Mama ohne Slip

Wer bloggen will, müsse manchmal auch die Hosen etwas runterlassen. Sagte man mir neulich. Sonst seien die Storys nicht so spannend.

Das mit den Hosen runterlassen, das ist gar nicht so einfach. Es gäbe für den Leser ja oft ungemein unterhaltende Dinge, die aber für den Schreiber eher peinlich sind. Muss denn die Welt jeden Quark wissen, der einem gerade widerfahren ist? Ich meine nein. Aber auf der andern Seite – man schreibt halt so gerne, und manch gute Geschichte ergibt sich wie von selbst.

Also soll man, oder soll man nicht?

Was interessiert Mütter und solche die es waren, sind oder noch werden?

Und was interessiert die mitlesenden Väter, Grossväter und Söhne? Eine Mama ohne Slip? Ganz sicher. Also, lassen wir doch für dieses Mal die Hosen runter. Wortwörtlich.

Den zweitletzten Ferientag geniesse ich im Schwimmbad. Und weil abends Gäste kommen und ich sie bekochen will, muss ich nach dem Schwimmen noch rasch einkaufen gehen.

Nach dem Sonnenbaden, das den Krampfadern saumässig förderlich ist, in der Kabine daher zackig den nassen, geilen, roten Badeanzug vom klimakterischen Körper gerissen, mache ich mich auf die Suche nach meinem schwarzen, hübschen Slip. Unauffindbar.

Dann aber erblicke ich ihn in einer Lache Wasser von undefinierbarer Farbe. Hat eine Mitschwester einfach vor die Kabine gepinkelt? Und da drin liegt mein sauberes. spitzenbesetztes Höschen, klitschnass! Ich kann es genauso wenig anziehen wie den nassen Badeanzug. Ich gucke auf die Uhr. Ich muss in den Supermarkt.

Liebe Kolleginnen, was hättet ihr getan?

Ich hatte nur ein kurzes Kleidchen mit dabei, aus Jersey, selbst genäht in einem unerwarteten Feriennähporno-Anfall. Und mein Autositz ist kein Schwamm.

Ich habe getan was getan werden musste. Das war schliesslich ein Notfall. Tapfer schlüpfte ich in das Kleid, schmierte noch meine Beine mit Bodylotion ein, und dann überlegte ich, ob es im Supermarkt eine blickdichte Treppe oder aber einen Lift hat

Und dann ging ich hoch erhobenen Hauptes und mit kerzengeradem Rücken einkaufen.

Ohne Slip.

Mit fast sechzig. Und kaufte sicherheitshalber eine Dreierpackung mega grosse Slips mit Bein, in Grau. Schön brav und bieder. Eine Art Pseudo-Tarnung. Und, was glaubt ihr, geschah dann?

Nichts!

Ich erreichte den sicheren Hafen meines Zuhauses. Ohne Sittenpolizei im Nacken.

War doch klar, warum aber die Panik? Gibt es etwa ein Slip-Gesetz? Unsere Vorfahren hatten schliesslich auch keine Unterwäsche und schämten sich deswegen nicht. Aber – sie hatten lange Mehrfachröcke. Mein Kleid war also einen halben Meter zu kurz geraten, und die entwicklungsbedingte Urscham hatte sich gemeldet.

Aber – soll ich euch etwas verraten? Ich würde es trotzdem wieder tun.

Ich erwartete doch Gäste!

Redaktionsassistentin, Autorin, Mutter von drei erwachsenen Kindern und Stiefoma einer Schulkind-Prinzessin. Schamgefühle sind nach so einer Mutter-Karriere wie der ihren kein grosses Thema mehr. Sie hat nicht immer Recht. Aber sie liegt selten falsch.

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