MamaMomente,

Der Mamafilm

Was ist das? Es ist emotional. Es ist kompliziert. Es hat Brüste.

Genau.

Und. Was ist die Steigerungsform davon? Was ist noch emotionaler? Noch komplizierter? Und hat meist noch grössere Brüste?

Genau. Eine Mutter.

Eine Frau. Die mag plötzlich in Tränen ausbrechen, bloss weil es zu regnen beginnt und Ryan Reynolds nach 7 Jahren endlich seine Jugendliebe knutscht.
Aber eine Mutter heult Rotz und Wasser, bloss weil bei Dr House ein Baby stirbt, das gerade mal zwei Sekunden Sendezeit hatte.

Frauen reagieren gerne mal emotional. Aber nur eine Mutter schlingt sich hysterisch die Arme um ihren Kopf und singt mit zugekniffenen Augen laut vor sich her, wenn in den Nachrichten schaurige Meldungen auftauchen, in denen das Wort „Kind“ fällt.

Kriegt man Frauen schon kaum zu fassen, so ist es jenseits aller Logik, was sich in einer Mutter abspielt, wenn es um ihre Kinder geht.
Man nennt es den Mamafilm.
Oder. Okay. Ich nenne es so.

Das Kopfkino.
Wenn das Auto um die Ecke biegt und man – voll im Film – den Sohn beiseite zerrt.
Wenn sich das Plätschern eines Bachs plötzlich anhört, wie das Fletschen eines gierigen Monsters.
Wie einem plötzlich das Herz sticht, wenn man einem Pippi Langstrumpf Hörspiel lauscht, weil man sich den Schmerz ausmalt, sein Kind als Waise zurückzulassen.

Und dabei spielt es keine Rolle, ob es ein fremdes oder gar imaginäres Kind ist. Das weit, weit weg auf irgendeiner Takatuka Insel lebt.

Wenn man die Unschuld und Zerbrechlichkeit seiner am meist geliebten Wesen, plötzlich mit einer harten und rauen Realität kollidieren fühlt.
Dann läuft der Mamafilm.

Es gibt keine Pause-Taste. Keinen Stumm-Knopf. Keine Werbung.
In immer schlummernder Funktion, wartet er nur darauf unseren Kopf mit Horror-Szenen zu füttern. Und dann droht unser Herz wie Popcorn zu zerspringen.

Wieso hat uns niemand davor gewarnt, dass uns dieses Kopfkino heimsuchen würde, wenn wir Kinder in die Welt setzen?
Oder. Ja gut. Vielleicht wurden wir gewarnt.

Aber genauso wie Männer sich trotz aller Warnungen immer wieder auf Frauen einlassen. Lassen Frauen sich trotz aller Warnungen immer wieder darauf ein, Kinder in diese gefährliche Welt zu setzen.

Aber das muss wohl so sein. Denn ohne solchen Männer keine Kinder.
Und ohne solche Frauen keine Mütter, die eine Gefahr 200 km gegen den Wind riechen.

Sogar dann, wenn da gar keine ist.

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Autor

Mirjam ist Mutter von zwei wunderbaren und unvollkommenen Kindern, studierte Psychologin und arbeitet im Herzen des Emmentals als Hausfrau und freischaffende Journalistin.

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