Der Mama-Look

Eine lange Lockenpracht umschmeichelte meine Schultern, als ich – die noch-nicht-Mama – über ihn lästerte: Den Mama-Look.

Kurze Haare? Warum hat jede Mutter kurze Haare?
Oder fast jede.
Das Mahnmal der Mutterschaft? Oder was?

Wird man den Babyspeck nicht los, schert einen der Rest auch nicht mehr? Schwatzte ich in meiner Unwissenheit daher.
Bloss weil die Sprösslinge an den Strähnen ziehen? Oder weil man keine Zeit mehr hat, seine Haare zu pflegen?

Und aus Trotz und Prinzip fasste ich den Entschluss: Meine Haare bleiben lang. Für immer und bis in alle Ewigkeit.
Auch wenn sie grau, spröde und filzig werden.

Ach, hätte ich meine dummen Sprüche aus der Vor-Mama-Zeit nur alle gesammelt. Mein abfälliges Gelächter würde kein Ende finden.

Nun, da ich es hinter mir habe, die Hormonschübe und den Haarausfall. Die Attacken auf meine Strähnen. Die durchwirbelten Haare, weil zum Föhnen keine Zeit war. Sass ich also neulich auf dem Coiffeur-Stuhl. Ein weiteres Mal meine Prinzipien über Bord werfend.

«Schmerzgrenze?» Fragte er mich. Meine Spitzen in der einen, die Schere in der anderen Hand haltend.
«Gibt es keine.»
Etwas überrascht war er. Denn die meisten Frauen, so der Coiffeur, heulen bei allem was die 2 cm Grenze übersteigt.

«So war ich auch mal.» Hach ja. «Heute gibt’s den Mama-Look.» Das Ende meiner Jugend.

Aber da hatte ich auch einfach Zeit meine Locken zu drehen. Die Spitzen zu zähmen. Dem Bad Hair Day die Stirn zu bieten.

Heute will ich gut aussehen, aber vor allem pragmatisch bleiben.
Short Hair. Pff. Don’t care.

Mit dem Mahnmal auf dem Kopf.  Dem Stolz in der Brust.
Und den lästernden noch-nicht-Mamas im Rücken.

Mirjam ist Mitgründerin von Mamas Unplugged und seit Herbst 2017 mit ihrer Familie auf Weltreise unterwegs. Mit Fahrrad, Zelt und Hund. Wer aktuelle Blogs von ihr lesen will, findet die auf www.familiemettler.ch

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