, wenn ich mir keine Sorgen machen soll? Party? Ramba-Zamba?

Oder es euch hiermit alle wissen lassen: Mir ist langweilig? Damit andere „Ex-Mütter“ in der gleichen Lage etwas zum Lesen und Schmunzeln haben? Und damit sie vielleicht auf die Idee kommen, mal auf einen Kaffee bei mir vorbei zu schauen?

Weil auch bei ihnen grad nichts passiert und tote Hose herrscht…

Redaktionsassistentin, Autorin, Mutter von drei erwachsenen Kindern und Stiefoma einer Schulkind-Prinzessin. Schamgefühle sind nach so einer Mutter-Karriere wie der ihren kein grosses Thema mehr. Sie hat nicht immer Recht. Aber sie liegt selten falsch.

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